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Berlins Fashion Week fehlt der Glamour

15. Jul 2007 13:52
Luftige Kreation des Modelabels 'Michalsky'
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Ein schmales Programm, teils nur vor B- und C-Prominenz: Die Fashion Week in Berlin war weniger spektakulär als erhofft. Höhepunkte gab es aber doch: die Schauen von «Strenesse» und Ex-Adidas-Designer Michalsky.

Die Erlösung kam kurz vor Schluss. Mit der Schau von Michael Michalsky am Samstagabend zog endlich der Duft der großen weiten Welt bei der «Mercedes-Benz Fashion Week» in Berlin ein. Eine starke Kollektion, prall gefüllte Ränge und die amerikanische Schauspielerin Andie MacDowell in der ersten Reihe.

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Das Defilee des früheren Chefdesigners von Adidas wirkte deutlich glamouröser als die teils mageren Präsentationen, die am Freitag und Samstag im Schatten des Brandenburger Tores über den Runway gegangen waren. Dabei hatte alles am Donnerstag mit der Schau von Hugo Boss und einer rauschenden Party so gut angefangen.

Doch der Hype geriet schnell zum Katzenjammer. Das lag zum Teil daran, dass nicht wirklich Laufsteg-taugliche Marken wie «Prototype Schumacher» oder «Smeilinener» mit kunstgewerblich wirkenden Kollektionen gelungene Präsentationen konterkarierten.

Hüte von 'Vivienne Westwood', 'Smeilinener' und 'Strenesse'
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Das Programm war mit elf Schauen an vier Tagen sowieso nicht umfangreich - umso mehr hätte jedes Defilee überzeugen müssen. Statt großer Stars kam häufig B- oder C-Prominenz. Dagegen erschien sogar die zu zahlreichen Schauen in jeweils neuem Outfit auftretende und beständig plappernde Verona Pooth als Superstar.

Das PR-Team der Berliner Designerin Anett Röstel gab gar eine Gästeliste mit Pooths sowie zahlreichen Namen deutscher Sternchen heraus und vergaß, dass Masse noch lange nicht Klasse heißt. Gerade Besucher mit Schauen-Erfahrung mokierten sich. Dabei war die Präsentation von Röstel am Samstag mit einem gut ausgearbeiteten Gegensatz von gerafften und geschwungenen Stoffen und geometrischen Formen durchaus akzeptabel.

Bottega Veneta sprang ab

Auch andere Details trugen zum Missbehagen bei: Die Absage der erst groß angekündigten Top-Marke Bottega Veneta kurz vor Beginn der Schauenwoche etwa. Die Tatsache, dass Wolfgang Joop die Präsentation seiner «Wunderkind»-Linie nicht von Paris nach Berlin verlegen will. Oder dass Vivienne Westwood bei der Schau ihrer (Neben-)Kollektion «Anglomania» am Freitag selbst nicht zu sehen war.

Auch der Marken-Mix wirkte unglücklich. Die Sportswear der szenigen neuen Linie «Rudolf Dassler by Puma» passte nicht wirklich zu den Designerkollektionen. Bei der Mischung fiel es schwer, echte Trends (ausgenommen der Dominanz von Weiß) für Frühjahr/Sommer 2008 zu extrahieren.

Viele Gäste ärgerten sich über langwierige Eingangskontrollen. Die Top-Liga der Modejournalisten wie Anna Wintour von der US-Vogue, Carine Roitfeld von der französischen Vogue und Suzy Menkes vom Herald Tribune war ohnehin nicht erschienen.

Gabriele Strehle will Berlin pushen

«Wir haben uns ganz bewusst für Berlin entschieden», sagt hingegen die Designerin Gabriele Strehle. Sie möchte die Hauptstadt modisch pushen. Ihre «Strenesse»-Schau am Freitag war ein Lichtblick: Mit klaren Entwürfen zeigte sich die als Qualitätsfreak bekannte Strehle voll in ihrem Element.

Bilderschau:
Schauspielerinnen wie Christiane Paul und Alexandra Maria Lara saßen im Publikum und beklatschten schöne Kleider mit Smok-Einsätzen, silbern schillernde Mäntel mit Wabenstruktur und sexy Entwürfe mit Bleistiftrock für die Damen sowie brombeerfarbene Polos zur grauen Hose oder frisch wirkenden Hemden in einem Limettenton für die Herren.

Und dann gibt es eben noch Michalsky, der seine Entwürfe allen «Bad Boys and Girls» widmet, die die Stadt «rocken». Männer und Frauen tragen bei ihm Nadelstreifen, erstere als Anzug mit kurzer Jacke, letztere als sexy Korsagen-Kleid mit Schnallen im Rücken.

Panzerknacker und grelle Herrentaschen

Es gibt Shirts mit Panzerknacker-Motiv, knallgelbe Herrentaschen und Jogginghosen mit Gummibund für Männer sowie Miniröcke für Frauen aus fein ausgestanztem Leder. Hinzu kommt eine Reihe fließender Seidenroben in Leuchtfarben, besetzt mit klackernden schwarzen Jetsteinen.

Gerade dank Schauen wie der von Strenesse oder Michalsky kann man hoffen, dass die Probleme der Berliner Fashion Week nur Startschwierigkeiten sind. Schließlich gilt, was Michael Michalsky in einem Statement verbreitete, in dem er sich an eine Reise vor 22 Jahren von West- nach Ost-Berlin erinnerte: «Denkt bitte einfach mal daran, wie fantastisch es für uns alle ist, eine Schau unter dem Brandenburger Tor zeigen zu können.» (Stefanie Schütte, dpa)

 
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