Unwetter macht documenta schöner
20.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Auf «erstaunlich ästhetische Weise» sei das Werk in sich zusammengestürzt, sagte Documenta-Sprecherin Catrin Seefranz. Niemand sei verletzt worden. Der Künstler habe sein zerstörtes Kunstwerk bereits gesehen und finde es schöner als zuvor.
Ai, der vor allem durch seine Einladung an 1001 seiner Landsleute zur documenta bekannt geworden ist, will seine Installation nicht wieder aufbauen lassen. Das Werk zeige jetzt auch, dass die Natur immer wieder für Überraschungen gut sei. «Jetzt wird die Kraft der Natur sichtbar. Und Kunst wird durch solche Emotionen erst schön.» Ai ist auch Architekt und hat zum Beispiel am Pekinger Olympiastadion mitgearbeitet. «Aber da war ich Architekt, hier bin ich Künstler. Keine Angst, ich mache da Unterschiede.»
documenta-Chef Roger Buergel, barfuß in einer großen Pfütze vor «Template», sah den Einsturz als «nur konsequent». «Auf der einen Seite ist das eine relative Katastrophe, auf der anderen Seite lassen die Trümmer jetzt jede Menge Assoziationen zu. Und genau das will Kunst ja: Anregen», sagte Buergel.
Der Einsturz sei nicht ganz überraschend gewesen. «Die Statiker hatten gesagt, dass es Probleme geben könnte, deshalb war das Werk nicht zugänglich und so gebaut, dass es nicht auf die Ausstellungshalle stürzen konnte.» Auch für Köhler habe keine Gefahr bestanden. «Für den Einsturz war ein solches Unwetter nötig, bei dem selbst der mutigste Bundespräsident das Weite gesucht hätte.»
Am Donnerstag, nur Stunden nach dem Einsturz, wollte eigentlich ein Käufer «Template» begutachten. Ai Weiwei zeigte sich dennoch optimistisch: «Der Preis hat sich soeben verdoppelt», sagte er nach dem Einsturz lachend. (nz/dpa/AP)

