13.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Gemälde von Gerard Sekoto, das auf der Joburg Art Fair zu sehen ist
Foto: Joburg Art Fair
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Wir schaffen uns eine neue Welt», sagt der Kurator einer großen Kunstmesse in Afrika. Er will, dass die zeitgenössische Kunst des Kontinents mehr Beachtung findet.
Afrikas Kultur-Trendsetter treffen sich diese Woche in Johannesburg. Erstmals gibt es auf dem Kontinent eine Art Leistungsschau, die die Tragfähigkeit des sich entwickelnden Marktes für zeitgenössische afrikanische Kunst ergründen will. Von diesem Donnerstag an können Interessierte bei der Johannesburg Art Fair auf 5000 Quadratmetern die Szene studieren und bis zum Messe-Ende am Sonntag auch Kunstwerke kaufen. «Denn was ist die Kunstwelt schon ohne Markt?», fragt Kurator Sammy Njami.
Der Künstler - der bei der vergangenen Biennale in Venedig für den Afrika-Pavillon verantwortlich war - sieht den kontinentalen Neustart positiv: «Alles muss neu geschaffen werden, es gibt keine Erbhöfe - wir schaffen uns eine neue Welt», sagt er. In Afrika und auch international müsse Bewusstsein für die zeitgenössische afrikanische Kunst geschaffen werden. Njami: «Es ist wichtig für Afrika, sich seine eigenen Instrumente zu schaffen, und eine Kunstmesse gehört dazu.» Sie sei der Versuch des Kontinents, sich erstmals ohne westliche Patronage eine eigene Plattform zu schaffen.
Einflüsse von Tradition und GlobalisierungNeben den Exponaten von 22 Galerien aus sieben Ländern - darunter der Berliner Peter Herrmann-Galerie - hat Njami die Werke von Afrikas noch unbekannten Kreativen zusammengestellt. Die Spanne umfasst alle künstlerischen Gattungen - von der Skulptur, der Malerei und Plastik über Film und Fotografie bis hin zu Performances und Konzeptkunst. Der seit 2000 in Berlin wohnende südafrikanische Performance-Künstler Robin Rhode wird auf der Messe sein jüngstes Werk vorstellen, das von einer China-Reise inspiriert wurde.
Die meisten Künstler stützen sich zwar auf die reiche Tradition Afrikas, haben jedoch alle in einer globalisierten Welt ihre eigene künstlerische Handschrift gefunden. Trotz eigenständiger Strömungen hat es dabei stets gegenseitige Beeinflussung zwischen Afrika und Europa gegeben. Afrikas traditionelle Kunst hatte im 20. Jahrhundert Europas künstlerische Avantgarde beflügelt, europäische Künstler und Mäzene verschafften Afrikanern Zugang zur internationalen Kunstwelt. In Johannesburg präsentierte Künstler wie Erik Laubscher sind ein Beleg dafür - er studierte einst in Paris bei Fernand Leger, wo auch der Algerier Rachid Koraichi studierte.
Messe-Direktor Ross Douglas hofft, dass das Interesse aus dem Ausland auch die Südafrikaner mit sich zieht, die traditionell eher selten als Bieter auf internationalen Kunstauktionen in Erscheinung traten. Die staunten in den vergangenen Jahren zunehmend über die rasant anziehenden Preise für Werke heimischer Künstler wie Irma Stern oder Gerard Sekoto. Sie wurden von der Szene als Beleg dafür gewertet, dass auch in der Kunstwelt endlich Afrikas Stunde kommt. (Ralf E. Krüger, dpa)