21.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Sexappeal am Fuß
Manolo Blahnik ist auf der Düsseldorfer Schuhmesse eine Ausstellung gewidmet. «Mich zu wiederholen, empfände ich als Nekrophilie», sagt der Schuhdesigner.
Seine ersten Schuhe schuf er für seinen Hund. Manolo Blahnik, derzeit wohl der berühmteste Schuhdesigner der Welt, hatte schon als Kind eine Leidenschaft für schöne Fußbekleidung, und so verpasste er seinem Foxterrier Cartucho Stiefel aus Silberfolie. «Ich nahm das Papier aus Schokoladenverpackungen», erinnert sich der 1942 auf den Kanarischen Inseln geborene Designer, der im Rahmen der seit Sonntag laufenden Schuhmesse GDS in Düsseldorf zu Gast ist. Supermodels wie Linda Evangelista oder Kate Moss schwören auf seine filigranen Kreationen. Und Nadja Auermann kam extra seinetwegen nach Düsseldorf zu einer «Manolo»-Soirée - natürlich auf Blahnik-Absätzen.
«Manolos» nennen Insider die typischen High Heels mit dem eleganten Schwung fast schon zärtlich. Populär machte diesen Ausdruck die Serie «Sex And The City», in der die Hauptfigur Carrie feststellen muss, dass ihre «Manolo»-Sammlung in etwa dem Gegenwert einer Eigentumswohnung entspreche. In Amerika gelten diese Preziosen der Schuhbranche als Statussymbol. Kundinnen schwärmen von ihrer Leichtigkeit.
In der Tat scheinen die Schuhe zu schweben, wie man in einer anlässlich der Messe laufenden Ausstellung im Düsseldorfer NRW-Forum feststellen kann. Neben Prototypen aus Blahniks Werkstatt sind dort auch seine Zeichnungen zu sehen. Beides offenbart nicht nur den bis heute wirkenden Sexappeal der Entwürfe, sondern auch einen Hang zur Romantik - Tiermuster, Stickereien und kräftige Farben kehren immer wieder. Doch: «Ich kopiere mich nie selbst», sagt Blahnik im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. «Mich zu wiederholen, empfände ich als Nekrophilie.»
Freund von Andy WarholIn der Ausstellung sind auch frühe Skizzen von Andy Warhol zu sehen. Der Pop-Art-Künstler zeichnete Werbeplakate für einen amerikanischen Schuhhersteller - und war mit Blahnik eng befreundet. «Ende der Siebziger kam er immer auf seinem Spaziergang in meinen Laden», erzählt Blahnik. «Wie läuft das Geschäft», sei stets Warhols erste Frage gewesen. Und dann seien regelmäßig Ratschläge gekommen wie: «Du musst die Wandfarbe wechseln, der Laden sieht so langweilig aus.» Wie viele andere Designer auch bewegte sich Manolo Blahnik im Umfeld von Warhols legendärer «Factory» und wurde vom vor Ideen sprühenden Manhattan der siebziger Jahre geprägt.
Entdeckt hat ihn die damalige Chefin der US-Vogue Diana Vreeland. Blahnik war nach einem abgebrochenen Jura-Studium in der Schweiz und Kursen in Literatur und später Malerei auf Anraten seiner Freundin Paloma Picasso nach New York gekommen. Dort zeigte er Vreeland ein paar Bühnenentwürfe. Der Expertin fielen dabei vor allem die exzentrischen Schuhe in den Zeichnungen auf. Und so riet sie ihm, es «mit Schuhen zu versuchen».
«Hasse designte Männer»Längst ist der stets tadellos gekleidete und gepflegte Wahl-Londoner eine Berühmtheit. Er selbst hasse dieses Wort und den dazu gehörenden Medien-Hype: «Celebrity, das wird doch heute maschinell gefertigt.» Allerdings: Den Verkauf seiner Schuhe fördert der Prominentenstatus. Schuhmacher sind heute in den Rang von Modedesignern aufgestiegen. Damit spielt die Person hinter der Marke eine immer größere Rolle.
Das sieht auch Frank Hartmann von der Messe so. Mit der Einladung Blahniks zur 100. GDS sei Düsseldorf ein echter Coup gelungen. Auch im Schuhbereich richte sich laut Hartmann der Mainstream heute nach den bekannten Designern. Blahnik selbst würde dies wahrscheinlich nur für die Damenmode gelten lassen. «Ich hasse designte Männer in Designerschuhen.» (dpa)