Akropolis-Schätze ziehen um
15. Okt 2007 13:30
 |  Der erste Container mit Friesteilen wird verladen | Foto: dpa |
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Es ist einer der teuersten Umzüge in der Geschichte Athens: Friesteile vom Parthenon-Tempel in Athen werden in ein neues Museum gebracht, hunderte Statuen sollen folgen.
Auf der Akropolis von Athen läuft seit Sonntag einer der größten Umzüge in der Geschichte der griechischen Hauptstadt: Drei Riesenkräne heben Container mit Friesteilen aus dem Parthenon-Tempel und bringen sie 60 Meter tiefer und 400 Meter weiter zum neuen Museum der Akropolis am Fuße des Hügels.
In den kommenden Monaten werden weitere rund 300 Statuen und Friesteile aus der klassischen Antike folgen. Der griechische Kulturminister, Michalis Liapis, macht keinen Hehl daraus, wozu diese monatelange Aktion auch dienen werde: «Es geht auch um die Wiedervereinigung der Friesteile des Parthenon-Tempels. Im neuen Museum werden sie sicher untergebracht sein», sagt er immer wieder. Der Umzug wird nach Angaben des Athener Kulturministeriums mehr als 2,5 Millionen Euro kosten und etwa drei Monate lang dauern. Die Aktion soll solange wie möglich im Mittelpunkt der Berichte im Fernsehen bleiben und immer wieder daran erinnern: 56 der 96 Platten des Frieses des wichtigsten Tempels auf der Akropolis, des Parthenon (Frauengemach), befinden sich bis heute im Britischen Museum in London.
Rückforderung an Britisches Museum
Der damalige britische Botschafter in Konstantinopel, Lord Elgin, hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die am besten erhaltenen Teile des Parthenons und anderer Denkmäler der Akropolis demontiert und nach England gebracht. Athen fordert seit mehr als 25 Jahren ihre Rückgabe. Die Griechen hoffen, dass mit der Eröffnung des neuen Museums auch die Chancen steigen, die fehlenden Parthenon-Friesteile vom Britischen Museum nach Athen zurückzubekommen. London argumentierte seit Jahren, in Athen gebe es kein geignetes Museum für die Friesteile. «Jetzt gibt es eins. Jetzt können sie nicht mehr damit kommen», sagte Evgeneia Kalogeratou, eine Architektin im Athener Kulturministerium, der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Der britische Botschafter war anwesend beim ersten Transport. Er werde es seiner Regierung bestätigen, hieß es weiter.
Die Gemüter waren Ende der 90er Jahre erhitzt. Athen sprach von Kunstraub und warf London Kulturexpansionismus vor. Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt. Athen spricht lediglich von der «Wiedervereinigung» der Friesteile. Diplomaten und Experten verhandeln hinter verschlossenen Türen. Obwohl das Britische Museum offiziell eine Rückgabe weiterhin ablehnt, finden nach übereinstimmenden Berichten der griechischen und britischen Presse seit Mai geheime Verhandlungen zwischen London und Athen statt.
«Nichts ist offiziell»
Im Mittelpunkt steht eine Kompromisslösung: Die Friesteile könnten nach Athen kommen unter der Voraussetzung, dass Griechenland das Britische Museum als rechtmäßigen Inhaber der Friesteile anerkennt. Im Gegenzug werde Athen wichtige Ausstellungen in London veranstalten, bei denen Ausstellungstücke gezeigt werden sollen, die bislang nie das Land verlassen durften. «Nichts ist offiziell», hieß es in Athen am Montag auf Anfrage. Für den Fall, dass die Friesteile doch nicht wiedervereinigt werden, hat Athen bereits eine bittere Lösung parat: Der berühmte Parthenon-Fries soll im letzten Stockwerk des neuen Museums zwar komplett gezeigt werden. Die fehlenden Teile von London sollen jedoch dann nicht als Duplikate sondern nur als Hologramm hinter einem symbolischen Gitter zu sehen sein. (Takis Tsafos, dpa)