Die Tadbrothers können über Hitler lachen
29.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Ihre Mutter ist schuld, dass die Tadbrothers überhaupt auf der Bühne stehen. «In einer jüdischen Familie hat sie immer das letzte Wort - und unsere Mutter sagte: «Jungs macht doch etwas Künstlerisches».» Avi Toubiana war Kfz-Meister, sein Bruder David hatte Diplome in Programmierung und Bioinformatik in der Tasche, als die beiden Berliner der mütterlichen Weisung folgten.
Jetzt gehören sie zu den wohl erfolgreichsten jüdischen Comedians in Deutschland. Sie selbst sagen, dass sie sogar die Einzigen sind, die in Deutschland einen typisch jüdischen Humor auf die Bühne zaubern.
Da drängt sich natürlich die seit Dani Levys Hitler-Komödie vieldiskutierte Frage auf: Darf man über Hitler lachen? «Gerade wir als Juden können uns über Hitler lustig machen», sagt Avi. Sein 27-jähriger Bruder David ergänzt: «Die Nazizeit war etwas so Singuläres, das konnten wir in unserem jüdischen Freundeskreis nur mit Sarkasmus und Selbstironie verarbeiten.» Als Beispiel nennt Avi Freunde, die sich zu Karneval als Adolf Hitler verkleidet haben und «bei einer Bahnfahrt habe ich schon Mal gesagt, nach 60 Jahren rollen die Züge wieder.»
Inspektor Brio und Assistent Picard stehen vor schwierigen Ermittlungen. Schnell und laut agieren die Tadbrothers im Panini-Express: Durch blitzschnelles Wechseln von Sprache, Gestik und Utensilien wie Brillen und Mützen spielen Avi und David alle Zugpassagiere und die beiden Kommissare zugleich. Ein bisschen erinnern sie dabei an Charlie Chaplin oder die Marx Brothers.
Während Levy mit seiner Hitler-Komödie «Mein Führer» in aller Munde ist, zeigt das Beispiel der Tadbrothers, dass sich auch abseits des großen öffentlichen Interesses weitere Facetten eines jüdischen Kulturlebens entwickeln. Die beiden Brüder sehen sich als Pioniere für eine Renaissance der früher so aktiven jüdischen Kulturszene. «In den zwanziger Jahren waren die Juden sehr einflussreich in der deutschen Kulturlandschaft, auch bei der Comedy. Man denke nur an die Comedian Harmonists», erinnert der 27-jährige David an die «goldenen» zwanziger Jahre in Berlin. Daran versuchen sie nun anzuknüpfen. Dank ihrer Mutter. (dpa)

