Unter dem Eindruck des Holocaust wandte sich Friedländer dem Judentum zu. 1948 verließ der 15-Jährige Frankreich und wanderte in den neu gegründeten Staat Israel aus. «Ich war ein überzeugter Zionist in dieser Zeit», erinnert sich Friedländer. Der Jugendliche lernt Hebräisch und ändert seinen Vornamen Pavel in Shaul, später in Saul. Nach dem Studium der Politikwissenschaft in Tel Aviv und Paris beginnt er seine akademische Laufbahn in Genf, wo er 1967 Professor wird. Später übernimmt er Professuren in Tel Aviv und Los Angeles.Der Mann mit dem dichten weißen Haar und dem gütigen Gesicht, der fließend Deutsch spricht, verfolgt die Debatten in Deutschland über die NS-Vergangenheit von seinem Wohnsitz Los Angeles aus aufmerksam. Ein Schlussstrich unter die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ist nach Überzeugung Friedländers nicht möglich, auch wenn es alle 20, 30 Jahre «wellenartige Versuche» gebe, die Diskussion zu beenden.
Den Friedenspreis nimmt Friedländer mit «sehr komplexen Gefühlen» entgegen: Auf der einen Seite sei der Preis eine «große Ehre» für ihn, sagte er bei einem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse am Freitag. Auf der anderen Seite steht das große Thema, das ihn seit fast fünf Jahrzehnten wissenschaftlich beschäftigt und das ihm die Auszeichnung eintrug: «Das Thema hat mit der Vernichtung meiner ganzen Familie zu tun.» (Jürgen Prause, epd)