Hamburg hat einen Museumsskandal
10. Dez 2007 16:15
 |  Besucher betrachten in Hamburg einen Tonsoldaten | Foto: dpa |
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Gegen eine Ausstellung von chinesischen Terrakotta-Soldaten im Hamburger Völkerkundemuseum ist Anzeige wegen Betrugs erstattet worden. Die dort ausgestellten acht Figuren könnten illegale Kopien sein.
Die chinesischen Terrakotta-Soldaten, die derzeit im Völkerkundemuseum in Hamburg ausgestellt werden, sind möglicherweise gefälscht. Es handelt sich um Figuren der weltberühmten Armee des ersten chinesischen Kaisers (259 bis 210 v. Chr.), die seit November in der Ausstellung «Macht im Tod - Die Terrakotta-Armee des Ersten Kaisers von China» zu sehen sind. Die zuständigen Behörden in Peking und Xi'an berichteten am Montag, weder eine Ausstellung in Hamburg noch eine Ausfuhr der 2200 Jahre alten Tonkrieger nach Deutschland genehmigt zu haben, obwohl dies vorgeschrieben wäre. Das staatliche Amt für die Verwaltung von Kulturgütern in Peking schloss daraus, dass es sich bei den Exponaten um illegale Kopien handeln müsse: «Hier scheint es ein Problem mit dem Schutz von Urheberrechten zu geben.»
«Wir haben gegenwärtig keine Ausstellung mit Terrakotta-Soldaten in Deutschland», sagte der Sprecher. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Provinzamtes für Kulturgüter in der alten Kaiserstadt Xi'an, wo die lebensgroßen Figuren herkommen. In Europa sei einzig eine Ausstellung in London genehmigt. «Wir haben keine Ausstellung in Deutschland. Wenn es eine gäbe, müssten wir davon wissen, weil sie von uns hätte genehmigt werden müssen.» Die Behörde wisse immer genau, wo die Tonsoldaten in der Welt seien.
Kulturmanager brachte Stein ins Rollen
Genau das hatte vor einer Woche der Kulturmanager Roland Freyer, der 2005 in Markkleeberg bei Leipzig eine Ausstellung mit den Tonkriegern organisiert hatte, behauptet und damit den Stein ins Rollen gebracht. Freyer liegt allerdings seit Jahren mit dem Leipziger Center of Chinese Arts and Culture (CCAC) im Streit, das die Schau in Hamburg konzipiert hat. Wechselseitige Strafanzeigen führten zu Ermittlungsverfahren, die nach Angaben der Leipziger Staatsanwaltschaft jedoch alle eingestellt wurden. Das Völkerkundemuseum wollte Freyer zunächst nicht glauben, weil er eine Ersatzausstellung mit antiken Uhren anbot.
«Unübersichtliche» Unterlagen
Die Frage stellt sich jedoch, warum sich das Museum überhaupt auf die dubiosen Ausstellungsmacher aus Leipzig eingelassen hat. Waren die Vorgänge dem Museum unbekannt? Und warum hat man sich nicht direkt mit den Chinesen in Verbindung gesetzt? So hat es nämlich das Britische Museum in London gemacht, wo seit dem 13. September 20 original Terrakotta-Krieger zu bewundern sind. Zumindest hätten sich die Hamburger Museumsleute bei den Chinesen rückversichern und sich gültige Zollpapiere vorlegen lassen müssen. Aber selbst das war nicht der Fall. Erst nach bekannt werden der Vorwürfe beurteilte Museums- Direktor Wulf Köpke die Unterlagen als «unübersichtlich». Dabei hatte die Ausstellung schon im Vorfeld zu diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen Deutschland und China geführt. Weil die Exponate nicht rechtzeitig zum Eröffnungstermin eintrafen, musste die Schau um sechs Wochen verschoben werden. Gerüchte, die Chinesen seien gekränkt wegen des Empfangs des Dalai Lama durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), machten die Runde. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust und der chinesische Generalkonsul Ma Jinsheng wurden eingeschaltet.
Besucher bekommen Geld zurück
Seit der verspäteten Eröffnung am 26. November haben immerhin 10.000 Besucher die Ausstellung gesehen. Jetzt ermittelt das Landeskriminalamt. «Sollten sich Besucher getäuscht fühlen, bekommen sie ihr Geld zurück», sagte Geschäftsführer Thorsten Pück am Montag. «Ab morgen werden wir ein Hinweisschild aufstellen, dass es sich um Kopien handelt. Dann kann jeder Besucher selbst entscheiden, ob er die Schau sehen möchte oder nicht.» (dpa)