netzeitung.deItalien will keine «Skelette» auf dem Laufsteg

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Dünnes Model (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Dünnes Model
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nach Spanien will nun auch Italien keine mageren Models mehr über den Laufsteg schicken. Italienische Designer wollen schon lange normalgewichtige Frauen bevorzugen.

Geht es nach der italienischen Ministerin Giovanna Melandri, laufen in Italien bald normalgewichtige Models über den Laufsteg. Melandri, Ministerin für Jugendpolitik, hat der Magersucht den Kampf angesagt - und möglicherweise haben es bald internationale Supermodels wie die Britin Lily Cole oder die Kanadierin Heather Marks, die bei einer Größe von fast 1,80 Metern kaum 50 Kilo wiegen, schwer, über Italiens Catwalks zu laufen.

Melandri hat Stardesigner von Mailand bis Rom dazu aufgerufen, bei ihren Defilées keine «Skelette» mehr als Schönheitsideal vorzuführen, berichtete die römische Zeitung «La Repubblica». «Wir müssen uns verbünden und zusammenarbeiten, um ein Phänomen anzugehen, das allein in Italien zwei Millionen Mädchen betrifft», erklärte Melandri.

Es war Spanien, das vor wenigen Monaten gegen zu hagere Kleiderständer mobil gemacht hat: Mehreren Models wurde es wegen «Untergewichts» verboten, an einer Modenschau in Madrid teilzunehmen. Staatliche Ernährungsexperten hatten die jungen Frauen genau gemessen und gewogen. Die Kontrolleure stützten sich dabei auf Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Models durften einen Körpermaßindex von 18 (beispielsweise 56 Kilo bei einer Größe von 1,75 Metern) nicht unterschreiten.

Designer lehnen magere Models ab
Von solch harten Methoden hält die italienische Ministerin jedoch nichts: «Die Initiative in Spanien war übertrieben», sagt sie. «Ich will nichts verbieten, Vorschriften nutzen sowieso nicht.» Stattdessen hofft Melandri auf eine gemeinsame Initiative mit Italiens Stardesignern, von Valentino bis Versace. Ziel ist es, Modelle mit «normalen Kleidergrößen» auf den Laufsteg zu bringen.

Mit ihrem Vorschlag stößt sie auf offene Ohren. «Ich habe immer echte Frauen für meine Schauen gewählt, nie kleine Mädchen mit zerbrechlichen Körpern», betonte Mode-Ikone Donatella Versace.

Auch Giorgio Armani unterstützte die Idee und erklärte, allzu magere Models könnten seine Kreationen auch gar nicht richtig vorführen. Und Gianfranco Ferré - selbst ein Schwergewicht - meint: «Die Mode ist ein Ausdruck für die Liebe zum Leben und zur Schönheit - und Frauen, die nur Haut und Knochen sind, habe ich noch nie faszinierend gefunden.»

Von weiblichen Kurven zum «Heroin Chic»
Schon lange wird darüber diskutiert, dass allzu magere Models ein schlechtes Vorbild für Mädchen und Frauen sind. In den frühen 90er Jahren feierten noch Claudia Schiffer oder Cindy Crawford mit einer weiblichen Figur Erfolge; in den folgenden Jahren setzte sich jedoch der Trend nach immer jüngeren, immer dünneren Modellen durch. Als «elfengleich» werden diese dünnen Frauen gepriesen, die extrem magere Kate Moss prägte gar den «Heroin Chic» - vielen jungen Mädchen in aller Welt dienen die Models jedoch als Vorbild für die eigene Figur.

Doch das Thema ist komplex. Psychologen verweisen darauf, dass Anorexie (Magersucht) vielfältige Gründe haben kann und oft psychosomatische Ursachen hat. Auch die in Cattolica geborene Designerin Alberta Ferretti ist überzeugt: «Es ist nicht allein die Schuld der Mode, wenn Dünnheit zu einem Statussymbol geworden ist», sagt sie. «Wir leben in einer Gesellschaft, in der Dünnheit mit gesellschaftlichem Erfolg gleichgesetzt wird. Und diese Logik muss zunächst einmal bekämpft werden.»

Laut der Zeitung «Il Messaggero» sollte mit dieser Logik nun aber Schluss sein. «Im Kampf gegen Magersucht spielt die Mode eine wichtige Rolle. Defilées mit skelettgleichen Models verherrlichen die Dünnheit, und das darf nicht sein.» (nz)