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Lupe Umstrittenes Kinderbuch kommt nicht auf Index

Das Buch sei «ekelhaft und gefährlich», findet der Generalsekretär des Zentralrats der Juden. Die Bundesprüfstelle stuft das religionskritische Kinderbuch aber nicht als jugendgefährdend ein.

Das umstrittene Kinderbuch «Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel» wird nicht als jugendgefährdend eingestuft. Das entschied die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften am Donnerstag in Bonn. Zur Begründung hieß es, dass in dem Buch Religionskritik geübt werde und dessen Inhalt möglicherweise das religiöse Empfinden der Gläubigen verletze, stelle keinen Tatbestand der Jugendgefährdung dar. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, forderte eine breite öffentliche Diskussion darüber, wie weit Meinungsfreiheit gehen dürfe.

Das Bundesfamilienministerium hatte den Antrag auf Prüfung des im Aschaffenburger Alibri-Verlag erschienenen Buchs von Autor Michael Schmidt-Salomon und Illustrator Helge Nyncke gestellt. Verleger Gunnar Schedel, der an der Anhörung teilnahm, äußerte sich erleichtert über die Entscheidung. Der Verlag habe gute Argumente in dem Verfahren angeführt. Schon vor der öffentlichen Auseinandersetzung sei das Kinderbuch ein Erfolg gewesen, sagte Schedel. Bisher seien mehr als 12.000 Exemplare verkauft worden, so der Verleger, der eine vierte Auflage ankündigte.

Die Entscheidung, ob der 40-Seiten-Band auf den Index gesetzt wird, lag bei einem Gremium, dem auch Vertreter von Kirchen und Religionsgemeinschaften, Jugendhilfe und Autoren angehören. Das Buch ist nach Auffassung der Prüfstelle nicht als antisemitisch einzustufen, da alle drei Religionen gleichermaßen angegriffen würden. Das Bundesfamilienministerium hatte «antisemitische Tendenzen» gerügt. Gerade der jüdische Glaube werde durch die bildliche Darstellung und Charakterisierung des Rabbiners verächtlich gemacht.

Band richtet sich gegen alle Weltreligionen
Kramer sagte dem epd, das Buch sei «ekelhaft und gefährlich». Er hätte sich gewünscht, dass es «vom Büchermarkt weggebeamt wird». Doch wichtiger als eine Indizierung sei die Diskussion: «Solche Dinge lassen sich eher durch gesellschaftliche Missbilligung ahnden, als dass mit Verboten operiert wird», so Kramer. Jetzt müsse die Gesellschaft aber einen Konsens über die Schmerzgrenze entwickeln, ab der die Verächtlichmachung von Minderheiten nicht mehr zulässig sei.

Die Prüfstelle habe es sich mit ihrer Entscheidung nicht leicht gemacht, lobte Kramer. Es sei wichtig, dass hervorgehoben wurde, dass der Band sich gegen alle drei Weltreligionen richte, statt sich allein auf den Antisemitismus-Vorwurf zu konzentrieren. Kritisch wertete der Generalsekretär die Begründung der Prüfstelle, dass die Verletzung des religiösen Empfindens keinen Tatbestand der Jugendgefährdung darstelle. «An diesem Punkt hat die Prüfstelle ihr Ziel völlig verfehlt», sagte er. (epd)