23. Dez 2007 14:40
Er galt als der letzte Erbe des Surrealismus und als einer der bedeutendsten Autoren der französischen Gegenwart. Julien Gracq ist im Alter von 97 Jahren in Paris gestorben.
Gracq ist bekannt für einzigartige Metaphern, eine scharfe Sprache und die dichte Atmosphäre seiner Werke. Sein früher Mentor und Freund André Breton nannte ihn wegen surreal-poetischer Beschreibungen auch den «letzten Erben des Surrealismus». Auch die deutsche Literatur hatte Einfluss auf sein Werk, neben der Romantik auch Franz Kafka und insbesondere Ernst Jüngers Roman «Auf den Marmorklippen». Geboren wurde Gracq als Louis Poirier am 27. Juli 1910 als Sohn eines Handwerkers in Saint-Florent-le-Vieil. Er studierte an der Elitehochschule ENS und arbeitete bis 1970 als Lehrer für Geschichte und Geographie. Aufsehen als Schriftsteller erregte er erstmals 1950 mit dem Essay «La littérature à l'estomac» (Die Literatur im Magen). Darin kritisierte er den auf Konsum abzielenden französischen Literaturbetrieb und das Unwesen der Literaturpreise.
Als er selbst 1951 den begehrten Prix Goncourt für «Das Ufer der Syrten» bekam, wies er die Auszeichnung zurück - was ihm die Bewunderung vieler Pariser Literaturkritiker einbrachte. Der Verlag Gallimard ehrte Gracq in den 90er Jahren mit einer Gesamtausgabe in der aufwendigen Reihe Pléiade, eine für lebende Autoren äußerst seltene Auszeichnung. Sein Hauptverleger war aber José Corti. Zuletzt lebte Gracq zurückgezogen und allein in seinem Geburtsort bei Nantes. (dpa)