netzeitung.deBekannte Schriftsteller geben Doping zu

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Stechender Blick, zitternde Hand: Thomas Brussig (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Stechender Blick, zitternde Hand: Thomas Brussig
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nachdem Thomas Brussig jahrelangen Dopingmissbrauch gestanden hat, wagen sich weitere renommierte Autoren an die Öffentlichkeit.

Im «Tagesspiegel» hatte der Berliner Schriftsteller Thomas Brussig kürzlich den exzessiven Konsum leistungssteigernder Substanzen zugegeben. Ermutigt vom Radsport-Skandal griff Brussig aber auch den Literaturbetrieb scharf an und warf seinen Kollegen vor, eine übergreifende «Kultur des Nichtwissenwollens» zu betreiben, die Substanzmissbrauch in diesem Ausmaß überhaupt erst möglich mache.

Auf die Frage, womit er gedopt habe, antwortete Brussig: «Alles, was mir in die Finger kam. Ich hab mit Koffein und Vitaminen angefangen, habe es mit Höhen-und Bibliotheksluft versucht, aber das brachte nicht viel. Ich hab dann wild durcheinandergedopt: Anabole Steroide, Asthmasprays, später Epo, was weiß ich. Pillen, Cocktails, Spritzen, Sprays – ich wusste oft selbst nicht, was ich nehme.»

Brussig gab sich überzeugt, dass der Literaturbetrieb durch und durch dopingverseucht ist. Wirksame Kontrollen sah er nirgends: «Urinkontrollen während der Buchmesse, das ist doch lachhaft. Da sind die Bücher doch längst geschrieben».

Betriebsgewicht erhöht
Die Geständnisse jener Schriftsteller, die sich nun ebenfalls an die Öffentlichkeit wagen, scheinen Brussig recht zu geben. So gesteht die Autorin Marion Poschmann eine «Schwäche für Holzimprägniermittel», ihre Kollegin Tanja Dückers nennt sich selbst eine «Schokoholikerin». Und der Schweizer Schriftsteller und Musiker Jürg Laederach («69 Arten den Blues zu spielen») bekennt, es den Radfahren gleich getan zu haben und Epo gespritzt zu haben - auch wenn es «bisher nichts genützt» habe.

Für besonders viel Aufregung sorgt das Geständnis des Berliner Autors Norbert Zähringer:

«Als ich vor der letzten Buchmesse auf die obligatorische Autorenwaage neben dem Halleneingang steigen musste, hatte ich unter meinem Mantel beide Bände des Berliner Telefonbuches versteckt, und auf diese Weise mein literarisches Betriebsgewicht regelwidrig erhöht.»

Die Äußerungen der Schriftsteller zum Dopingmissbrauch sind auf der Website www.literaturport.de versammelt, hier kann man auch das Bekenntnis von Brussig in voller Länge lesen. Das Literaturportal aus Berlin ist bekannt geworden durch sein Autorenlexikon. Falls Doping im Literaturbetrieb tatsächlich so verbreitet ist, wie es den Anschein macht, müsste dieses Lexikon allerdings gründlich überarbeitet werden.



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