netzeitung.deUmstrittene Abendmahl-Anzeige verboten

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Anzeige des Modehauses Girbaud (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Anzeige des Modehauses Girbaud
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das französische Modehaus Girbaud inszenierte seine Werbung als weibliche Version des Abendmahls. Das gefiel der katholischen Kirche gar nicht.

Am Wochenende wurde in Frankreich begonnen, eine umstrittene Anzeige des Modehauses Girbaud von den Werbeflächen zu entfernen. Die Anzeige basiert auf Leonardo da Vincis Fresko «Abendmahl» und zeigt zwölf weibliche Models, von denen eines offensichtlich Christus darstellt. Zwei andere umarmen einen barbrüstigen Mann in Jeans.

Die katholische Kirche Frankreichs hatte die Eigentümer des Modelabels, Marithe und Francois Girbaud, wegen Blasphemie verklagt. Am 10. März hatte Richter Jean-Claude Magendie der Kirche Recht gegeben.

Er entschied, dass die Anzeige die religiösen Gefühle vieler Katholiken zutiefst verletze, und wies die Girbauds an, innerhalb von drei Tagen die Anzeigen von den Reklamewänden im ganzen Land entfernen zu lassen. Andernfalls drohe ihnen eine tägliche Geldstrafe von 100.000 Euro.

Christus verkauft Socken
Der Anwalt der Kirche Thierry Massis sagte nach einem Bericht der Online-Ausgabe der Vogue: «Die Verunglimpfung heiliger Dinge ist eine moralische Gewalttat, die gefährlich für unsere Kinder ist. Morgen sehen wir dann vielleicht eine Anzeige, auf der Christus am Kreuz Socken verkauft.»

Die Girbauds hingegen erklärten, sie seien schockiert von dem Urteil. Es sei nicht ihre Absicht gewesen, irgend jemandes Gefühle zu verletzen. Sie argumentierten, dass das Gemälde Leonardo da Vincis, das die Anzeige zitiere, Teil des Weltkulturerbes sei.

Außerdem sei die Anzeige von dem Bestseller «Das Sakrileg» des Autors Dan Brown inspiriert gewesen. Laut einem Bericht des Internetdienstes Yahoo empfindet die Anzeigen- und Mode-Industrie Frankreichs das Gerichtsurteil als religiöse Zensur, die mit Frankreichs liberaler Tradition nicht vereinbar sei.(nz)