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netzeitung.deHarald Schmidt: Zynismus in der DNA festgelegt!

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Findet Abendeinladungen unerträglich: Harald Schmidt (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Findet Abendeinladungen unerträglich: Harald Schmidt
Foto: dpa
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strong { display: block; margin: 0; padding: 0; font: bold italic 15px/20px "times new roman", times, serif; } Das große Interview. Im siebten Teil erklärt Schmidt, warum echte Zyniker angenehme Zeitgenossen sind und goldenen Zeiten entgegensehen.

82 Herr Schmidt, was ist zynisch?

Wenn Sie jemandem einen Parkplatz wegnehmen, sind Sie Zyniker. Nichts wird so inflationär gebraucht wie das Wort zynisch. Vielleicht noch faschistisch, das kommt aber so langsam ein bisschen aus der Mode.

83 Daran sind Sie mitschuldig.

Wieso?

84 Weil Sie mit dafür gesorgt haben, dass Zynismus so alltäglich und massentauglich geworden ist.

Das ist nicht mehr der Fall. Vor drei oder fünf Jahren hatte ich das Problem, dass um mich herum alles lustig wurde. Sportberichterstattung, Wirtschaftssendungen und so weiter. Das hat mir ein bisschen den Nährboden entzogen. Aber nun wächst da eine Generation von Empfindsamen heran. Junge Schreiber, die versuchen, die Dinge wieder ernst zu nehmen, ohne ironische Distanz.

Und nun komme ich mit ungeahnter Stärke zurück, und ich frage mich, womit ich das Glück verdient habe, dass es 30-Jährige gibt, die freiwillig in Tränen ausbrechen, wenn sie Ralph Siegel hören, oder entdecken, dass ein warmes Mittagessen, das von Mutti auf den Tisch gestellt wird, etwas Wertvolles ist. Da kann ich sozusagen meine gesamte Nürtinger Herkunft in Anschlag bringen.

85 Neulich las ich einen interessanten Ansatz. Wäre es denn nicht möglich, stand da, dass man im Kleinen, Alltäglichen zynisch ist, aber nicht im Großen, Grundsätzlichen.

Wie bitte? Nein, ein solcher Teilzeitzynismus wäre extrem anstrengend. Entweder sind Sie Zyniker oder nicht. Das ist in der DNA festgelegt. Das ist wie wenn man schwul ist. Aus meiner Sicht ist Zynismus eine Lebenshaltung. Das geht nicht, im Kleinen zynisch sein und im Großen nicht. Umgekehrt wäre vielleicht noch vorstellbar.

86 Ja, das wäre vielleicht sogar sehr menschenfreundlich.

Leider sind die meisten Menschen mit Zynismus wirklich überfordert.

87 Jedenfalls nicht in der Branche, in der wir arbeiten. Die Medienbranche ist durch und durch zynisch.

Nicht wirklich. Letzen Endes lechzen alle nach einer Schulter, an der sie sich ausweinen können und gehen einem mit ihrem privaten Müll auf den Keks. Als echter Zyniker sind sie ja ein äußerst angenehmer Zeitgenosse, denn sie wollen ja, dass der Andere auch ein angenehmes Leben führt, damit er ihnen nicht weiter auf den Sack geht.

88 Auf den Sack gehen, heißt doch auch: zynische Sprüche klopfen auf Schritt und Tritt. Und selber macht man da auch noch willfährig mit, leider.

Aber jetzt kommen wir auf Walter Serner, den Sie ja bestimmt kennen: «Sprich nicht zu oft zynisch, sei es immer.» Großartiger Spruch. An den muss man sich halten. Die Medienmenschen mit Gel am Kopf sind doch uninteressant.

89 Bitte, das ist Ihr Publikum. Die nehmen Sie zum Role Model.

Wen? Mich? Das kriege ich nicht mit. Wir sprechen jetzt von der Abteilung Louis- Ferdinand Céline. Aber zugegeben, dieses pseudozynische Geschwafel kenne ich auch bis zum Erbrechen. In Wahrheit herrscht eben eine große Zynismusfeindlichkeit. Das wäre mal ein Talkshowthema: Dem reinen, ehrenhaften, menschenfreundlichen, den wahrhaft humanistischen Zynismus wird Unrecht getan. Kleindarsteller aus der Werbebranche, der Filmbranche, Zeitungsschreiber ruinieren den guten alten, literarisch hoch stehenden Zynismus.

90 Frauen sind meine Hoffnung, denn viele lehnen Zynismus im Alltag ab.

Weil sie überfordert sind.

91 Nicht nur. Auch weil Zynismus sie abstößt.

Meine Frau lehnt ihn auch ab. Ich meine, über irgendetwas muss man sich ja streiten, wenn sonst alles funktioniert. Eine sehr hohe Stufe des Zynismus' ist es übrigens, wenn Sie Frauen gegenüber so tun, als hätten Sie dem Zynismus abgeschworen. Wenn Sie zum Beispiel mal ein paar Gäste einladen, sie bekochen, sich mit ihnen den ganzen Abend unterhalten, und am nächsten Morgen beim Frühstück sagen: «War der Abend schön.» Da drehen die Weiber durch. Aber da müssen sie eine lange Zynismuskarriere hingelegt haben.

92 Das erinnert mich an den Oberverbrecher, der durch besonders gute Manieren glänzt. Erhan Emre als charmanter Oberdealer in «Knallhart». Sehr attraktiv, das stimmt. Attraktiver ist nur noch der Verbrecher, der das Verbrechen nicht mehr nötig hat.

Aber das halten Sie nicht lange durch. Wenn man so tickt wie ich, dann sind Abendeinladung natürlich unerträglich und Gäste nicht auszuhalten.

93 Es muss ja nicht in Abendeinladungen ausarten. Ich sehe ja auch schon, wie Sie mit den Gästen in Ihrer Show umgehen. Siehe neulich den Hauptdarsteller von «Türkisch für Anfänger». Sie haben ihn nicht in die Pfanne gehauen, obwohl es leicht gewesen wäre.

Nein, wir haben ihn gefeatured. Er war der erfolgreichste Gast seit langem.

Mit Harald Schmidt spricht Michael Angele. Lesen Sie am Freitag den achten und letzten Teil des Interviews.