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Limbus: 

Vatikan verabschiedet sich sanft von der Vorhölle

21. Apr 2007 17:45
Benedikt XVI.: Limbus ist bloße Hypothese
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Der Papst hat ein theologisches Papier gebilligt, das erhebliche Zweifel am Konzept der Vorhölle für ungetaufte Kinder äußert. Ulrich Gutmair hat nachgelesen.

Für den denkenden Menschen der Moderne gibt es zwei Kirchenlehren, die besonders zum Widerspruch reizen, weil sie dem universalistischen Anspruch der Lehre vom Erlöser Jesus Christus auf gewisse Weise widersprechen. Die eine davon steht im katholischen Katechismus und besagt, dass nicht gerettet wird, wer sich nicht zum christlichen Glauben bekennt, es aber besser wissen könnte, weil ihm die Verkündigung der christlichen Lehre geläufig ist.

Die andere handelt von der «Vorhölle», dem «limbus infantium vel puerorum», in dem sich die Seelen ungetaufter Kinder aufhalten. Das lateinische «limbus» bedeutet «Rand» oder «Saum». Im Limbus leiden die Seelen keine Höllenqualen, sondern befinden sich in einem ewigen Zustand wahrer und natürlicher Glückseligkeit, aber sie können niemals den Zustand der Gottesnähe oder Gottesschau erreichen. Der Limbus ist allerdings nie eine definierte Glaubenswahrheit gewesen, sagte Joseph Ratzinger bereits vor zwanzig Jahren.

Nur eine Hypothese

Als Papst Benedikt XVI. billigte er am Freitag den Bericht der Internationalen Theologischen Kommission, die sein Vorgänger, Papst Johannes Paul II., 2004 beauftragt hatte, theologische Klarheit zum limbus infantium zu schaffen.

Michelangelos Darstellung des Jüngsten Gerichts
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Die Position der Kommission dürfte Joseph Ratzinger entgegen kommen, der schon als Leiter der Glaubenskongregation seine Zweifel am Konzept des Limbus geäußert hatte: «Ich persönlich, wobei ich mehr als bisher als Theologe und nicht als Präfekt der Kongregation spreche, würde ihn fallen lassen, da er immer nur eine theologische Hypothese gewesen ist.»

Ein besonders gewitzte Interpretation besteht unter katholischen Theologen schon seit Jahren darin, die Existenz des Limbus zwar anzunehmen, aber dann zu vermuten, dass er irgendwann leer sein werde, weil alle dort befindlichen Seelen schließlich doch in den Genuss der Gnade kommen.

Gnade hat Vorrang

Die Kommission unter dem Vorsitz des Glaubenspräfekten Kardinal William Levada stellt fest, es gebe erhebliche theologische Gründe für die Hoffnung, dass auch ungetaufte Babys errettet werden. Heute gebe es eine größere theologische Aufmerksamkeit für die Gnade Gottes, der sich wünsche, dass alle Menschen gerettet werden. Die Gnade habe Vorrang vor der Sünde. «Der Ausschluss von unschuldigen Kindern aus dem Paradies widerspricht der besonderen Liebe Christus für die Kleinen», begründen die Theologen daher ihre Sichtweise.

Ob dem tatsächlich so sei, bleibe dennoch ungewiss. Es gebe gute Gründe zur Hoffnung, dass auch die ungetauften Kinder errettet werden, von sicherem Wissen könne jedoch keineswegs gesprochen werden. Davon abgesehen sind die Statements der Kommission weder bindend, noch Bestandteile der Lehre, werden aber oft als Grundlage für spätere offizielle vatikanische Verlautbarungen herangezogen.

Die Kommission berichtet über verschiedene Annahmen, die ihre Auffassung bestätigen könnte. Zum einen könne es eine rettende Übereinstimmung sterbender und leidender Kinder zu Christus in seinem eigenen Tod geben. Des weiteren sei eine Verbundenheit mit Christus unter kindlichen Opfern von Gewalt denkbar. Schließlich könne Gott das Gnadengeschenk der Errettung, das er durch das Sakrament den Getauften gibt, auch einfach an ungetaufte Babys reichen.

Drängend sei das Problem, weil die Zahl ungetaufter Kinder stetig steige. Auch habe man bei den Beratungen die Situation abgetriebener Föten im Blick gehabt.

Gottes Gnade für alle

In Bezug auf die so genannte Erbsünde heißt es in dem Dokument, dass die «Solidarität Christi mit der ganzen Menschheit» Vorrang vor der menschlichen Verbundenheit mit Adam habe. Überraschenderweise bringt diese Überlegung die Kommission zum Schluss, dass auch die Lehre, dass es außerhalb der Kirche kein Heil gibt, nach einer ähnlichen Interpretation ruft.

Im 21. Jahrhundert schickt sich der Vatikan also an, dem universellen Charakter von Gottes Gnade den Vorrang über lange umstrittene Lehrkonzepte zu geben, die Ausnahmen von dieser Universalität konstruierten. Auch für Nichtchristen besteht demnach Hoffnung, in den Kreis der Geretteten aufgenommen zu werden.

 
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