Fritten-Debatte:
Karneval gegen «McDoof»
23.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Ihr Ziel: die Schüler sollen auch weiterhin die, wie es heißt, gute und gesunde Schulkantine frequentieren und sich nicht nebenan mit billigen aber ungesunden Big Macs verpflegen. Von vereinzelten Schülern selbst ist hingegen zu hören, dass sie sich schon auf den Burger in der Pause freuen. Es mangelt ihnen offenbar noch an Bewusstsein für verantwortungsvolle Ernährung.
Und dann sind da noch jene Kommentatoren, die den Protest als willkommenen Anlass nehmen, anhand des bereits überregional bekannten Wrangelkiezes einmal wieder das Bild eines bedenklichen Problemviertels auszumalen. Es ist ja noch gar nicht lange her, als eine Drängelei türkischer Anwohner gegen Berliner Polizeibeamte die Kulturkämpfer in den Feuilletonredaktionen alarmierte. Die Gegend, so hieß es damals, sei endgültig zum Ghetto verkommen. In etwa so gefährlich wie die Pariser Banlieus, nur leider nicht am Stadtrand, sondern mitten drin im hauptstädtischen Zentrum.
Den so genannten Ökos wird nun jedenfalls vorgeworfen, genau da auf der Bremse zu stehen, wo das strukturschwache Berlin mit frohen Hoffnungen in die Zukunft einer ebenso lukrativen wie globalisierten Konsumoberfläche aufbricht. Rückständigkeit, so lautet also der Hauptpunkt der Anklage Provinzialismus und dumpfe Amerikafeindlichkeit aus den längst überholten Zeiten des kämpferischen Antiimperialismus.
Wenn es in Berlin derzeit eine Gegend mit weltstädtischer Atmosphäre gibt, dann macht sie ein Hippnessscout eines jeden Life-Style-Magazins wohl gerade hier aus. Jedenfalls hat der Musikkonzern «Universal» wohl nicht grundlos am Rand des Wrangelkiezes Quartier bezogen und auch die Modelabels, Architektur- und Designbüros, die hier die Straßen säumen, sind kaum gekommen, um in die Aura einer schwäbischen Landkommune einzutauchen.
McDonald's wird nicht die Instanz sein, die Kreuzberg künftig ein weltstädtisches Flair verleiht. Auch wird McDonald's nicht zur Gentrifizierung beitragen, denn es ist wohl eher eine Armenküche als ein Delikatessenbistro. Und es ist auch sehr die Frage ob McDonald's nun die Apokalypse eines ganzen Viertels einläuten wird dann sollte immerhin der Rest der Stadt, wo ja schon überall labbrige Burger gebraten werden, längst in der Hölle leben.
Ein viel größeres Schild weist den Weg zum nächsten Lidl. Was hat eigentlich McDonald's, frage ich mich, was Lidl nicht auch hat? Vor dem Zaun zwei träge Herren vom Wachschutz. «Mit denen kann man eigentlich ganz gut reden» erzählt mir eine Aktivistin der Initiative «Kein McDoof in Kreuzberg», die hier auch unterwegs ist und mich, der Kamera wegen, sofort als Journalisten ausgemacht hat.
Sie findet außerdem, dass es keinen Sinn hat, den Zaun zu beschmieren oder anderswie handgreiflich zu werden. Beim anstehenden «Karneval der Kulturen» will man den Protest gegen McDonald's in Kreuzberg aber noch stärker publik machen. Und heute trifft man sich um 16 Uhr bei den «Grünen» in Dresdner Straße. Ob ich nicht auch kommen will.
Und obwohl er nur 200 Meter von der geplanten McDonald's-Filiale entfernt wohnt, ist ihm die Sache eigentlich herzlich egal. Er erzählt mir, dass er ab und zu mal ein Milchshake bei Burger King trinkt. Trotz der beschissenen Arbeitsbedingungen da. Man muss dazu wissen: Kreuzberg mag bislang ein McDonald's-freier Bezirk sein Burger King gibt es aber längst schon, zum Beispiel in der Yorckstraße. Die einen grillen, die anderen braten, das ist der ganze Unterschied.
David findet, dass die Aktivisten ruhig mal ein bisschen weiter über den Tellerrand gucken könnten. «Die kümmern sich einfach nicht ums große Ganze.» Es sei denn, man betrachtet eine Fast-Food-Kette immer schon gleich als Vorposten des Weißen Hauses. Und er weiß auch, wer vom Imbiss im Wrangelkiez profitieren wird. Die Autofensterputzer, die da sowieso schon jetzt an der Ampel stehen. Auch kein leichter Job.

