Kaffeekultur-Geschichte: 

netzeitung.deDie Filtertüte wird 100

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Der originale Kaffeefilter der Erfinderin Melitta Bentz (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der originale Kaffeefilter der Erfinderin Melitta Bentz
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Sie ärgerte sich immer über Krümmel zwischen den Zähnen nach ihrem frisch aufgebrühten Kaffee. Darum baute die Dresdnerin einen Kaffeefilter aus Löschpapier - sie hieß Melitta Bentz.

Mit ihrer Erfindung brachte die Dresdnerin Melitta Bentz die Deutschen erst so richtig auf den Geschmack: Vor 100 Jahren begann für den nach ihrem Vornamen benannten Kaffeefilter von Sachsen aus die Eroberung der Welt. Für eingefleischte Liebhaber der anregenden Flüssigkeit bleibt Filterkaffee trotz modischer Varianten wie Caffe Latte, Espresso oder Cappuccino aktuell wie eh und je. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes mit Sitz in Hamburg tranken die Bürger 2006 im Schnitt 146 Liter Kaffee - mehr als Mineralwasser und Bier.

Als echte Sächsin liebte die 1873 geborene Haus- und Geschäftsfrau Melitta Bentz ihr «Schälchen Heeßen» - frisch aufgebrühten Kaffee. Ärgerlich fand sie nur die Krümel zwischen den Zähnen. Das Problem löste sie auf heute bekannte Art - mit einem Filter. Dabei legte sie ein Stück Löschpapier aus der Schultasche ihres Sohnes auf den Boden einer durchlöcherten Blechdose, berichtet das heute in Minden (Westfalen) beheimatete Familienunternehmen Melitta. Auf das Papier kam die entsprechende Portion frisch gemahlenen Kaffees. Das Ganze übergoss sie mit kochendem Wasser und das Lebensgeister weckende Elixier tröpfelte in reiner Form in die Kanne.

Hauptsache dünn
Die Liebe der Sachsen zum Kaffee ist legendär. Der weltberühmte Komponist und Leipziger Thomaskantor Johann Sebastian Bach (1685- 1750) verewigte sie in einer Kaffee-Kantate. Der sächsische Kurfürst und Polen-König August der Starke (1670-1733) schätzte feine Porzellane für den Genuss von Kaffee und Tee.

Und in Leipzig steht eines der ältesten Cafes der Welt: der Anfang des 19. Jahrhunderts gegründete «Coffe Baum». Die Sachsen entwickelten auch den Begriff «Bliemch'ngaffee» oder «Blümchenkaffee» für einen besonders dünnen Trunk. Er enthält so viel Wasser, dass bei einer gefüllten Tasse aus Meissner Porzellan das Dekorblümchen auf dem Grund zu erkennen ist.

Mit Pfennigen eine Firma gegründet
«Melitta Bentz erfand eine satzfreie aromatische Art, Kaffee zu brühen», sagt ein Firmensprecher. Bis dato wurde - wenn gefiltert - ein Stoffbeutel benutzt. Der wirkte aber nach einiger Zeit wenig hygienisch. Dazu veränderte er das Aroma des Kaffees. Am 20. Juni 1908 meldete die Hausfrau ihre Erfindung beim Kaiserlichen Patentamt an: «Für einen mit «Filtrierpapier» arbeitenden «Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbten Boden sowie schräg gerichteten Durchflusslöchern», wie das Archiv des Unternehmens preisgibt.

Mit wenigen Reichspfennigen startete Bentz ihr kleines Unternehmen aus der heimischen Wohnung heraus. Im «Frauenstadtarchiv» von Dresden sind die wenigen bekannten Fakten über das Leben der berühmten Tochter Dresdens notiert. Schnell wurde die Erfindung bekannt und zum Erfolg in deutschen Küchen. Das Firmengelände, wo Mitte der 1920er Jahre bereits mehr als 100.000 Filter - dann auch schon aus Porzellan, hergestellt wurden, wurde bald zu klein. 1929 zog die Dresdnerin mit ihrer Firma nach Minden.

Der Klassiker Filterkaffee
Nun stehen dem Familienunternehmen die Enkel der 1950 gestorbenen Firmengründerin vor. Zur Unternehmensgruppe gehören weltweit 50 Gesellschaften mit 3200 Mitarbeitern. Die Form des von Melitta Bentz erfundenen Filters blieb nahezu unverändert. Optimiert wurden Filterform und -papier. Heute werden jedoch Spezialpapiere für die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen verarbeitet. Täglich entstehen zwischen 35 und 50 Millionen Kaffeefilter.

2006 hat der Deutsche Kaffeeverband einen «Tag des Kaffees» für das Lieblingsgetränk der Deutschen ins Leben gerufen. «Deutschland ist ein Kaffee-Land», betont Hauptgeschäftsführer Holger Preibisch. Der Konsument entdecke zunehmend die Vielfalt sowohl beim Geschmack als auch in der Zubereitung. Aber der Klassiker bleibe mit 80 Prozent weiterhin Filterkaffee. So stehe in 51 Prozent aller deutschen Haushalte eine klassische Kaffeemaschine und sechs Prozent aller Genießer gewinnen den belebenden Trank wie zu Melitta Bentz' Zeiten mit einem Kaffeefilter per Hand. (Gudrun Janicke/dpa)