«So geht das nicht! Das ist ein No-Go!»
12. Feb 2008 07:05
 |  Bruce Darnell | Foto: dpa |
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In seiner neuen ARD-Show will Bruce Darnell Menschen zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen.
Ricarda Landgrebe berichtet er vorab von der Konkurrenz zu Heidi Klum, schlimmen Stylingsünden und Victoria Beckham.
Als Laufstegtrainer bei «Germany's Next Topmodel» war Bruce Darnell der heimliche Star der ProSieben-Show. Viele vergossene Tränen, sein eigenwilliges Deutsch und Aussprüche wie «Die Händetasche muss lebendig sein» machten den US-Amerikaner zum Publikumsliebling von Heidi Klums Castingshow. Wer das nächste Topmodel auf ProSieben wird, darf (oder will?) Darnell nun nicht mehr mitentscheiden. Stattdessen wechselte der 50-Jährige in die ARD, und moderiert dort eine eigene Stylingshow.Ab dem 12. Februar an, immer dienstags bis freitags um 18.55 Uhr, will er Männern und Frauen in seiner Sendung «Bruce» einen neuen Look und damit auch ein ein neues Lebensgefühl verpassen. Der Medienrummel vor der TV-Premiere ist groß, dennoch hat Bruce Darnell Netzeitung.de noch ein paar Fragen beantwortet.
Netzeitung.de: Mister Darnell, in Ihrer neuen Show «Bruce» geht es darum, Menschen zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen. Wie genau soll das gehen und welchen Stellenwert nimmt das Aussehen dabei ein?
Bruce Darnell: Die Menschen, die zu mir kommen, sind unzufrieden mit ihrem Aussehen und haben manchmal auch ihr Selbstwertgefühl verloren. Ich sage ihnen: «Akzeptiere dich erst einmal selbst, dann kümmern wir uns um deinen neuen Look.» In unserer schnelllebigen Welt vergisst man oft, sich die wirklich wichtigen Fragen zu stellen: Was macht mich aus? Wie möchte ich leben? Was bewegt mich und was will ich weitergeben? Mir ist es wichtig Selbstbewusstsein zu vermitteln. Viele wissen gar nicht, dass sie gut aussehen. Es gibt leider zu viele Menschen, die ihr Ziel irgendwie verloren haben. Das sind für mich Menschen, die zwar auf der Erde sind, aber nicht wirklich leben. There are people that live on earth and there are people that exist on earth.Netzeitung.de: Wahre Schönheit kommt von innen?
Darnell: Wenn ein Mensch negativ denkt, sieht man es ihm an. Wenn er aber positiv denkt, sind die Augen groß, er strahlt und lächelt mehr. Man ist stolzer und selbstsicherer. Gutes Aussehen ist heutzutage eine wichtige Sache, aber ich finde, es ist wichtig, Körper und Geist zu «kleiden».
Netzeitung.de: Wie kam es zu der Idee für die Show?
Darnell: Die ARD ist auf mich zugekommen und hat mir ihre Idee vorgestellt. Ich fand das gut. Aber es geht hier auch um viel mehr als eine Stylingshow. Ich bin zwar ein Styling-Ratgeber, verpasse den Kandidaten eine neue Frisur, ein neues Make-Up, neue Klamotten. Aber das Äußere ist natürlich nur ein Teil. Um sich völlig neu zu erfinden muss man tiefer gehen. Was bedeutet: Man muss sich hinterfragen. Wer bin ich? Wo will ich hin? Ich mache den Frauen klar, dass sie das Recht und die Chance haben, ihr Leben auf den Kopf zu stellen wenn sie unzufrieden sind. Meine Botschaft: Du kannst etwas aus dir machen.
Netzeitung.de: Passt das Format nicht besser zu einem Privatsender?
Darnell: Fakt ist: Die ARD wollte mich haben. Ich mache ein Format, in dem ich versuche, anderen Menschen zu helfen. Es geht nicht einfach nur um Styling, sondern auch um Lebensberatung. Meine Show ist ehrlich und authentisch. Es gibt für mich schließlich kein Drehbuch, nach dem ich arbeite. Ich bin einfach so, wie ich bin. Ich mache einfach und ich finde das passt gut ins Programm der ARD.
Netzeitung.de: Was sind das für Menschen, die sich für Ihre Show bewerben?
Darnell: Es sind Männer und Frauen, völlig unterschiedliche Menschen. Eine Frau hat Probleme mit ihrer Größe, eine andere ist ein bisschen zu dick und wieder eine andere fühlt sich nicht weiblich genug. Es sind ganz verschiedene Probleme. Alles was ich mache, ist mir die Zeit zu nehmen, den Kandidaten zuzuhören. Sie positiv zu pushen. Sie in den Arm zu nehmen und ehrlich zu sein. Und ich gebe Erfahrungen weiter, die mich das Leben gelehrt hat.
Netzeitung.de: Welche Geschichte hat Sie persönlich am meisten bewegt?
 |  Bruce Darnell | Foto: ProSieben |
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Darnell: Es gab ein Mädchen, das sich mit ihrem Gesicht überhaupt nicht wohlgefühlt hat. Sie hat mehrere Operationen am Kiefer gehabt hat und sich ganz ganz hässlich gefühlt. Aber sie ist ein Schmetterling und hat gelernt zu fliegen. Sie ist so glücklich gewesen mit ihrem neuen Look und das wichtigste ist, sie hat endlich an sich geglaubt.Netzeitung.de: Gab es Kandidaten, denen Sie nicht helfen konnten?
