04. Jul 2007 22:21
Am zweiten Tag der Pariser Haute Couture-Schauen konnte Karl Lagerfeld seinen Ruf als Meister der hohen Schneiderkunst verteidigen - auch wenn die äußeren Umstände gegen ihn waren.
Bei Chanel saßen sie trotz der Zeltdächer tropfnass im Freien, bei Christian Lacroix japsten sie drinnen nach Luft. Nach einem glamourösen Start am Vortag machte das zwischen nasskalt und schwül schwankende Wetter am Dienstag den Besuchern der Pariser Haute Couture-Schauen für Herbst/Winter 2007/8 so manchen Strich durch die Rechnung. Am Mittag hatte Karl Lagerfeld in den Vorort Saint Cloud außerhalb der Stadt gebeten, doch einige blieben bereits auf der langen Taxifahrt im strömenden Regen stecken. So waren diesmal einzelne Plätze der sonst stets proppevollen Chanel-Schau nicht besetzt. Und das war ein Jammer: Lagerfeld bot im traumhaft schönen Ambiente eines Parks eine Haute-Couture-Kollektion von atemberaubender Perfektion, raffiniert und tragbar zugleich, jung, elegant und höchst modern.
Christian Lacroix schwelgte am Nachmittag in Stickereien und Ornamenten, kombiniert mit viel Schwarz und Grau. 20 Jahre Couture liegen hinter ihm, zum Jubiläum zeigte er sein ganzes Können. Unter üppigen Samtmänteln in harmonischen Farben kamen auf Figur geschnittene Kleider zum Vorschein mit Spitze, Smok-Einsätzen und breiten Silbergürteln. Übergroße Perlenketten, üppige Lockenfrisuren, weißer Puder und schwarz umrandete Augen ließen die Models wie puppenhafte Wesen erscheinen, die nach einhundert Jahren zu neuem Leben erweckt wurden. Trotz des zuletzt gezeigten beeindruckenden Brautkleides in goldglänzendem Brokat hatten die Gäste Mühe, bis zum Schluss auf ihren Plätzen zu bleiben. Denn im stickigen, schlauchförmigen Ambiente des Palais de Tokyo war es kaum auszuhalten.
Am Abend bot Givenchy-Designer Riccardo Tisci allerlei «Tierisches» zum Abschluss des Couture-Tages. Tadellos geschnittene kleine Kostümjacken wurden zu vogelartigen Federröcken und schmalen Hosen kombiniert, alles Ton in Ton in Beige. Auf Ärmeln prangten Stoffstücke in Form von Fischschuppen, Westen trugen Echsenmuster und endeten in einer Art Schwanz. Ausladende Pelze und Leopardenmuster ließen die Models wie geschmeidige Raubkatzen erscheinen. Ein himmelblaues Seidenkleid zierte silbriges Metall wie eine Schlangenhaut. Dennoch wirkte nichts bei dieser Schau lächerlich, ein Zeichen dafür, dass der Italiener bei aller Extravaganz sein Metier beherrscht. (Stefanie Schütte/dpa)