VG Wort:
Geldsegen auf Umwegen
08.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Boah, ich hab voll die fetten Pixel! Und gleich so viele! 20 Stück hat mir die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) schon im Dezember geschickt. Und zwar nicht irgendwelche Pixel, sondern nur für mich bestimmte so genannte Vorpixel.
Das verstehen Sie nicht? Ich auch nicht. Aber ich will versuchen, es Ihnen zu erklären. Zuerst einmal zur VG Wort: Das ist eine altehrwürdige Institution, die uns Medienschaffenden einmal im Jahr zu etwas Geld verhilft. Die Verwertungsgesellschaft ist ein Zusammenschluss von Autoren und Verlagen, der Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten von medialen Erzeugnissen einnimmt und weitergibt. Das heißt, ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf aller Geräte, die zur Vervielfätigung von Medienprodukten genutzt werden können Kopierer, Drucker etc., aber auch Videorekorder und CD-Brenner , kommt der VG Wort zu, die ihn wiederum an Verlage und Autoren weitergibt.
Das hat sich nun geändert, dank des so genannten Metis-Systems. Ich kann nun auch alle Texte, die ich im Jahr 2007 für Netzmedien und auch für Weblogs schreibe, der VG Wort melden. Das freut mich sehr, da der Sommerscheck somit üppiger ausfallen wird als bisher. Aber, Moment, ganz so einfach ist es doch nicht.
Zuerst einmal muss es sich, wie es bei der VG Wort heißt, um «geschlossene Beiträge ab 1.800 Anschlägen» handeln, die als Text oder in Form eines kostenfreien, nicht kopiergeschützten Downloads (PDF) im Internet stehen. Diese Texte müssen dann eine Mindestzahl an Aufrufen (Hits) pro Jahr aufweisen. Wie viele es genau sein und ob es Einzelaufrufe (unique visitors) oder die Gesamtzahl aller Aufrufe sein sollen, ist derzeit noch unklar. Durchs Netz geistert derzeit jedenfalls die Zahl 3000 als Minimum. Genaueres soll bis zum Sommer geklärt sein.
Noch aber ist es nicht so weit, und hier kommen meine Vorpixel ins Spiel. Es bringt mir ja nichts, wenn ich erst im Sommer ein Zählpixel an einem Text anbringe, der schon im Januar erschienen ist. Den ruft dann ja kaum noch jemand auf, während er im Januar vielleicht weil er aktuell ist tausende Zugriffe gehabt hätte.
Und dafür sind die Vorpixel da. Man kann sie im Testbetrieb des Metis-Systems online bestellen. Hübsch sind sie nicht:
< img src=http://vg00.met.vgwort.de/na/4e33dae1e0e1ff3aa963 width=1 height=1 >
Die anderen sind ähnlich. Ihm zugeordnet ist auch noch ein «persönlicher Identifikationscode», den ich Ihnen jetzt natürlich nicht verrate. Nur soviel: Er besteht aus einer 20stelligen Buchstaben-Ziffern-Kombination.
Es geht nicht. Natürlich nicht, ich habe ja als Nutzer gar keine Möglichkeit, den Quelltext einer Seite zu verändern. Dafür braucht man Administratorrechte, so etwas muss der Webmaster oder ein Techniker des Verlages machen. Ein Anruf bei der VG Wort bringt Klarheit. Die wirklich sehr nette und geduldige Zuständige, Annette Wagner, klärt mich auf.
Ich muss mein Vorpixel an den Verlag - in diesem Fall die Netzeitung - schicken. Dort wird es in den Quelltext eingebaut. Die VG Wort zählt dann mit, und überschreitet die Zugriffszahl das für die Meldung nötige Minimum, bekomme ich eine Mail von der VG Wort. Dann darf ich mein Vorpixel, sofern die Technik bis dahin ausgereift ist und bestimmte Bedingungen, die aufzuzählen hier nun wirklich den Rahmen sprengen würden, zu einem so genannten Zählpixel aufwerten.
Den vom Zählpixel geprüften Text kann ich dann am Ende des Jahres melden, indem ich ihn online und nur im .txt-Format in eine VG Wort-Maske eingebe, bei der es aber auch noch dies und das zu beachten gibt und natürlich die Frist gewahrt sein muss. Wenn das alles so zusammenkommt, erhalte ich im Sommer darauf endlich meine «Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten».
Die Antwort des neuen Chefredakteurs ist ernüchternd:
«Keine Ahnung, mal schauen. Bestimmt ärgern sich auch viele Ihrer Kollegen über das Procedere. Und denken Sie an die Millionen Blogger! Schreiben Sie also rasch einen Erfahrungsbericht.»
Der hiermit geschrieben ist. Den Sie nun online lesen können. Er enthält sogar mein erstes Vorpixel, weil ich es in diesem Artikel platziert habe, damit Sie mal sehen können, wie so etwas aussieht. Nur: im Quelltext der HTML-Seite befindet es sich leider nicht - und zählt deswegen leider auch nicht für die Meldung zum Jahresende bei der VG Wort.

