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VG Wort: 

Geldsegen auf Umwegen

08. Jan 2007 07:12
Ist die Sache mit den Pixeln erst einmal ausgestanden, winkt Geld: Alt-Blogger Duck (http://blog.geldspeicher.ent) freut sich über Tantiemen.
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Schön: Bei der VG Wort können Autoren und Blogger jetzt auch Online-Texte melden und Tantiemen kassieren. Unschön: Die Art, wie das zu geschehen hat.


Von Maik Söhler

Boah, ich hab voll die fetten Pixel! Und gleich so viele! 20 Stück hat mir die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) schon im Dezember geschickt. Und zwar nicht irgendwelche Pixel, sondern nur für mich bestimmte so genannte Vorpixel.

Das verstehen Sie nicht? Ich auch nicht. Aber ich will versuchen, es Ihnen zu erklären. Zuerst einmal zur VG Wort: Das ist eine altehrwürdige Institution, die uns Medienschaffenden einmal im Jahr zu etwas Geld verhilft. Die Verwertungsgesellschaft ist ein Zusammenschluss von Autoren und Verlagen, der Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten von medialen Erzeugnissen einnimmt und weitergibt. Das heißt, ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf aller Geräte, die zur Vervielfätigung von Medienprodukten genutzt werden können – Kopierer, Drucker etc., aber auch Videorekorder und CD-Brenner –, kommt der VG Wort zu, die ihn wiederum an Verlage und Autoren weitergibt.

Theoretisch auch für Weblogs

Bisher habe ich als Journalist jeweils am Ende des Jahres meine Textbeiträge für Zeitungen und Magazine brav der VG Wort gemeldet und mich wie so viele Kollegen geärgert, dass Online-Texte nicht vergütet werden. Im Sommer kam dann immer ein Scheck, der mich den Ärger hat vergessen lassen. Die VG Wort ist nicht nur eine altehrwürdige Institution, sondern auch eine, die mit der Zeit geht. Seit zwei Jahren muss man nicht mehr Meldeformulare anfordern, ausfüllen und per Post zurück nach München schicken, man kann die Textmeldungen sogar online abgeben. Nur Internettexte waren davon bisher ausgenommen.

Das hat sich nun geändert, dank des so genannten Metis-Systems. Ich kann nun auch alle Texte, die ich im Jahr 2007 für Netzmedien und auch für Weblogs schreibe, der VG Wort melden. Das freut mich sehr, da der Sommerscheck somit üppiger ausfallen wird als bisher. Aber, Moment, ganz so einfach ist es doch nicht.

Zuerst einmal muss es sich, wie es bei der VG Wort heißt, um «geschlossene Beiträge ab 1.800 Anschlägen» handeln, die als Text oder in Form eines kostenfreien, nicht kopiergeschützten Downloads (PDF) im Internet stehen. Diese Texte müssen dann eine Mindestzahl an Aufrufen (Hits) pro Jahr aufweisen. Wie viele es genau sein und ob es Einzelaufrufe (unique visitors) oder die Gesamtzahl aller Aufrufe sein sollen, ist derzeit noch unklar. Durchs Netz geistert derzeit jedenfalls die Zahl 3000 als Minimum. Genaueres soll bis zum Sommer geklärt sein.

Wozu Vorpixel gut sind

Bis dahin soll es auch ein ausgeklügeltes Zählsystem geben, das in Ansätzen schon jetzt auf der Webseite der VG Wort geschildert wird. So genannte Zählpixel werden dann an die Autoren und Verlage vergeben, die es technisch ermöglichen, dass die Besucheranzahl der jeweiligen Webseite von der VG Wort registriert werden kann. Auf dieser Grundlage soll das Geld an die Autoren und Verlage ausgeschüttet werden.

