netzeitung.deBoulez: Mein Werk ist immer in Bewegung

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Pierre Boulez (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Pierre Boulez
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Pierre Boulez hat den Preis des Klavier-Festivals Ruhr 2005 erhalten. Die Netzeitung sprach mit dem französischen Komponisten und Dirigenten über seine nächsten Projekte.

Von Corina Kolbe, Duisburg

Eine doppelte Ehrung zu seinem 80. Geburtstag hat Pierre Boulez in Duisburg beim Klavier-Festival Ruhr entgegengenommen. Sein ehemaliger Schüler Pierre-Laurent Aimard und die Pianistin Tamara Stefanovich führten am Sonntag in der ehemaligen Gebläsehalle, einem Industriedenkmal im Landschaftspark Duisburg Nord, das Solo-Klavierwerk des französischen Komponisten und Dirigenten auf. Intendant Franz Xaver Ohnesorg überreichte Boulez zudem den diesjährigen Preis des Festivals, das mittlerweile zum weltgrößten Pianistentreffen aufgestiegen ist.

Mit 80 Jahren denke er noch längst nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen, sagte Boulez nach der Preisverleihung im Gespräch mit der Netzeitung. Er wolle weiter an der Orchesterfassung seines Klavier-Frühwerks «Notations» arbeiten und «Anthèmes III» für Violine und Orchester komponieren. Außerdem plane er mehrere Klavierstücke und wolle mit den Wiener Philharmonikern zusammenarbeiten, sagte der Maestro.

Musik braucht einen ungewöhnlichen Rahmen
Dass seine Werke in einer stillgelegten Industrieanlage gespielt würden, sei etwas Besonderes, betonte Boulez. Ihm gefalle es, wenn Musik unter außergewöhnlichen Umständen aufgeführt werde. Konzertsäle seien konventionell, in der Gebläsehalle herrsche eine ganz andere Atmosphäre.

Die alten Maschinen, die in dem Gebäude zu sehen sind, erinnerten ihn an eine Skulpturensammlung, so Boulez. Dabei handele es sich um Kunstwerke, die einen engen Bezug zur Realität hätten. An diesem Ort werde die Vergangenheit lebendig.

In der Musik suche er immer nach Fundstücken, wie einst die Surrealisten nach ihren «objets trouvés», bekannte er. Dadurch halte er sein Werk in Bewegung - eigentlich seien seine Kompositionen nie abgeschlossen.

Boulez: Streit um «Parsifal» ist vorbei
In Kürze wird Boulez, wie bereits im vergangenen Jahr, bei den Bayreuther Festspielen Wagners «Parsifal» in der umstrittenen Inszenierung von Christoph Schlingensief dirigieren.

Er glaube, dass der Skandal um die Oper inzwischen vorbei sei, sagte er. Für Aufregung habe im Grunde genommen nur der persönliche Streit zwischen Schlingensief und dem Tenor Endrik Wottrich gesorgt. Anders sei es beim «Ring des Nibelungen» von Patrice Chéreau gewesen, den er von 1976 bis 1980 in Bayreuth dirigiert hatte. Damals habe vor allem die Regie Kontroversen ausgelöst.

Wäre er Schlingensief, würde er einiges an der Inszenierung ändern, meinte Boulez. Die Videosequenzen finde er oft übertrieben, auch der Regieeinfall mit dem toten Hasen sei nicht gelungen. Oper müsse sich das Wesentliche konzentrieren - und das sei immer die Musik.