19. Jan 2005 07:58
Am kommenden Wochenende wird Berlin endlich zur Modemetropole. Der Boom mit gleich sieben Messen sorgt aber auch für Streit in der Branche - und wird wohl nicht von Dauer sein.
Wenn es nach Karl Lagerfeld geht, dann ist Berlin derzeit der wohl unhippste Ort für Mode und Modemacher überhaupt. Ungewöhnlich scharf äußerte sich der in Paris lebende Designer im Interview mit dem Fachblatt «Textilwirtschaft» über Berlin als Modemetropole: «Ich sehe da nichts. Ich höre nur noch Leute, die da weggehen, die sagen, da ist nichts los, da verliert man seine Zeit».Und das, wo Berlin an diesem Wochenende mit gleich sieben Modemessen endgültig zur deutschen Design-Hauptstadt werden will. Die Bread&Butter», die «Premium» und «Spirit of Fashion» gelten schon fast als etabliert. Neu hinzu kommen die «luxury trade show», die «EuroFashion Week», «Fame» und die «B in Berlin». Letztere, eine Veranstaltung der Berliner Messegesellschaft, macht der Düsseldorfer Modemesse CPD Konkurrenz.
Klar, dass das im Nordrhein-Westfalen nicht gern gehört wird. «Berlin greift das Rheinland an», titelte unlängst die «Rheinische Post».Auch von anderen Veranstaltern wird der Berlin-Boom auch nicht unbedingt positiv gesehen - zu viele Branchentreffs existieren mittlerweile zwischen Düsseldorf, Köln, München und Berlin. «Wir appellieren dringend an die Branche, sich im Interesse der Einzelhändler auf einen Ort zu konzentrieren», sagt auch Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer des Modeverbands Deutschland «german fashion», der Nachrichtenagentur AP.
In Berlin jedenfalls lockt diesmal ein großes Angebot. Bei der «Bread &Butter» (die erst kürzlich mit ihrer Abwanderung nach Barcelona im kommenden Jahr schockte) im ehemaligen Siemens-Kabelwerk in Spandau präsentieren sich gut 600 Labels. Auf der «milk&honey» gibt es dort zudem erstmals nur Damenkollektionen zu sehen. Die «Premium Exhibitions» (»Klasse statt Masse») zeigt Luxus-Labels am Leipziger Platz.
Am Pariser Platz debütiert die «luxury trade show», mit der die Französin Carole de Bona seit 2003 Erfolge in Paris gelandet hat. Unter den 25 Labels finden sich Jean Paul Gaultier und Strenesse. Zielgruppe sind Facheinkäufer der Edel-Boutiquen. Die Messe versteht sich als «Preview» für die neuen Kollektionen, die im Februar in London, Mailand und Paris vorgestellt werden. Typisches Berlin-Flair dürfte die «Sprit of Fashion» in Spandau verbreiten, mit mehr als 150 Ausstellern aus den Bereichen Gothic, Fetisch, Tattoo und Piercing.Selbst die Berliner Bezirke widmen sich der Mode. Die «Fame» präsentiert im Sony Center Hip-Hop- und Sportkleidung. Im Berliner «Arbeiterbezirk» Wedding präsentieren sich 27 junge Designer unter dem Titel «Wedding Dress #1», mit im Boot ist die renommierte Modeschule Esmod. Und die «EuroFashionWeek» am Prenzlauer Berg will europäische Nachwuchs-Designer präsentieren.