Noch aber ist es nicht so weit, und hier kommen meine Vorpixel ins Spiel. Es bringt mir ja nichts, wenn ich erst im Sommer ein Zählpixel an einem Text anbringe, der schon im Januar erschienen ist. Den ruft dann ja kaum noch jemand auf, während er im Januar vielleicht – weil er aktuell ist – tausende Zugriffe gehabt hätte.

Und dafür sind die Vorpixel da. Man kann sie im Testbetrieb des Metis-Systems online bestellen. Hübsch sind sie nicht:

< img src=http://vg00.met.vgwort.de/na/4e33dae1e0e1ff3aa963 width=1 height=1 >

Die anderen sind ähnlich. Ihm zugeordnet ist auch noch ein «persönlicher Identifikationscode», den ich Ihnen jetzt natürlich nicht verrate. Nur soviel: Er besteht aus einer 20stelligen Buchstaben-Ziffern-Kombination.

Ein entnervter Anruf bei der VG Wort

Vor ein paar Tagen ist mein erster Onlinetext des Jahres 2007 erschienen. Begierig will ich nun mein neu erworbenes Wissen aus der Welt der Pixel anwenden – und scheitere! Wenn die Anleitung zum Einbau eines Vorpixels richtig verstanden habe, muss ich den Quelltext der Internetseite, auf der mein Artikel erschienen ist, aufrufen und mein Vorpixel dort in den HTML-Code der Seite einbauen. Und zwar unmittelbar nach dem so genannten < BODY >-Tag.

Es geht nicht. Natürlich nicht, ich habe ja als Nutzer gar keine Möglichkeit, den Quelltext einer Seite zu verändern. Dafür braucht man Administratorrechte, so etwas muss der Webmaster oder ein Techniker des Verlages machen. Ein Anruf bei der VG Wort bringt Klarheit. Die wirklich sehr nette und geduldige Zuständige, Annette Wagner, klärt mich auf.

Ich muss mein Vorpixel an den Verlag - in diesem Fall die Netzeitung - schicken. Dort wird es in den Quelltext eingebaut. Die VG Wort zählt dann mit, und überschreitet die Zugriffszahl das für die Meldung nötige Minimum, bekomme ich eine Mail von der VG Wort. Dann darf ich mein Vorpixel, sofern die Technik bis dahin ausgereift ist und bestimmte Bedingungen, die aufzuzählen hier nun wirklich den Rahmen sprengen würden, zu einem so genannten Zählpixel aufwerten.

Den vom Zählpixel geprüften Text kann ich dann am Ende des Jahres melden, indem ich ihn online und nur im .txt-Format in eine VG Wort-Maske eingebe, bei der es aber auch noch dies und das zu beachten gibt und natürlich die Frist gewahrt sein muss. Wenn das alles so zusammenkommt, erhalte ich im Sommer darauf endlich meine «Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten».

Vergebene Mühe, fast

Tantiemen - ich liebe dieses Wort – erhält in diesem Fall auch der Verlag. Eben deshalb, antwortet Frau Wagner auf meine verwirrte Nachfrage, warum sich die Online-Medien denn die ganze Mühe mit den Quelltexten machen sollten. Ah, jetzt habe ich es verstanden: Wenn alle reich werden, wird sich sicher niemand dagegen sträuben. Ich freue mich und frage gleich bei der Netzeitung nach, an wen ich denn nun meine Vorpixel schicken soll.

Die Antwort des neuen Chefredakteurs ist ernüchternd:

«Keine Ahnung, mal schauen. Bestimmt ärgern sich auch viele Ihrer Kollegen über das Procedere. Und denken Sie an die Millionen Blogger! Schreiben Sie also rasch einen Erfahrungsbericht.»

Der hiermit geschrieben ist. Den Sie nun online lesen können. Er enthält sogar mein erstes Vorpixel, weil ich es in diesem Artikel platziert habe, damit Sie mal sehen können, wie so etwas aussieht. Nur: im Quelltext der HTML-Seite befindet es sich leider nicht - und zählt deswegen leider auch nicht für die Meldung zum Jahresende bei der VG Wort.


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