Darnell: Ich glaube, dass ich jedem Kandidaten etwas mit auf den Weg geben konnte.
Netzeitung.de: Haben Sie noch Kontakt zu den Kandidaten Ihrer Show?
Darnell: Im Moment habe ich so wenig Zeit, aber natürlich denke ich an alle und hoffe, dass wir uns wieder treffen. Ich habe auch noch Kontakt mit den Mädchen aus «Germany's Next Topmodel». Ich habe vor einer Woche einen Brief von Barbara (Meier, der Gewinnerin der Show, d. Red) bekommen. Sie hat sich sehr bedankt für die Zeit und gesagt, dass ich ihr sehr geholfen habe. Sie hat mir viel Glück für meine neue Show gewünscht. Das war so toll, dass sie an mich gedacht hat und den Brief ganz persönlich mit Hand geschrieben hat. Das hat mich so bewegt!
Netzeitung.de: Wer hat Ihnen in Ihrem Leben Kraft gegeben?
Darnell: Ich habe mir selbst Kraft gegeben und die Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Ich versuche jeden Tag Meditation zu machen und versuche positiv zu denken. Es gibt auch Tage, da fühle ich mich schlecht. Aber dann sage ich mir: Da muss ich jetzt was an mir tun. Ich bin ein Mensch, der sehr viele Downs gehabt hat im Leben. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es schaffen würde, in der Öffentlichkeit zu stehen und dieses Selbstwertgefühl zu finden. Ich möchte das einfach weitergeben.Netzeitung.de: Die schlimmste und schönste Veränderung in Ihrem Leben waren?
Darnell: Ich denke nicht an die schlechten Sachen im Leben, ich schaue immer nach vorn.
Netzeitung.de: Das Leben: Ein Drama oder eine Komödie?
Darnell: Beides. Jede Sache im Leben hat immer zwei Seiten.
Netzeitung.de: Hat die Show Sie verändert und wenn ja inwiefern?
Darnell: Nein, ich war vorher Bruce, ich bin jetzt Bruce und werde Bruce bleiben. Ich bin ein ehrlicher Mensch. Wichtig ist außerdem, jeden Tag etwas Gutes zu tun. Für sich selbst und andere.
Netzeitung.de: Ihre Show startet zeitnah zu der dritten Staffel von «Germany's Next Topmodel». Heidi und Sie sind nun also Konkurrenten?
Darnell: Nein, es sind ja ganz unterschiedliche Sendungen. Und ohne Heidi Klum wäre ich heute nicht hier. Heidi ist ein toller Mensch. Sie hat mein Leben drastisch geändert.
Netzeitung.de: Die schlimmste Stylingsünde?
Darnell: Eine Dreiviertel-Hose tut wirklich niemanden einen Gefallen! Die kann man höchstens im Urlaub anziehen. Es gibt Frauen, die tragen sie im Winter mit Stiefeln. Es tut mir furchtbar leid. So geht das nicht! Das ist ein No-Go!
Netzeitung.de: Ihre schlimmste Stylingsünde:
Darnell: Das verrate ich nicht... (lacht), aber ich habe ein Faible für die Hippiezeit. Muss ich noch mehr sagen?
Netzeitung.de: Welchem prominenten Menschen würden Sie dringend zu einem neuen Styling raten?
 |  Darnell mit Co-Coaches | Foto: ARD/Guido Ohlenbostel |
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Darnell: Oh, ich glaube, die wissen alle ganz gut, was ihnen steht. Denken Sie mal an Victoria Beckham. Die Frau ist der Hammer! Es ist egal, was man über sie sagt. Sobald sie aus der Tür geht, zeigt sie Perfektion. Das Haar, die dunkle Brille, die Tasche, die Stilettos. Dafür braucht man unheimlich viel Disziplin. Sie steht in der Öffentlichkeit und sieht immer top aus und deshalb ist sie für mich eine Stil-Ikone.Netzeitung.de: Werfen wir einen kurzen Ausblick in die Zukunft:
Darnell: Ich denke erst mal an die nächsten Wochen. Direkt nach der Staffel will ich für ein paar Wochen in den Urlaub. Ich hab' mir etwas ganz Raffiniertes ausgedacht. Ich möchte nach Irland fahren. In die Berge und an die Coast. Einfach zum Abschalten. Die ganze Umgebung einfach genießen, tolle Luft atmen. Zu mir selbst kommen.
Netzeitung.de: Wie sehen Ihre Pläne aus, stehen schon neue Projekte an?
Darnell: Ja, am 14. März erscheint mein erstes Buch, das ich zusammen mit einer Journalistin geschrieben habe. Es heißt «Drama, Baby, Drama!».Netzeitung.de: Was würden Sie in ihrem persönlichen und was im gesellschaftlichen Leben gern verändern, wenn Sie könnten?
Darnell: Ich möchte, dass sich die Menschen wieder mehr umeinander kümmern, sich helfen. Nicht wegschauen. Und vor allem wünsche ich mir, dass wir die Probleme in Afrika in den Griff kriegen. Das ist so traurig.
Netzeitung.de: Verraten Sie uns doch bitte Ihre Lebensweisheit.
Darnell: Total wichtig ist es, an sich selbst zu glauben. Gib dich nie mit dem Mindesten zufrieden! Ich lehre außerdem, jeden Tag als ein Geschenk anzusehen. Und dass sich an jedem Tag wieder neue Chancen auftun. Arbeite daran, deine Träume Wirklichkeit werden zu lassen! Wichtig ist außerdem, jeden Tag etwas Gutes zu tun. Für sich selbst und für andere.