netzeitung.deDieser Mann ist «wie Ikea auf Acid»

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Weiblichkeit à la Vibskov: Fliegende Brüste (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Weiblichkeit à la Vibskov: Fliegende Brüste
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Riesenbrüste aus Schaumstoff, Hot Pants für Männer, Elektrosounds: Egal was Henrik Vibskov sich ausdenkt, es schlägt ein wie eine Bombe. Der kreative Allrounder ist Dänemarks angesagtester Export der Stunde.

Henrik Vibskov erreicht mit seiner Kunst inzwischen alle: Ob Museumsbesucher im Kopenhagener Designzentrum, Musikfans beim Rockfestival im englischen Glastonbury, Pariser Modeexperten oder ganz normale junge Leute mit Faible für witzige und wärmende Trends. Im eigenen Land hat der 34-Jährige es als Modeschöpfer, Installations- sowie Eventkünstler und als Schlagzeuger zu verblüffender Popularität gebracht. Der vielseitige Künstler kommt jetzt auch nach Deutschland.

In Cuxhaven sind ab 14. September beim Kunstverein unter dem Titel «garden of eden» Vibskov-Installationen zu sehen, bei denen er seine Modekreationen in künstlerischer Umgebung präsentiert. Riesenbrüste aus Schaumstoff und Frösche als Modekulisse erwarten die Besucher. Mit dem Elektronik-Trio Trentemøller tritt der Däne am 21. und 22. September in Hamburg und Berlin auf.

«Vibskov hat sich bei uns auf völlig entspannte Weise als Trendsetter etabliert. Erst läuft Henrik mit komischen kurzen Hosen rum, und die Leute lachen. Zwei Jahre später tragen alle seine kurzen Hosen», sagt Lene Tanghøj vom Kopenhagener Designzentrum. Auch in diesen heiligen Hallen hat Vibskovs Kombination aus bildender Kunst, Mode und Popkultur ihren Platz gefunden.

Als er seine neue Modekollektion «The Fantabulous Bicycle Music Factory» präsentierte, wurde daraus erst in Paris und dann in Kopenhagen wieder ein Event mit Überraschungseffekt. Der Designer ließ die Models auf eine lange Reihe von Rädern steigen, die über mechanische Konstruktionen beim Strampeln Blas- und andere Musikinstrumente in Gang setzten. Die Mode sei bei dem Spektakel vielleicht ein bisschen untergegangen, sinnierte das Berliner Szeneblatt «Groove» später, aber das habe niemanden gestört.

Im Vorjahr hatte Vibskov die normale Rollenverteilung bei Modenschauen umgekehrt. Die Zuschauer mussten laufen, während es sich die Models beiderlei Geschlechts in einem Meer aus Brüsten liegend bequem machen konnten.

Musik ist ihm wichtiger als Mode
Musik sei ihm letztlich wichtiger als Mode, sagt Vibskov selbst. Für die Elektronikband Trentemøller hat er bei den größten europäischen Rockfestivals in Glastonbury und in Roskilde in diesem Sommer jeweils vor Zehntausenden hinter dem Schlagzeug gesessen. Typisch Vibskov, dass er als «Drum Pants» spezielle Hosen für Schlagzeuger entwickelt hat.

Seinen Riesenspagat zwischen Mode, Musik und «seriöser» Kunst bewältigt der Däne völlig gelassen, als sei es das irgendwie beiläufige Ergebnis zufälliger, chaotischer, aber eben auch erfreulicher Ereignisse. Um einen Platz an der hoch angesehenen Londoner Kunst- und Designerschule Saint Martins, wo auch Stella McCartney ihr Handwerk lernte, habe er sich eigentlich nur beworben, weil das auch das Mädchen tat, in das er gerade verliebt war.

«Multikünstler» findet er als Gattungsbegriff genauso verbraucht wie «Streetwear». Er sei einfach ein «kreativer Mensch». Jon Sanders, Geschäftsführer im Berliner Laden «Wood Wood», der auch Vibskovs Kreationen verkauft, meinte in «Groove» über den Stil des Designers: «Vibskov ist wie Ikea on Acid. Auf der einen Seite gibt es bei ihm skandinavische Gemütlichkeit und skandinavischen Optimismus. Auf der anderen Seite ist er aber ziemlich durchgeknallt.» (Thomas Borchert/dpa)