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Wahnwitzige Auswüchse der Political Correctness

19. Mrz 2007 09:50
Schweine jagen politisch korrekten Briten Angst ein
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Aus Angst vor fanatischen Muslimen kommt es in England immer öfter zu Überreaktionen. Sabine Pamperrien berichtet.

Die Briten sind Exzentriker. Die charmanten Erscheinungsformen dieser Eigenheit begegnen dem staunenden Ausländer in Gestalt ehrwürdiger Lords, die im gestreiften Pyjama mit ihrem Ara auf der Schulter bei Harrods shoppen. Eine eher anrüchige Erscheinungsform ist die geradezu brachiale politische Korrektheit. Hier ist den einst so stolzen Briten inzwischen alles zuzutrauen.

Am Wochende meldeten britische Zeitungen, eine Grundschule der Church of England in der 150.000-Einwohner-Stadt Huddersfield in North Yorkshire habe aus Rücksicht auf die Gefühle moslemischer Kinder den Titel des populären englischen Märchens «Three little Pigs» in «Three little Puppies» abgeändert.

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Die leitende Lehrerin, welche die Änderung anregte, wird mit den Worten zitiert: «Wir müssen sensibel sein, wenn wir multi-kulturell sein wollen. Es gab das Empfinden, es sei verantwortungsbewusster, nicht drei kleine Schweine zu benutzen. Wir fürchteten, dass einige moslemische Kinder einen Text über Schweine nicht mitsingen würden.»

Hatten nicht britische Banken aus derselben Rücksichtnahme das Sparschwein aus ihrem Angebot verbannt? Die Reaktionen der Öffentlichkeit waren auch jetzt voller Hass. Schnell kochte die Volksseele hoch. In rasch initiierten Internet-Befragungen machten sich brave Bürger Luft und riefen den Moslems ein herzliches «Fuck off!» zu.

Dabei hatte schon der Erstbericht über die seltsamen Rücksichtnahmen in Huddersfield führende Moslem-Vertreter zitiert, die sich deutlich von dem Vorgang als «bizarr» distanzierten. Die überwältigende Mehrheit der Moslems habe keinerlei Probleme mit der traditionellen Erzählweise des Märchens. Der Koran verbiete es, Schweinefleisch zu essen oder Schweine zu berühren. Es gebe keinerlei Verbot, über Schweine zu sprechen oder zu singen. Die Urheber des Schweineverbots in Huddersfield seien «irregeleitet».

«Schwarzes Schaf» wird «Regenbogen-Schaf»

Ein Mitglied des Rates der Muslime führte noch weitere Beispiele solch falscher Rücksichtnahme an: Weihnachtsfeiern seien zu Winterfesten geworden, «Baa Baa Black Sheep» zu «Baa Baa Rainbow Sheep». «Mit jeder dieser Stories werden Moslems mehr und mehr als Störenfriede betrachtet. Wir haben zu akzeptieren, dass es hier eine vorherrschende Kultur gibt.» Politische Verantwortliche wiesen darauf hin, dass falsche Rücksicht dieser Art genau das Gegenteil provozierten und Extremisten Argumente lieferten.

Schon am Tag nach der Erstveröffentlichung wurden die Änderungen des Märchens zurückgenommen. «Die drei kleinen Schweinchen» werden nun doch in der Version Roald Dahls aufgeführt. Den Daily Telegraph focht das aber nicht an, die Geschichte vom Schweineverbot noch einmal groß aufgemacht überregional zu verbreiten.

Die in allen anderen Presseberichten zitierten Äußerungen der Moslem-Vertreter wurden weggelassen. Ein Zufall? Die Leserreaktionen sprechen für sich. Es war auch der Daily Telegraph, der Ende 2005 der viel zitierten Sparschwein-Geschichte zu ihrem Erfolg als krassestes Beispiel für die wahnwitzigen Auswüchse der Political Correctness verhalf. Diese Geschichte erwies sich später als schlichte Ente, in die Welt gesetzt von einer Lokalredaktion des Telegraph. Seit Ende 2006 kursiert das Sparschwein-Politikum als «Beweis» auch in deutschen Medien.

Freiheit der Wissenschaft in Gefahr

Dabei werden dann Tatsachen aus weniger spektakulären Bereichen leicht übersehen. Einen Tag vor dem Huddersfield-Skandal exekutierte man in Großbritannien eine andere Preisgabe kultureller Errungenschaften. Die Freiheit der Wissenschaft könnte auf der Strecke geblieben sein. Die Universität von Leeds sagte Veranstaltungen des deutschen Politikwissenschaftlers Matthias Küntzel ab. Küntzels Thesen sorgen regelmäßig für heftige Kontroversen.

In Leeds wollte der Hamburger Lehrer zu «Hitlers Erbe: Islamischer Antisemitismus im Mittleren Osten» lesen. Die Universitätsleitung begründete die Absage der zwei geplanten Seminare damit, dass die Sicherheit der Teilnehmer nicht gewährleistet werden könne. Küntzel spricht von dummen E-Mails, die bei den Behörden eingegangen seien und wirft der Universitätsleitung vor, klein beigegeben und die Sicherheitsfrage nur vorgeschoben zu haben. Das Recht der freien Rede sei verletzt. Er fühlt sich zensiert.

 
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