39 Fragen:
Don Alphonso: Bloggen für Profis
Es gibt Momente, in denen ich denke, es wiederholt sich. Meistens aber nicht. Was wieder da ist, ist die Mentalität der New Economy. Und es arbeiten Leute mit, die schon einmal bei einem Hype dabei waren und gerne noch mal einen erleben würden. Was nicht da ist, ist der Markt. Es gibt keinen Börsenhype, und es gibt fast überall eine größere Vorsicht als damals. Insofern kommt Web 2.0 ein bisschen kleiner daher. Bisher reicht eine Heckenschere, um den schlimmsten Auswüchsen beizukommen.
28 Haben Sie selbst mal Aktien besessen?
Nie. Obwohl ich eine Zeit lang gute Einblicke in bestimmte Firmen hatte, wäre ich nie auf die Idee gekommen, mir Aktien von ihnen zu beschaffen. Diesen inkompetenten Gründertypen würde ich nie einen Cent anvertrauen.
29 Hassen Sie diesen Typ von Menschen?
Überhaupt nicht. Ich habe keine negativen Gefühle ihnen gegenüber. Umgekehrt sieht es anders aus.
30 Hassen Sie diesen Typ von Firmen?
Auch nicht. Ich habe nichts gegen Internetfirmen, warum auch? Das Problem beginnt dort, wo der Hype kommt, wo Sachen versprochen werden, die nicht zu halten sind, und wo Zeug zu völlig überhöhten Preisen verkauft wird. Ein kategorisches Einschießen auf einen winzigen Wirtschaftszweig – das wäre doch völlig daneben. Das Problem wird dort größer, wo die Börse ins Spiel kommt. Aber davon sind wir zum Glück noch weit entfernt.
31 Wer garantiert Ihnen, dass Sie in diesem Spiel nicht instrumentalisiert werden?
Auf Dotcomtod habe ich gezeigt, dass ich auf alles schieße, was sich bewegt. Insofern besteht da keine Gefahr. Außerdem hat die gesamte Blogosphäre zusammen immer noch weniger Auswirkungen auf solche Firmen als nur ein einziger Artikel im Handelsblatt.
32 Halten Sie Blogs für über- oder unterschätzt?
PR-Agenturen machen mittlerweile Coachings über Blogs und verbreiten dabei Horrorszenarien über den Einfluss von Bloggern. Auch die Politik, zumindest in Frankreich oder in den USA, überschätzt die Blogger. Bei der letzten Präsidentenwahl im Iran waren sich die westlichen Medien sicher, dass nicht Ahmadinedschad, sondern der andere Kandidat gewinnt, weil sie die englischsprachigen iranischen Blogs für repräsentativ gehalten haben. Aber im Verhältnis zum Rest der Bevölkerung ist das eine verschwindende Minderheit.
Ich halte Blogs für unterschätzt, sie sind eine großartige Sache, werden aber als solche nicht anerkannt. Sie sind eine Erweiterung des Menschen ins Internet, wahrgenommen werden sie meist nur unter Aspekten wie Business, PR oder Journalismus. Dabei sollten doch gerade die Printmedien froh über jeden Blogger und jeden Blogleser sein, weil sie die zukünftigen Zeitungsleser sind. Das sind ja Leute, die lesen, die sich mit Sprache auseinandersetzen, und die eben nicht vor der Glotze sitzen und sich Gerichtsshows ansehen. Teenieblogs mögen so doof sein wie sie wollen, aber jede Stunde, die jemand im Blog verbringt, ist eine Stunde weniger für RTL2.
33 Gibt es Blogs, die Sie gar nicht abkönnen?
Alle rechtsradikalen Blogs. Und alle, die Verschwörungstheorien verbreiten.
34 In letzter Zeit haben sehr viele Blogger juristische Abmahnungen bekommen. Das scheint ein neuer Trend zu sein, der Sie auch treffen kann.
Diese Abmahnungen beruhen leider meist auf verheerenden Fehlern im Bereich von Copyrightverletzungen. Ich glaube nicht, dass das bei mir jemand versuchen würde, und wenn doch, dann würde er es mit meiner Schwester zu tun bekommen. Ich komme aus einer Familie voller Juristen, teilweise auf Medienrecht spezialisiert, und freue mich auf den Tag, an dem es mal jemand ausprobieren sollte.
35 Haben Sie andere Formen von versuchter Einflussnahme in Ihrem Blogbereich erlebt?
Es gab Versuche mich zu kaufen.
36 Und was bietet man Ihnen da?
So direkt funktioniert das nicht. Man wird eingeladen, in einem Unternehmen für viel Geld und allerlei Annehmlichkeiten übers Bloggen zu referieren. Nach StudiVZ hätte ich mindestens ein halbes Jahr gut leben können, wenn ich solche Einladungen angenommen hätte. Da wäre ich schnell auf 40000 Euro Honorar für 20 Tage Rumreisen gekommen.
37 Da kommt man doch in Versuchung.
No f***ing way. Ich arbeite nicht für Public Relations. Niemals. Nicht mal aus Spaß. Ich will, dass PR in der Blogosphäre aufs Maul bekommt. Immer wieder. Die wollen doch nur Tipps von mir, wie sie da rauskommen. Die bekommen sie nicht.
38 Warum regen Sie sich eigentlich so über PR auf? Es gibt doch Schlimmeres.
Ganz einfach: Als Journalist und als Blogger bin ich der festen Überzeugung, dass PR der Todfeind ist. Sie wollen mich beeinflussen und ich will mich nicht beeinflussen lassen. Als Journalist muss ich sie ignorieren, als Blogger aber kann ich sie bekämpfen
39 PRler und Unternehmensmitarbeiter kommentieren in Blogs ja gerne mit. Bei Ihnen auch?
In meinen Blogs kaum. Auch woanders sind PRler mittlerweile seltener anzutreffen, Firmenmitarbeiter häufiger. Aber das bringt gar nichts. Entweder werden die Kommentare gelöscht, oder es findet sich ein Blogger, der das bekannt macht und dann stürzen sich gleich alle drauf. Außerdem ist die Wahrnehmung von Kommentaren deutlich geringer als die von Artikeln. Ich kenne keinen Fall, bei dem es gelungen wäre, die Intention des Autors umzudrehen. Bei mir ist es auch so, dass ich nie alles auf einmal über eine Firma schreibe und immer noch eine Kugel in der Hinterhand habe.
Mit Don Alphonso sprach Maik Söhler.
