Die nackte Gier nach dem Ruhm
16.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die nackte Gier nach dem Ruhm
Er fotografiert die Stars und ist selbst schon einer: US-Künstler David LaChapelle feiert sich und seine Promis in einem opulenten Bildband mit viel nackter Haut.
Er hatte sie alle: Lil' Kim, Britney Spears, Pamela Anderson, Paris Hilton und Madonna sind nur einige der weiblichen Stars, die Fotograf David LaChapelle abgelichtet hat. Seine Spezialität sind provokante, oft surreale Posen, bei denen die Promis viel nackte Haut zeigen. Der opulente Bildband, mit dem der Taschen-Verlag nun sein Werk feiert, heißt denn auch folgerichtig «Artists & Prostitutes». Künstler und Prostituierte haben auf LaChapelles Aufnahmen nicht nur ihre exhibitionistische Zeigefreudigkeit gemein, sondern auch ihre Lust, die eigene Haut zu verkaufen.
Alles ist käuflichSeine Bilder erscheinen in Hochglanz-Zeitschriften wie «Vogue», «Vanity Fair» und dem «Rolling Stone» ebenso wie im einst avantgardistischen «I-D Magazine». Die perfekte Ästhetik der Konsumgesellschaft ist ihnen ebenso zu sehen wie der Zynismus einer Gesellschaft, in der alles käuflich ist.
Kein Wunder also, dass LaChapelles Arbeiten mittlerweile auch auf dem Kunstmarkt zum Verkaufsschlager geworden sind. Seine Werke waren in zahlreichen Galerien und Museen zu sehen, die Schau im Londoner Barbican Museum etwa ist bis heute die am meisten besuchte Ausstellung des Hauses. Viele der Aufnahmen in dem 698 Seiten starken Werk sind längst visuelle Klassiker der Pop-Kultur. Das hat seinen Preis: Das Buch ist auf 2500 Exemplare limitiert und kostet 1250 Euro - Autogramm des Autors allerdings inklusive.
Gefangen im VIP-ZirkelIhr Schöpfer selbst hat sich längst weiter entwickelt. Der einstige Schüler von Pop-Art-Ikone Andy Warhol inszeniert mittlerweile Musikvideos, Revue-Shows wie die von Elton John im Caesars Palace und hat mit «Rize» einen viel beachteten Spielfilm gedreht, der sich jungen Tänzern aus einem Problemviertel seiner Heimatstadt Los Angeles widmete. Seinem VIP-Freundeskreis entkam LaChapelle aber auch mit seinem Sozialdrama nicht: Madonna baute den Tanz der Straßengangs, das «Krumping» prompt in ihr Video zu «Hung Up» ein. (nz)