netzeitung.deDas neue Gesicht der Museumsinsel

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Ab 2012 soll die Museumsinsel einen neuen Eingang erhalten (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Ab 2012 soll die Museumsinsel einen neuen Eingang erhalten
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der britische Stararchitekt Chipperfield hat seinen Plan für den zentralen Zugang zur Berliner Museumsinsel vorgestellt. Der neue Bau bewahre die Würde des Ortes als Tempelstadt, findet zumindest Museenchef Schuster.

Die Neugestaltung der Berliner Museumsinsel nimmt konkrete Formen an. Der Architekt David Chipperfield stellte am Mittwoch in Berlin den Entwurf für ein neues Gebäude vor, das von 2012 an der zentrale Zugang zum Museumskomplex sein soll. Die so genannte James- Simon-Galerie soll als filigraner Kolonnaden-Bau an das Pergamonmuseum anschließen und dank großzügiger Verglasung einen weitgehend ungestörten Blick auf das Neue Museum frei halten.

Gegen die ursprünglichen Planungen aus dem Jahr 2001 hatte es heftige Proteste gegeben. Eine Bürgerinitiative, der sich unter anderem TV-Moderator Günther Jauch angeschlossen hatte, fordert eine historische Rekonstruktion und strebt ein Volksbegehren an. Mit dem Entwurf seien öffentliche Einwände sowie eine veränderte Planung für den Um- und Ausbau der Museumsinsel berücksichtigt worden, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann.

Im Januar hatte der Bundestag überraschend entschieden, den auf 73 Millionen Euro veranschlagten Bau vorzuziehen und nicht erst nach der Renovierung der Museumsinsel in Angriff zu nehmen. Die Berliner Denkmalschutzbehörde sowie der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos), der die Empfehlungen an die Unesco bei der Wahrung des Weltkulturerbes gibt, hätten dem Entwurf zugestimmt.

Nofretete-Stifter ist Namenspatron
Die nach dem Stifter der Nofretete-Büste James Simon (1851-1932) benannte Galerie soll über eine Freitreppe zugänglich sein und als öffentlicher Raum den Besuchern eine erste Orientierung auf der Museumsinsel ermöglichen, sagte Chipperfield.

Der Brite hat unter anderem das neue Museum beim Deutschen Literaturarchiv in Marbach entworfen. Zudem erstellt er den kompletten Neubau des Museum Folkwang in Essen, wo die Arbeiten in diesem Herbst beginnen.

Das neue Haus auf der Museumsinsel öffnet den direkten Zugang zum Pergamonmuseum sowie zur so genannten Archäologischen Promenade, die vier der fünf Museen auf Erdgeschoss-Ebene verbinden wird. Die historischen Eingänge für alle Museen bleiben bestehen. Außerdem sollen in der neuen Galerie Räume für Wechselausstellungen und Konferenzen entstehen.

Chipperfield will bis bis zum Jahresende die Detailplanung vorlegen. Zum hervorstechenden Merkmal des neuen Gebäudes, das auf einen zweigeschossigen Sockel gestellt wird, zählt die filigrane Kolonnade. Sie schließt sich an den von Friedrich Karl Stüler (1800-1865) entworfenen Säulengang vor der Alten Nationalgalerie bis zum Neuen Museum in gleicher Höhe an. Auf dem Gelände des neuen Eingangshauses stand einst der von Friedrich Karls Schinkel entworfene Packhof, der 1939 abgerissen wurde. Nach dem Abriss blieb die Rückfront des Neuen Museums frei sichtbar.

Chipperfields Entwurf schließe den Bogen zwischen der Architektur Stülers und der Moderne, sagte der Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin, Peter-Klaus Schuster. «Das neue Gebäude bewahrt die Würde der Museumsinsel als Tempelstadt», betonte der Museumschef. (dpa)