Die Tadbrothers können über Hitler lachen
29. Jan 2007 12:28
 |  Deutsch-jüdisches Komikerpaar: The Tadbrothers | Foto: tadbrothers.com |
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Mit Sarkasmus und Selbstironie nähert sich ein deutsch-jüdisches Komikerpaar der Nazizeit. Angesichts des typisch jüdischen Humors der Tadbrothers stellt sie sich wie bei Dani Levy die Frage: Ist Hitler eine Witzfigur?
Von Georg ImarIhre Mutter ist schuld, dass die Tadbrothers überhaupt auf der Bühne stehen. «In einer jüdischen Familie hat sie immer das letzte Wort - und unsere Mutter sagte: «Jungs macht doch etwas Künstlerisches».» Avi Toubiana war Kfz-Meister, sein Bruder David hatte Diplome in Programmierung und Bioinformatik in der Tasche, als die beiden Berliner der mütterlichen Weisung folgten.
Jetzt gehören sie zu den wohl erfolgreichsten jüdischen Comedians in Deutschland. Sie selbst sagen, dass sie sogar die Einzigen sind, die in Deutschland einen typisch jüdischen Humor auf die Bühne zaubern.
In 60 Jahren rollen die Züge wieder
Was das bedeutet? «Unser Humor ist schnell, kritisch, laut», sagt der 30-jährige Avi, der wie sein Bruder in Düsseldorf aufwuchs. Ihre Show lebt von Situationskomik, starker Gestik und jeder Menge Anspielungen. Ein Beispiel: Schaffner Adi will in einer Szene ihres Stücks «Mord im Panini-Express» die Zugtickets kontrollieren. Der nicht ganz keusch wirkende Priester findet seinen Fahrschein nicht und ruft vor Schreck «Heilige Maria». Bei der Silbe «Heil» hat Schaffner Adi schon den rechten Arm zum Gruße nach vorn gestreckt und die Hacken zusammengeschlagen.Da drängt sich natürlich die seit Dani Levys Hitler-Komödie vieldiskutierte Frage auf: Darf man über Hitler lachen? «Gerade wir als Juden können uns über Hitler lustig machen», sagt Avi. Sein 27-jähriger Bruder David ergänzt: «Die Nazizeit war etwas so Singuläres, das konnten wir in unserem jüdischen Freundeskreis nur mit Sarkasmus und Selbstironie verarbeiten.» Als Beispiel nennt Avi Freunde, die sich zu Karneval als Adolf Hitler verkleidet haben und «bei einer Bahnfahrt habe ich schon Mal gesagt, nach 60 Jahren rollen die Züge wieder.»
Wie Chaplin und die Marx Brothers
Aber beim «Mord im Panini-Express» spielt dieses Thema in Form des Schaffners Adi nur eine Nebenrolle. Vordergründig dreht es sich um einen Mord: Der Express rast durch einen Tunnel, plötzlich ein Stromausfall. In einem Abteil sitzen neun Passagiere. Nach dem Stromausfall sind sie nur noch zu acht, ein Passagier liegt ermordet auf dem Boden. Erst will es keiner der Fahrgäste gewesen sein – bis ein Testament auftaucht.Inspektor Brio und Assistent Picard stehen vor schwierigen Ermittlungen. Schnell und laut agieren die Tadbrothers im Panini-Express: Durch blitzschnelles Wechseln von Sprache, Gestik und Utensilien wie Brillen und Mützen spielen Avi und David alle Zugpassagiere und die beiden Kommissare zugleich. Ein bisschen erinnern sie dabei an Charlie Chaplin oder die Marx Brothers.
Ein Comedial
2004 gewannen die Tadbrothers den Talentschmiede-Preis des Quatsch Comedy Clubs. «Die beiden sind ein sehr originelles Duo, das dem Genre «Slap Stick» zwei frische, neue Gesichter verleiht», meint Renate Berger von der künstlerischen Leitung des Quatsch Comedy Clubs. Die beiden Brüder distanzieren sich von der gängigen Standup-Comedy, die aus Witzen am laufenden Meter besteht. In eine Schublade lässt sich ihr Humor nicht stecken. Die Brüder nennen ihre Show ein «Comedial». «Wir erzählen eine Geschichte mit einem roten Faden, gespickt mit Anspielungen», erklärt David.Während Levy mit seiner Hitler-Komödie «Mein Führer» in aller Munde ist, zeigt das Beispiel der Tadbrothers, dass sich auch abseits des großen öffentlichen Interesses weitere Facetten eines jüdischen Kulturlebens entwickeln. Die beiden Brüder sehen sich als Pioniere für eine Renaissance der früher so aktiven jüdischen Kulturszene. «In den zwanziger Jahren waren die Juden sehr einflussreich in der deutschen Kulturlandschaft, auch bei der Comedy. Man denke nur an die Comedian Harmonists», erinnert der 27-jährige David an die «goldenen» zwanziger Jahre in Berlin. Daran versuchen sie nun anzuknüpfen. Dank ihrer Mutter. (dpa)