netzeitung.de«Vielleicht habe ich die Falschen ausgewählt?»

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Designer Henrik Vibskov (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Designer Henrik Vibskov
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Zum Auftakt der Berlin Fashion Week trat Henrik Vibskov als Juror der Beck's Fashion Experience an. Julia Wilczok sprach mit dem Szene-Designer über Berlin, Langeweile und die Trends 2009.

Er wirkt ein bisschen gehetzt, dieser Schlaks mit der viel zu kurzen Hose und den zebragestreiften Segelschuhen. Das darf er auch, denn Designer Henrik Vibskov ist gerade erst aus Paris eingeflogen. In der Seine-Metropole war er, na klar, zur Modewoche. Nun ist er in Berlin, wo eine neue Aufgabe auf den Dänen wartet.

Zum inoffiziellen Startschuss der Berlin Fashion Week haben Vibskov und weitere fachkundige Jury-Mitglieder aus einer Reihe vielversprechender Nachwuchsdesigner sieben Top-Talente ausgewählt. ANNTIAN, Cem Cako, Josephine Jarzombek, Robert Huth, Ostwald Helgason, Sabrina Seifried und Saskia Schijen zeigten ihre neuen Kollektionen auf der Beck's Fashion Experience-Modenschau im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei. Bereits zum sechsten Mal präsentierte der Bierhersteller das Event.

Vibskovs Aufenthalt in Berlin ist kurz, dementsprechend vollgepackt sein Terminplan. Der symphatische Däne opfert uns trotzdem zehn Minuten.

Netzeitung.de: Wie kamen Sie zur Beck’s Fashion Experience?

Henrik Vibskov: Ich habe mir einfach gedacht, dass man die neue Generation unterstützen muss. Viele der Juroren sind Journalisten, eine solche Entscheidung sollten aber auch Designer fällen, darum habe ich mitgemacht.

Netzeitung.de: Wie haben Ihnen die Kollektionen der Jungdesigner gefallen?

Vibskov: Zwei fand ich sehr innovativ, die anderen eher nicht so. Und wer weiß - vielleicht habe ich die falschen Designer ausgewählt?

Netzeitung.de: Es hat Ihnen also nicht gefallen?

Vibskov: Oh, ich habe schon ein paar gute Entwürfe gesehen. Ich verkaufe bereits ein paar Sachen von ANNTIAN in meinen Stores. Das war eines der Labels, für die ich gestimmt habe. Mir gefallen ihre Prints. Was die anderen angeht, brauchen sie einfach ein bisschen mehr Humor. Sie müssen sich anstrengen, um sich da draußen zu behaupten. Ostwald Helgason haben mir auch gut gefallen, die hatten tolle Drucke.

Netzeitung.de: Es ist ein leidges Thema, aber hat Berlin das Zeug zur Mode-Metropole?

Vibskov: Ich glaube, vor zwei drei Jahren war es besser, da war die «Bread & butter» noch hier. Jetzt ist es ein bisschen verwirrend. Ehrlich gesagt blicke ich bei der Berlin Fashion Week nicht richtig durch. Sie dauert zehn Tage, was ich sehr lang finde. Ein paar Jahre zuvor war es noch ein Muss hier hin zu fahren, jetzt ist das leider nicht mehr so.

Netzeitung.de: Ist denn das kreative Potenzial vorhanden?

Vibskov: Klar, hier leben viele junge, kreative Menschen. Hier werden Ideen geboren. Aber die meisten müssen ins Ausland gehen, um ihre Visionen zu verwirklichen. Es wird schwer, wenn sie nur auf Berlin setzen. Die meisten gehen daher gleich nach Paris, London oder New York.

Netzeitung.de: Was ist charakteristisch für den Stil Berlins?

Vibskov: Was ich hier so sehe ist sehr streng, sehr seriös und minimalistisch.

Netzeitung.de: Was unterscheidet Berlin von Paris, London oder New York?

Vibskov: In den anderen Städten ist alles ausgeglichener. Es gibt den seriösen, den High-End-Part, aber auch den jungen, wilden. Das macht den Spaß an der Sache aus und ohne Spaß wird es langweilig. Ich bin ein großer Fan von spielerischer, verrückter Mode. Was nicht heißt, dass es bei euch keine guten Designer gibt. Davon gibt es einige.

Netzeitung.de: Zum Beispiel?

Vibskov: Das ist schwer, hm... Meine liebsten sind wohl Bless und Bernhard Willhelm. Bless arbeiten sehr konzeptionell während Bernhard für Avantgarde steht.

Netzeitung.de: Beschreiben Sie doch mal kurz Ihre eigene Mode.

Vibskov: Angefangen hat es klassisch: Ich habe auf dem Central St. Martins College in London Männermode gelernt, dann war ich in Paris. Ich mochte schon immer den spielerischen Umgang mit Mode. Sie soll so aussehen, als hätten Kinder im Kleiderschrank ihrer Oma gekramt.

Netzeitung.de: Macht der Modezirkus sie niemals müde?

Vibskov: Ja klar, manchmal. Das reine Business ist mir zu langweilig. Darum will ich unterhalten werden - wie zum Beispiel heute Abend - aber auch andere unterhalten.

Netzeitung.de: Als Designer müssen sie ja immer im Voraus planen. Haben Sie noch einen heißen Tipp für uns? Was kommt 2009?

Vibskov: Im Vergleich zur Gegenwart wird es wohl wieder reduzierter. Aber was rede ich da eigentlich? Die Leute wollen einfach Spaß mit der Mode haben. Die Wahrheit ist, dass ich keinen blassen Schimmer habe!

Mit Henrik Vibskov sprach Julia Wilczok.