Wahnwitzige Auswüchse der Political Correctness
19.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Hatten nicht britische Banken aus derselben Rücksichtnahme das Sparschwein aus ihrem Angebot verbannt? Die Reaktionen der Öffentlichkeit waren auch jetzt voller Hass. Schnell kochte die Volksseele hoch. In rasch initiierten Internet-Befragungen machten sich brave Bürger Luft und riefen den Moslems ein herzliches «Fuck off!» zu.
Dabei hatte schon der Erstbericht über die seltsamen Rücksichtnahmen in Huddersfield führende Moslem-Vertreter zitiert, die sich deutlich von dem Vorgang als «bizarr» distanzierten. Die überwältigende Mehrheit der Moslems habe keinerlei Probleme mit der traditionellen Erzählweise des Märchens. Der Koran verbiete es, Schweinefleisch zu essen oder Schweine zu berühren. Es gebe keinerlei Verbot, über Schweine zu sprechen oder zu singen. Die Urheber des Schweineverbots in Huddersfield seien «irregeleitet».
Schon am Tag nach der Erstveröffentlichung wurden die Änderungen des Märchens zurückgenommen. «Die drei kleinen Schweinchen» werden nun doch in der Version Roald Dahls aufgeführt. Den Daily Telegraph focht das aber nicht an, die Geschichte vom Schweineverbot noch einmal groß aufgemacht überregional zu verbreiten.
Die in allen anderen Presseberichten zitierten Äußerungen der Moslem-Vertreter wurden weggelassen. Ein Zufall? Die Leserreaktionen sprechen für sich. Es war auch der Daily Telegraph, der Ende 2005 der viel zitierten Sparschwein-Geschichte zu ihrem Erfolg als krassestes Beispiel für die wahnwitzigen Auswüchse der Political Correctness verhalf. Diese Geschichte erwies sich später als schlichte Ente, in die Welt gesetzt von einer Lokalredaktion des Telegraph. Seit Ende 2006 kursiert das Sparschwein-Politikum als «Beweis» auch in deutschen Medien.
In Leeds wollte der Hamburger Lehrer zu «Hitlers Erbe: Islamischer Antisemitismus im Mittleren Osten» lesen. Die Universitätsleitung begründete die Absage der zwei geplanten Seminare damit, dass die Sicherheit der Teilnehmer nicht gewährleistet werden könne. Küntzel spricht von dummen E-Mails, die bei den Behörden eingegangen seien und wirft der Universitätsleitung vor, klein beigegeben und die Sicherheitsfrage nur vorgeschoben zu haben. Das Recht der freien Rede sei verletzt. Er fühlt sich zensiert.

