|  |
|  Schizophrenie: Geerbt von alten Vätern
12. Apr 2001 14:03
 | Spermien, hier eine Aufnahme mit Fluoreszenzmikroskop: Je älter der Vater, desto eher gibt es Fehler. | | Foto: UC Birmingham |
|
Bisher ging man davon aus, dass nur das Alter der Mutter einen Einfluss auf die Häufigkeit von angeborenen Krankheiten hat. Doch Schizophrenie tritt bei Kindern alter Väter gehäuft auf.
Thema: Ältere Eltern und genetische Veränderungen |
|
BERLIN. «Frauen werden oft dafür verantwortlich gemacht wenn ihr Kind behindert zur Welt kommt», sagt Susan Harlap, Epidemiologin an der New York University. Schuld daran sei die Erkenntnis, dass ältere Mütter häufiger Kinder mit Behinderungen, zum Beispiel mit einem Down Syndrom, bekommen. Zusammen mit einer Forscherin der Columbia University hat Harlap jetzt herausgefunden, dass auch das Alter der Väter eine Rolle spielt
Doppeltes Risiko
Kinder von Männern zwischen 45 und 50 erkranken doppelt so oft an Schizophrenie wie der Nachwuchs von Vätern unter 25, berichten die Wissenschaftlerinnen jetzt in der Fachzeitschrift Archives of General Psychiatry.
«Das ist nur die Spitze des Eisberges», vermutet Susan Harlap, «im Laufe der Zeit könnte sich herausstellen, dass die Spermien der Väter bei der Entwicklung genetischer Erkrankungen genauso wichtig sind wie die Eizellen der Mutter.» Die Schizophrenie sei die erste häufig auftretende Erkrankung, die mit dem Alter des Vaters in Verbindung gebracht werden kann. Weltweit leiden ein Prozent aller Menschen an dieser psychischen Krankheit. Bisher konnten nur Zusammenhänge zwischen dem väterlichen Alter und bestimmten Krebsarten oder erblichem Zwergwuchs nachgewiesen werden.
Kein Zusamenhang mit anderen psychischen Leiden
Für die jetzt veröffentlichte Arbeit untersuchten die Forscherinnen Krankendaten von über 85 000 Menschen die zwischen 1964 und 1976 in Jerusalem geboren sind. 658 von ihnen erkrankten an Schizophrenie oder einer ähnlichen Psychose. Jeder vierte Krankeitsfall konnte durch das Alter des Vaters erklärt werden, schreiben die Forscherinnen. Die Häufigkeit anderer psychischer Leiden ist unabhängig vom Alter der Eltern.
Die Ergebnisse der Studie sollten ältere Väter allerdings nicht von ihrer Familineplanung abhalten, sagt Susan Harlap. Biologisch gesehen sei die beste Zeit zwar Anfang zwanzig aber viele Männer fühlten sich dann noch zu jung für eine Familie.
Für das Web ediert von Philipp Klein
|
|  | |  | |