netzeitung.deMode, Sex, Punk: Vivienne Westwood wird 65

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Vivienne Westwood (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Vivienne Westwood
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mann nennt sie die «Mutter des Punk». Mit 24 Jahren hatte Vivienne Westwood ihr Hausfrauenleben aufgegeben, um ihren eigenen Stil zu finden. Die Designerin wird 65.

Von Stefanie Schütte

Neulich hätte sie beinahe eine Massenpanik entfacht. Die Designerin Vivienne Westwood kann - wie im vergangenen Februar anlässlich einer Ausstellungseröffnung ihr zu Ehren in der Modestadt Düsseldorf - auch heute noch einen unglaublichen Menschenauflauf verursachen. Fast wie damals, als die «Mutter des Punk» in den siebziger Jahren, behängt mit Ketten und Vorhängeschlössern und im Gummi-Negligé, in London beinahe den Verkehr zum Erliegen brachte. Am 8. April wird die geniale Provokateurin 65 Jahre alt und gilt längst als lebende Legende.

Die Ideen der Britin - wie etwa die, BHs über dem Oberteil zu tragen - sind so oft kopiert worden, dass sie manchmal anderen Designern zugeschrieben werden.

«Mode hat immer etwas mit Sex zu tun» und «Man hat ein viel besseres Leben, wenn man beeindruckende Kleidung trägt», lauten zwei typische Westwood-Sätze. Auffallen will ihre Kundin in jedem Fall, auch wenn sie dafür manchmal aussehen muss, als käme sie gerade vom Kostümfest. Vivienne Westwood liebt die gründliche Auseinandersetzung mit historischen Epochen, Barock und Rokoko oder auch dem viktorianischen Zeitalter. Kaum jemand vermag es wie sie, alte Schnitte auseinander zu nehmen, um sie neu und ungewohnt zusammenzusetzen.

Korsett und Krinoline
Modegeschichte schrieben etwa ihre Kollektionen «Pirates» (1981), die eine Romantik-Welle auslöste, «Harris-Tweed» (1987), die traditionelle Elemente weiblicher Mode wie Korsett und Krinoline mit mädchenhaft interpretierter Herrenschneiderei verband oder auch «Anglomania» (1993), bei deren Präsentation selbst das laufstegsichere Top-Model Naomi Campbell auf ihren schwindelerregend hohen Absätzen ins Straucheln geriet. Doch sah sie in ihrer Samtjacke und dem Karorock dabei derart entzückend aus, dass der Sturz sowohl ihr als auch der Designerin zusätzliche Popularität verschaffte.

Hohe Absätze, ein hoch geschnürter Busen und betonte Hüften, das sind bis heute Ingredienzen der Westwood-Mode. Frauen sollen damit ihre erotische Anziehungskraft bewusster wahrnehmen. Westwood selbst, die als Vivienne Isabel Swire 1941 als ältestes von drei Kindern in der nordenglischen Kleinstadt Glossop geboren wurde, zog sich schon als Jugendliche auffallend an. Nach einer Ausbildung zur Grundschullehrerin in London heiratete sie 1962 den Steward Derek Westwood und bekam einen Sohn. Doch schon bald wurde ihr das Leben als Hausfrau zu eng. 1965 verließ sie ihren Mann. Sie tat sich mit dem Kunststudenten Malcolm McLaren zusammen und verkaufte mit ihm ab 1971 subversive Mode in einem Laden an der Londoner King's Road.

Fetisch-Sex und Rock'n'Roll
Nach Rock'n'Roll und Fetisch-Sex begann sich das Paar Mitte der siebziger Jahre für eine neue Jugendbewegung zu interessieren. Sie schufen das modische Outfit der Punks mit Löchern in den Kleidern, Anarchie-Shirts, Hundehalsbändern und Leder-Look. McLaren war Ideengeber der berüchtigten Band The Sex Pistols, Westwood kreierte die Kostüme. Modische Eigenständigkeit entwickelte sie jedoch erst, als die Band sich aufgelöst und sie sich von McLaren getrennt hatte. Sie beschäftigte sich nun mit Modegeschichte und verband diese mit ihrer unkonventionellen Sichtweise.

Heute wird Vivienne Westwood zu den bedeutendsten Designern der Welt gezählt. Sie herrscht über ein kleines Imperium mit Herren- und Damenmode, Accessoires und Parfüm. Nebenbei unterrichtete sie jahrelang als Gastprofessorin in Berlin. Neben ihrem derzeitigen Lebenspartner, dem Jahrzehnte jüngeren Designer Andreas Kronthaler, ließ sie sich jüngst als nackte Venus ablichten. Hoffentlich hat sie noch viel vor. (dpa)