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Julia Seeliger: Mein Internet

26. Jul 2007 09:12
Wartet nicht immer auf die Junge Union: Julia Seeliger
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«Es könnte interessant sein, über Drogen und Sex zu berichten» - der zweite Teil des Interviews mit Julia Seeliger, Netzaktivistin, Bloggerin und Mitglied im Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen.

14 Frau Seeliger, Sie studieren Technikjournalismus. Was ist das eigentlich?

Fachjournalismus im Bereich Technik - das Paradebeispiel ist der Journalist beim Computermagazin «C’T». Was kann der neue Computer XY? Wie funktioniert der neue Energiespar-Kühlschrank?

15 Waren Sie als Kind schon von Technik begeistert?

Von Naturwissenschaften, vor allem von Biologie. Am Studiengang hat mir die Orientierung an der Praxis gut gefallen. Man lernt alles, was sonst erst im Volontariat dran käme: die Arbeit mit Film, Bild und Text. Hinzu kommen Informatik und Elektrotechnik. Ich wollte auch einen Studiengang, bei dem man schnell durchkommt. Wegen der Parteiarbeit ist daraus nichts geworden. Nun ist die Diplomarbeit dran.

16 Und ein Blog betreiben Sie auch noch nebenher.

Gerne sogar. Ich wollte ausprobieren, wie das geht. Es hat mich technisch interessiert, wie man was ins Netz stellt, wie HTML oder PHP funktionieren. Es ging aber auch ums Design. Entscheidend war die Neugier darauf, wie man mit einfachen Mitteln etwas Schönes ins Netz stellen kann.

Mehr im Internet:
Erst später habe ich angefangen, über ein Konzept nachzudenken. Gerade als ich eins erstellen wollte, wurde ich in den Parteirat von Bündnis90/Die Grünen gewählt. Damit war das Konzept dann klar.

17 Das verstehe ich nicht. Ein Blog und eine politische Position müssen ja nichts miteinander zu tun haben.

Doch. Es ist eben das Blog von Julia Seeliger. Und die ist nun mal in der Politik.

18 Ein Dauerthema bei Ihnen sind Drogen. Sie behandeln das Thema politisch. Könnte man aber auch persönlich fassen.

Es wimmelt nur so von Blogs, in denen persönliche Geschichten erzählt werden. Das ist auch interessant. Sehr gerne mag ich diese kleinen Netzwerke von Mädchen, die noch zur Schule gehen und sich gegenseitig ständig in ihre Blogs reinkommentieren.

Mein Ansatz ist das nicht. Warum sollte ich im Netz über Drogengebrauch schreiben? Interessiert das irgendwen? Würde Sie das interessieren?

19 Ja.

Ich weiß nicht. Wenn überhaupt, dann nur anonym. Es könnte interessant sein, über Drogen und Sex zu berichten, aber nicht unter meinem Namen, da gibt es so viele Vorurteile. Bei kaum einem Thema wird verlogener argumentiert. Drogen nimmt fast jeder, denken Sie doch mal an Alkohol, ans Oktoberfest. Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: nein. Das geht niemanden etwas an.

20 Wie hätte Ihr Blog ausgesehen, wenn Sie nicht in den Parteirat gewählt worden wären?

Entweder hätte ich etwas rund um das Thema «Wie ich in der Welt der freien Software überlebe» gemacht oder aber in Richtung Ernährung, Essen, Rezepte, ökologisch korrektes Leben. Nun matsche ich alles zusammen und werde auch noch einigermaßen gut gelesen.

21 Ist es für Sie wichtig, wie viele Leute Ihr Blog lesen?

Nein, gar nicht. Schöner ist es, wenn viele Leute kommentieren. Das kann auch nerven. In letzter Zeit hat sich da oft ein Typ zu Wort gemeldet, bei dem ich dachte, oh, ist das jetzt mein erster Online-Stalker. Den habe ich nun aber mit ein paar Ansagen im Blog und mit persönlichen Mails dazu gebracht, dass er nicht mehr soviel Unsinn schreibt.

Doch das sind Ausnahmen. Am Schönsten fände ich es, wenn möglichst viele Leute meine politischen Thesen und Ausführungen diskutierten.

22 Mit ihren Thesen zum Ende der Monogamie und der bürgerlichen Kleinfamilie liefern sie steile Vorlagen. Wenn Sie so etwas schreiben, tummelt sich dann anschließend die halbe Junge Union in Ihrem Blog?

Ich habe gesagt, dass die Kleinfamilie nicht die einzig mögliche Form des Zusammenlebens sein sollte und dass man die gesellschaftlichen Realitäten endlich anerkennen soll.

Mehr in der Netzeitung:
  • Julia Seeliger: Meine Widersprüche 25. Jul 2007 08:56, ergänzt 11:18
  • Schön wär’s ja, wenn sich neue Besucher eingefunden hätten, um mit mir darüber zu diskutieren. Doch die meisten kommen nach wie vor über Google. Viele geben dort meinen Namen ein und stoßen dann auf mein Blog. Aber auch wer bei Google «Rosa Blumen» eingibt, hat gute Chancen, auf meiner Seite zu landen, weil ich mal ein Bild mit rosa Blumen veröffentlicht habe. Bei anderen wiederum ist es die Suchmaschinenanfrage mit dem Wort «Poppen» …

    23 … typisch Netz, Sex wird immer geklickt …

    … ne, ne – ich verwende den Begriff nicht fürs Ficken. Ich habe im Blog nur gefragt, wer mir ein Plug-In zeigen kann, mit dem die Bilder schön aufpoppen.

    24 Aber die Junge Union kommt nicht.

    Mehr in der Netzeitung:
    Ich glaube schon, dass sie sich ansehen, was ich da mache. Aber sie kommentieren nur selten. Entweder die Debatte überfordert sie. Oder sie finden mich so schrecklich, dass sie nicht mit mir reden wollen. Oder sie sind meiner Meinung. Keine Ahnung. Vielleicht denken sie auch, ich würde ihre Kommentare sowieso löschen.

    25 Würden Sie?

    Nein. Gelöscht wird nur, was grob beleidigend oder strafrechtlich relevant ist. Am Anfang gab es bei mir mehr Kommentare von Konservativen, das hat mit der Zeit nachgelassen.

    26 Kommentieren Sie denn in anderen Blogs?

    Selten. Manchmal habe ich beim medienpolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Joachim Otto, reingebloggt. Das ist der mit den vielen Nebentätigkeiten. Da wurde aber sehr ignorant mit meinen Beiträgen umgegangen. Irgendwann hieß es: «Wenn Sie mal älter sind, werden sie das verstehen.» Danach habe ich keine Lust mehr gehabt.

    Mit Julia Seeliger spricht Maik Söhler. Lesen Sie morgen den dritten Teil des Interviews.

     
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