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«Dagegen bin ich ein ganz kleiner Fisch»

13. Dez 2007 07:32
Sitzt gerne daheim auf dem Sofa und guckt besonders brutalen Kampfsport
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Im zweiten Teil des Interviews erzählt Howard Carpendale, warum er Ultimate Fighting lieber mag als Boxen, und wieso sein Abschied ehrlich war. Zudem verrät er Sophie Albers noch, was er nach dem Konzert so macht.

14 Haben Sie «Rocky Balboa» gesehen? Der will es ja auch noch mal wissen.

Ich habe die ganzen «Rocky»-Filme nicht gesehen.

15 Ich dachte, weil Sie doch auch mal geboxt haben.

Genau deshalb gucke ich sie nicht, weil ich es nicht ertrage. Ich gucke noch heute Boxen, aber viel lieber schaue ich Ultimate Fighting. Das ist in Amerika absolut in und sehr viel größer als Boxen. Das ist ein sehr brutaler Sport, der kommt vom Straßenkampf. Aber die Männer, die da mitmachen, der Respekt untereinander ist bei denen viel größer als beim Boxen.

16 Moment mal! Howard Carpendale sitzt zuhause auf der Couch und guckt sich an, wie Typen sich zu Matsch hauen?

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Es ist nicht so heftig wie beim Boxen. Beim Ultimate Fighting springt der Schiedsrichter dazwischen, sobald einer schwächelt. Es gibt zwar meist ein paar Schrecksekunden, in denen alles mögliche passiert, aber die Typen sind so gut ihrem Fach – das sind alles Schwarze Gürtel - die wissen, wie sie sich schützen. Boxen gucken finde ich öde.

17 Ich war 2004 bei der Echo-Verleihung, als Sie Ihren Abschied genommen haben. Und obwohl meine musikalische Sozialisation komplett ohne Sie stattgefunden hat, bin ich aufgestanden, als Sie standing ovations bekamen. Das war ein sehr bewegender Moment, denn es wirkte erstaunlicherweise ehrlich. Als Sie beschlossen haben wiederzukommen, hatten Sie da nicht Angst, die Leute zu enttäuschen, die getrauert haben?

Die Frage ist doch: Habe ich diese standing ovations verursacht? Meine Karriere? Oder was? Es ist Showgeschäft. Als ich vor vier Jahren aufgehört habe, war ich der festen Überzeugung, damit ein Kapitel meines Lebens abgeschlossen zu haben. Das war kein Trick, um Aufmerksamkeit zu erreichen. Ich habe sogar auf viel Geld verzichtet, denn ich hatte Vertragsangebote für weitere Tourneen.

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Vier Jahre später habe ich bei [Johannes B.] Kerner einfach gesagt, ja, ich will wieder. Das war genauso ehrlich, und deshalb hat das Publikum es auch akzeptiert. Ich habe gesagt, ich komme wieder, und wenn ihr nicht kommt, dann eben nicht. So wie John Lennon gesagt hat, stell dir vor, es ist Krieg, und keiner kommt.

18 Stell dir vor, es ist Carpendale und keiner kommt?

Ich habe nicht darüber nachgedacht, wie das wohl ankommt, sondern, dass ich wieder singen will.

19 Wenn ich das jetzt verbinde, mit dem, was sie gesagt haben, wie es ist, auf der Bühne zu stehen, ist das eine sehr egoistische Sache, oder?

Ohne Egoismus hat man keine Chance in dieser Branche. Wie kann ein Künstler drei Stunden lang vor einem Publikum auftreten ohne...

20 Superego...

Superego, ja. Aber ich halte mich überhaupt nicht für wichtig. Wenn ich das schon höre «Die Legende kehrt zurück». Die Leute gehen viel zu leichtfertig mit diesen Begriffen um. Wenn ich eine Legende bin, was war dann Elvis? Dagegen bin ich ein ganz kleiner Fisch. Ein Ego gehört zu dieser Branche. Aber es gibt eben Egos, die unangenehm sind und solche, die man einfach braucht. Ich lasse mich auch beeinflussen vom Buddhismus und solchen Dingen, wo man eigentlich versucht, sich vom Ego zu lösen. Ich glaube, ich habe ein ganz gesundes Ego. Meine Frau nennt mich einen harmlosen Egoisten.

21 Das ist nett.

Nett ist der Bruder von Scheiße. [lacht]

22 Das haben Sie gesagt. Hatten Sie Entzugserscheinungen nach dem Abschied? Macht die Bühne süchtig?

Das ist zu einfach gesagt. Es macht mir große Freude, das ist doch bei jedem anderen Beruf auch so. Wenn man etwas entwickelt, eine Idee hat, und es funktioniert, dann fühlt man sich sehr gut.

23 Und das gute Gefühl will man immer wieder haben, das nennt man Sucht.

Dann machen viele Dinge süchtig. Ich kann ohne Bühne leben. Aber ich hab mir gesagt, ich bin jetzt 61, da werde ich noch 10, 14 Jahre relativ fit sein. Also warum sitze ich zuhause und denke, ich darf nicht wieder singen? Was dann bei Ankündigung meiner Rückkehr passiert ist, ist phänomenal. Wir haben noch nie in meiner ganzen Karriere - auch nicht beim finalen Konzert - solch eine Resonanz erlebt. Ich bin schon längst über den Punkt hinaus, wo ich mich frage, was los ist.

Ich habe drei Jahre lang nicht daran gedacht, dass ich Sänger bin. Ich sage ihnen, wenn ich in Florida sitze, dann muss ich mich manchmal daran erinnern, dass ich schon mal die Köln Arena gefüllt habe. Ich war kürzlich mit meiner Frau bei einem Elton John-Konzert. Als das Publikum ihm standing ovations gab, habe ich zu ihr gesagt, das muss ein Riesengefühl sein. Sie guckt mich an und sagt, das sagst du? Ich habe diese absolute Schizophrenie zwischen Beruf und Privatleben. Ich nehme es nicht mit nach Hause.

24 Manche Künstler sagen, das Schlimmste sei es, nach dem Konzert wieder runter zu kommen. Wie machen Sie das?

Ich komme von der Bühne, haue meinem Manager auf den Rücken und sage, es war ein guter Abend, oder? Und dann ist das Thema vorbei.

25 Und dann gehen Sie ins Hotel und schlafen?

Nein, so easy ist es nicht. Es ist schon wie nach dem Sport. Man ist froh, dass es geklappt hat und dass man erreicht hat, was man will. Normalerweise spielen meine Musiker und ich die ganze Nacht Poker.

26 Ist Howie eigentlich ein Star?

Also ich finde den Typen sehr gut. [lacht]

Mit Howard Carpendale sprach Sophie Albers. Lesen Sie morgen den dritten und letzten Teil des Interviews.


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