29.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
Zur Documenta bringt der chinesische Künstler Ai Weiwei mehr als 1000 Landsleute mit. Sie schauen sich die Exponate an - und werden dabei fotografiert.
Wie halten es einfache Chinesen mit der modernen Kunst? Um dies herauszufinden, bringt der chinesische Künstler Ai Weiwei genau 1001 Landsleute zur diesjährigen Documenta 12. Arbeiter, Angestellte, Studenten, Schweinebauern, Straßenhändler und Beschäftigte in anderen alltäglichen Berufszweigen sollen in fünf Gruppen vom 12. Juni bis 4. Juli in Kassel eintreffen, um am Kunstprojekt «Fairytale» teilzunehmen.
«Die Grundidee besteht darin, Bedingungen zu schaffen, die zur Selbsterfahrung anregen und eine erweiterte Teilhabe an der Kunst ermöglichen», sagte Ai in einem Interview, das am Dienstag von der englisch-sprachigen Zeitung «China Daily» veröffentlicht wurde.
Die ausgewählten Teilnehmer seines Projekts sollen jeweils etwa eine Woche in Kassel bleiben und bei ihrem Gang durch die Documenta-Stadt fotografiert und gefilmt werden. Dabei sollen sie spezielle Uniformen tragen, die Ai und sein Projektteam entwickelt haben.
Einmal am Tag ist eine gemeinsame Aktion aller anwesenden Chinesen geplant. Einzelheiten dazu wollte Ai noch nicht mitteilen. Untergebracht werden die Teilnehmer in einer leer stehenden Volkswagen-Fabrik, die eigens dafür umgebaut wurde. Auf zwei Stockwerken wurden kleine Wohneinheiten für jeweils acht Personen geschaffen. Keine sehr noble Unterkunft, wie Ai einräumte, doch habe in Kassel kein ausreichender Hotelraum zur Verfügung gestanden.
Millionenschweres ProjektAi wollte nach eigener Aussage ganz bewusst Menschen zur Documenta bringen, die sonst kaum Gelegenheit zum Reisen haben. Die vorgesehenen Projektteilnehmer kommen aus 21 verschiedenen Regionen Chinas und sind zwischen zweieinhalb und 69 Jahren alt. Für ihre Anreise, Unterbringung und Verpflegung will Ai selbst das Geld zusammenbringen.
Nach Schätzungen auf der Web-Site Artnet.com sind für «Fairytale» rund drei Millionen Euro veranschlagt. Sponsoren sind die Leister und Erlenmeyer Stiftung aus der Schweiz sowie Ais eigene Galerie Urs Meile in Luzern. (Min Lee, AP)