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netzeitung.deKurt Krömer: «Ich liebe Cordhosen»

 Herausgeber: netzeitung.de

Bitte gut festhalten: Kurt Krömer (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Bitte gut festhalten: Kurt Krömer
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wer ihn schon mal erlebt hat, der verbindet mit Kurt Krömer Comedy, Berlin-Neukölln und Dialekt. Dass in ihm auch ein großartiger Herrenausstatter steckt, hat Heike Runge erfahren. strong { display: block; margin: 0; padding: 0; font: bold italic 15px/20px "times new roman", times, serif; }


Hell strahlt sein Stern am Comedy-Himmel über Berlin. Ach was - der ganzen Republik. Die Fangemeinde des Neo-Kabarettisten Kurt Krömer, geliebt für seinen schnoddrigen Wohnzimmer-Talk «Krömer Die Internationale Show», wächst stetig. Erst im RBB, jetzt zu nachtschlafener Zeit im ARD-Hauptprogramm zu sehen, hat es der Komiker aus Berlin-Neukölln inzwischen auch an die Schaubühne geschafft. Unter der Regie von Thomas Ostermeier spielt er die Hauptrolle im Broadway-Brüller «Room Service».

Zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn kommt Kurt Krömer ins Theaterfoyer zum Interview. Hat sich um zehn Minuten «vertrödelt». Die «hängen wir hinten wieder dran». Korrekt. Außerdem: Freundlich. Liebenswürdig. Witzig. Macht Spaß, ihm zuhören. Eine Assistentin führt uns durchs Haus. Das Interview findet im großen Sitzungsaal im ersten Stock statt.
1 Herr Krömer, gleich stehen Sie mit nichts weiter als roten Cowboystiefeln und einem verdammt kurzen Bademantel auf den Brettern der Schaubühne. Was finden Sie bloß an diesem Woolworth-Look?

Der Bademantel ist immerhin eine Maßanfertigung aus der Schneiderwerkstatt. Den gibt’s sogar in Dreifachausführung. Den Schneiderinnen habe ich vorher gesagt: «Achtet darauf, dass Ärmel und Saum zu kurz sind, damit das alles nicht so richtig passt.»

2 Sie als gelernter Herrenausstatter müssen es wissen.

Sagen wir mal als erfolgreich abgebrochener Herrenausstatter.

Nach einem Jahr Lehre kam ich nicht mehr zurecht mit dem Modediktat, dem ich mich da unterworfen hatte. Ist doch völlig bescheuert, als Lehrling mit 570 Mark im Monat sein ganzes Geld auf den Kopf hauen, um dann ein Hemd zu tragen, das man im nächsten Jahr schon nicht mehr anziehen darf. Ich fand es überhaupt blöd, sich Leuten unterzuordnen.

3 Wann konnten Sie die Ketten der Modediktatur sprengen?

Das war so '91, '92, als ich abgebrochen habe.

4 Seitdem herrscht Anarchie im Kleiderschrank?

Meinen Kunden habe ich damals immer gesagt, man muss das anziehen, was einem selber gefällt. Wenn es Mode ist, einen rosaroten Anzug zu tragen und man möchte es nicht, dann würde ich abraten. Wenn rosarote Anzüge einem aber gefallen, kann man sie tragen.

5 Wo erlernt man denn den Beruf des Herrenausstatters? Im KaDeWe?

Viele meiner Kollegen haben in Kaufhäusern gelernt. Ich war bei einem privaten Herrenausstatter. Die klassische Loriot-Herrenboutique mit Sakkos, Hemden, Hosen, Schlipsen und so weiter.

6 Ihre Kunden waren diese älteren Männer mit den Einstecktüchern, die selbst beim Autofahren den Hut aufbehalten?

Die Jüngsten, die das Geschäft überhaupt betreten haben, waren 45. Das waren dann die jungen Wilden, die reinkamen und sich einfach mal einen Seidenblouson in Weinrot geholt haben, also quasi in die kecke Richtung gingen.

7 Hört sich nach großer Komödie an. In der Herrenboutique haben Sie dann endgültig Ihre Begabung als Schauspieler entdeckt?

Auch wenn es abgedroschen klingt: Ich war so ein ganz Ehrlicher, der den Leuten keinen Scheiß verkauft hat. Also nicht wie bei Loriot mit hinten-zu-halten und sagen «das passt ja wie angegossen».

Oft sind Leute bei mir nur mit ein paar Socken nach Hause gegangen, um dann ein halbes Jahr später wiederzukommen und den Anzug von draußen aus dem Fenster mitzunehmen. Die fanden es gut, dass sie nicht verarscht wurden. Ich hatte mir da schon einen Kundenstamm aufgebaut, die kamen rein und wussten, da werden sie ehrlich bedient. Auf jeden Fall hat sich gezeigt, dass ich verkäuferisches Talent habe.

8 Sie hätten das Zeug zum neuen Moshammer gehabt?

Wäre ich dabei geblieben, hätte ich meinen eigenen Laden aufgemacht und das Ding nach meiner Facon durchgezogen. Vielleicht Mode fürs Oktoberfest verkauft.

9 Beschreiben Sie mal, was Sie heute Schönes tragen.

Heute habe ich eine braune Cordhose an und etwas Grünes, das kein Pullunder ist, denn ein Pullunder ist ohne Ärmel, also ist es ein Westover, wie wir damals gesagt haben.

10 Pulli mit V-Ausschnitt würde ich sagen.

Pulli mit V-Ausschnitt und drunter ein hellblaues Hemd, ich find's sehr bequem. Ich trag sehr gerne Cordhosen, auch Hemden, aber ohne Krawatte, Krawatte trage ich meistens nur auf der Bühne.

11 Und Cowboystiefel?

Nein, das sind Halbstiefel.

12 Und hier haben wir auch noch ein Basecap rumliegen.

Meine Zaubermütze. Wenn ich die aufhabe, werde ich nicht erkannt. Die Leute brauchen die Assoziation Gesicht und Frisur und Brille. Mit Mütze werde ich unsichtbar und falle nicht mehr auf.

13 Würden Sie Claus Peymann gerne mal eine Hose verkaufen? Er gilt als äußerst anspruchsvoller Kunde.

Ja, stell ich mir auch so vor. Das ist jemand, der mit 50 Angestellten über den Kudamm rennt und einkaufen geht. Ich hätte ihn gerne mal in meiner Sendung. Gerade jetzt, wo ich im Theaterbereich tätig bin, wäre das spannend, weil er gerne gegen andere Häuser stänkert - alles Scheiße außer dem Berliner Ensemble.

Um Ihre Frage noch zu beantworten: Peymann würde ich eine Cordhose verpassen und ein Hemd. Ganz einfach.

Mit Kurt Krömer spricht Heike Runge. Lesen Sie morgen den zweiten Teil des Interviews.