Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Nazi-Raubkunst in Züricher Banksafe vermutet

01. Jun 2007 19:57
Nach dem kürzlichen Tod eines NS-Kunsträubers ist der Inhalt eines Züricher Banksafes bekannt geworden. Ein Münchner Kunsthändler steht unter Erpressungs-Verdacht.

Staatsanwälte in Deutschland und der Schweiz sind auf eine heiße Spur zu Nazi-Raubkunst gestoßen. In Zürich stellten sie Gemälde in einem Banktresor sicher, der dem kürzlich in München verstorbenen NS-Kunsträuber Bruno Lohse gehörte. Die Münchner Justiz ermittelt wegen Verdachts der Erpressung gegen einen Kunsthändler, der der Enkelin des jüdischen Verlegers Samuel Fischer die Rückgabe eines wertvollen Gemäldes gegen «Finderlohn» angeboten hatte.

Mehr in der Netzeitung:
Die Frau hatte den Kunsthändler angezeigt und den Fall damit ins Rollen gebracht. Der Münchner Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld sagte am Freitag, der Kunsthändler habe keine Angaben gemacht, woher er das Gemälde «Le Quai Malaquais, Printemps» des französischen Impressionisten Camille Pissaro habe. Das Bild war der Familie Fischer 1938 geraubt worden. Von der Enkelin habe der Kunsthändler 18 Prozent Finderlohn verlangt. Die Ermittler hätten seine Räume durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Den Vorwurf der Erpressung habe er bestritten.

Wie der Züricher Staatsanwalt Ivo Hoppler sagte, wurden in einem Tresor der Zürcher Kantonalbank mehrere Gemälde sichergestellt. Der Tresor habe einer Liechtensteiner Anstalt gehört, hinter der Lohse steckte, früher oberster Kunstraub-Beauftragter von NS-Reichsmarschall Hermann Göring, des nach Hitler zweitmächtigsten Mannes in der Nazi-Hierarchie. Ob auch das gesuchte Bild von Pissaro im Safe war, sagte Hoppler nicht.

Ominöses Angebot

Das Schweizer Magazin «Cash» berichtete, neben Lohse habe auch der Münchner Kunsthändler Zugang zu dem Safe gehabt. Er habe das Pissaro-Gemälde kürzlich sogar selbst vermessen und fotografiert. Laut «Cash» und «Süddeutscher Zeitung» soll Lohse in dem 1978 angemieteten Banktresor mindestens 14 Gemälde von Albrecht Dürer, Auguste Renoir, Claude Monet und anderen gebunkert haben. Der Tresorschlüssel sei bei einem Treuhänder in Liechtenstein aufbewahrt worden. Die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft bestätigte ein eigenes Strafverfahren, machte aber keine näheren Angaben.

Hoppler will seine Unterlagen Anfang nächster Woche seinen Kollegen in München und Liechtenstein schicken. Schmidt-Sommerfeld sagte, es sei offen, ob die Ermittlungen dann ausgeweitet würden. Gegen einen US-Kunsthistoriker, der der Fischer-Enkelin zusammen mit dem Kunsthändler das ominöse Angebot gemacht haben soll, ermittelt die Münchner Justiz mangels Zuständigkeit nicht. (AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Anschlagsserie mit Dutzenden Toten: 
13-Jährige sprengt sich im Irak in die Luft
Nach dem Tod von acht Zivilisten: 
Syrien kritisiert «Aggression» der US-Armee
 
Krümmungswinkel egal: 
Freiheit für die EU-Gurke
Nach Ende des Kaukasus-Kriegs: 
EU will Russland nicht mehr ausgrenzen
 
Koalition einigt sich bei Online-Durchsuchung: 
BKA-Trojaner erhält Verfallsdatum
Trauerfeier zu Afghanistan-Soldaten: 
Jung würdigt Verdienste «gefallener Soldaten»
 
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.