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Lyriker Michael Hamburger in Suffolk gestorben

12. Jun 2007 14:23
Als Übersetzer trug er zur Vermittlung deutscher Literatur in England bei. Als Lyriker hatte er einen scharfen Blick für unscheinbare Dinge. Michael Hamburger wurde 83 Jahre alt.

Der aus Berlin stammende Übersetzer und Lyriker Michael Hamburger ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Der Sohn aus einer jüdischen Arztfamilie, der 1933 mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten nach England fliehen musste, starb am vergangenen Donnerstag in seinem Haus in Suffolk, teilte der Folio Verlag in Wien am Dienstag mit.

Hamburger trug als Übersetzer wesentlich zur Vermittlung deutscher Literatur von Hölderlin und Trakl bis Enzensberger und Grass in England bei. In eigenen Werken, etwa den «Baumgedichten», widmete er sich der präzisen Betrachtung unscheinbarer Dinge und Lebewesen.

Nach Edinburgh emigriert

Geboren am 22. März 1924 in Berlin, emigrierte Michael Peter Leopold Hamburger 1933 mit seinen Eltern nach Edinburgh. Die Familie ließ sich später in London nieder. Noch während seines Studiums der Literaturwissenschaft in Oxford veröffentlichte Hamburger 1943 seinen ersten Band mit Übersetzungen Hölderlins, mit dessen Werk er sich sein Leben lang auseinandersetzte. Bereits diese Ausgabe wurde von der Kritik hoch gelobt.

Auch seine späteren Übertragungen deutscher Gedichte von Goethe und Heine über Trakl, Rilke und Büchner bis Celan, Grass und Enzensberger ernteten viel Lob für ihre präzise, dabei feinfühlige Sprache. Umgekehrt machte Hamburger auch das deutsche Publikum mit dem lyrischen Werk englischsprachiger Dichter wie T. S. Eliot, Dylan Thomas oder Robert Francis bekannt.

Mensch und Natur driften auseinander

In eigenen Gedichten, die häufig als düster und verzweifelt empfunden wurden, beschäftigte sich Hamburger mit Naturbeobachtungen und Schilderungen scheinbar alltäglicher Dinge. In dem Langgedicht «Das Überleben der Erde» etwa setzt er sich mit dem Auseinanderdriften von Mensch und Natur auseinander. In seinem letzten, im Jahr 2000 erschienene Lyrikband «In einer kalten Jahreszeit» spricht er in eindringlicher Sprache vom Holocaust.

Hamburger, der als leidenschaftlicher Gärtner in seinem eigenen Garten seltene Pflanzen züchtete, wirkte auch literaturwissenschaftlich. Seine Hölderlin-Ausgabe von 1967 gilt im angelsächsischen Raum bis heute als wegweisend, sein 1985 auch in Deutschland unter dem Titel «Wahrheit und Poesie» erschienenes Hauptwerk wurde zum Klassiker der wissenschaftlichen vergleichenden Analyse der modernen Lyrik. Hamburger wurde unter anderem mit der Goethe-Medaille der Stadt Frankfurt, dem Hölderlin-Preis und dem Petrarca-Preis ausgezeichnet. (dpa)

 
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