Hundertster Geburtstag:
Nazis schmähten Käutners Filmkunst
24. Mrz 2008 17:33
 |  Von den Nazis verboten: Käutners "Große Freiheit Nr. 7" | Foto: DIF |
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Viele seiner Filme waren Dutzendware, aber mit dem Streifen «Große Freiheit Nr. 7» erlangte er Weltruhm. Am kommenden Dienstag jährt sich Helmut Käutners Geburtstag zum hundertsten Mal.
Joseph Goebbels tobte. Der oberste NS-Propagandist hatte dem Regisseur voller Erwartung die modernste Farbfilmtechnik Deutschlands zur Verfügung gestellt. Doch statt zackiger deutscher Seeleute stand ein alternder Säufer im Mittelpunkt des neuen Films. Dazu gab es Schlägereien und leichte Mädchen. In dem Hamburg-Melodram «Große Freiheit Nr. 7» (1943) zeigte Helmut Käutner nur gebrochene Helden. Geschickt wie kaum ein anderer Künstler umging der gebürtige Düsseldorfer die Zensur der Nazis. Neben Wolfgang Staudte gilt er als wichtigster deutscher Regisseur der Nachkriegsjahre. Am kommenden Dienstag (25. März) wäre Käutner 100 Jahre alt geworden.
Der Enkel des Strahlenmedizin-Pioniers Wilhelm Conrad Röntgen war über Theater, Kabarett und Drehbuch-Schreiben auf den Regiestuhl gelangt. Viele Zuschauer verbinden seinen Namen heute vor allem mit familiengerechten Lustspielen der 1950er Jahre. Bei «Monpti» (1957) etwa turtelten Romy Schneider und Horst Buchholz durch Paris. Auch die Liebes- und Verwechslungskomödie «Zürcher Verlobung» (1956) mit Liselotte Pulver und Paul Hubschmid traf den Geschmack der Adenauer-Zeit.Doch Käutner stellte sein Können vor allem in den letzten Kriegsjahren und kurz nach der Stunde Null unter Beweis. «Er zeigte, dass es gelingen konnte, sich als Regisseur nicht in die innere Emigration zurückzuziehen, sondern sich dem NS-Regime mit zeitlosen Filmen und versteckten Zeichen zu widersetzen», sagt der Chef des Düsseldorfer Filmmuseums, Matthias Knop.
«Große Freiheit» in Prag gedreht, Hamburg war zerbombt
«Große Freiheit Nr. 7» wurde im besetzten Prag gedreht, weil Hamburg nach Bombenangriffen in Schutt und Asche lag. Schwermütige Melodien wie «La Paloma» verstärkten den düsteren Charakter. Dass die Produktion mit Hans Albers und Ilse Werner den Nazis suspekt war, ist daran zu erkennen, dass die wenigen Kopien nicht im Inland zu sehen waren, sondern nur den Wehrmachtstruppen in besetzten Ländern gezeigt wurden. Die Behörden verboten den Streifen schließlich Ende 1944 mit der Begründung, er sie «Wehrkraft zersetzend». Erst im September 1945 war der Film einem größeren Publikum zugänglich und gilt heute als Klassiker. Auch Käutners melancholische Dreiecksgeschichte «Unter den Brücken» (1944) erreichte erst nach dem Krieg die Zuschauer.Seine Aufarbeitung der NS-Zeit drehte Käutner mit dem Episodenfilm «In jenen Tagen» (1947). Aus der Sicht eines alten Opel Kadett erlebt der Zuschauer die Geschichte seiner Besitzer zwischen 1933 und 1945. Als verkanntes Meisterwerk gilt das Werk «Epilog» (1950). «Es ist ein spannender Thriller über Leute, die eine Fahrt mit einem Boot unternehmen», sagt Filmhistoriker Knop. «Der Film ist in neo-realistischem Stil gedreht. Es gibt harte Kontraste und Mystery-Elemente.» Dass Käutner seiner Zeit voraus war, rächte sich. «Der Film war völlig erfolglos und ist heute vergessen.»
Erfolgreiches Widerstandsdrama
Käutner setzte mit einigen Werken wie dem Widerstandsdrama «Des Teufels General» (1955) - inspiriert vom Schicksal des Kampffliegers Ernst Udet - noch Glanzlichter. Jedoch musste er einen herben Rückschlag verkraften, als seine Firma Camera-Film Pleite ging. Käutner nahm gezwungenermaßen Auftragsarbeiten an. «Er war nicht mehr eigenverantwortlich», schildert Knop die Arbeitsbedingungen für die späteren Projekte. Immerhin hatte er Publikumserfolge, darunter «Ludwig II.», der «Hauptmann von Köpenick» und «Das Haus in Montevideo». Käutner starb 1980 in Italien. (Christof Bock, dpa)