05.06.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Botschaft am Revers: Buttons sind wieder da
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Sie sind klein, rund und derzeit wieder schwer angesagt: Buttons machen den Retro-Look erst richtig perfekt. Wer besonders individuell sein will, designt selbst - im Netz zum Beispiel.
BERLIN. Lang ist's es her, doch wer kann sich nicht mehr erinnern an die kleinen, bunten Anstecknadeln mit allen möglichen und vor allem unmöglichen Motiven? Genannt wurden sie Pins, Buttons, Badges oder sogar Gesinnungssticker, und ob man nun für oder gegen Atomkraft war, Franz-Josef Strauß toll fand oder auch nicht so toll, die Sex Pistols hörte oder doch lieber Boy George mit Buttons ließ sich der ganzen Welt prima mitteilen, was man zu sagen hatte und vielleicht auch, wer man war - oder gerne wäre.
Jahrelang waren sie verschwunden. Doch in diesem Sommer reift der Kult um die Blechteile wieder zu voller Blüte. Die britische Modezeitung «The Face» beschenkte ihre Abonnenten bereits vor einigen Monaten damit. Modedesigner wie Comme des Garçon gestalten ganzseitige Anzeigen mit den schrägen Buttons und staffieren ihre T-Shirts gleich im Kilomaßstab damit aus. Und Musikvideos, hippe Szeneboutiquen oder Party-Flyer scheinen derzeit gar nicht mehr ohne auszukommen, denn Buttons nicht nur äußerst kommunikativ, sondern auch sehr dekorativ.
Suche nach IndividualitätWer cool ist, kann auf die Anstecker nicht mehr verzichten, glaubt Maren Scheffert, die den Modeladen Soma Clothing in Berlin-Mitte betreibt. Seit zwei Wochen hat sie diverse Sticker im Programm, und die gehen weg wie warme Semmeln: Das Revival hängt sicher damit zusammen, dass Punkrock und die Achziger Jahre derzeit in der Modewelt wieder so derart hip sind. Dahinter steckt vielleicht auch eine Sehnsucht nach einer Zeit, in der man noch keine Designerkleider brauchte, um
Individualität zu demonstrieren.
Die heißen Teile hat Soma direkt aus London importiert, von den Flohmärkten und den Shops rund um die Highstreet Kensington. Darunter sind viele Originale der Siebziger und Achtziger, etliche ziemlich zerkratzt. Aber das macht die Buttons um so hipper. Die Sex Pistols, Elvis und Madonna laufen derzeit am besten, sagt Scheffer. Anti-Atomkraft-Modelle und No-Future-Buttons seien weniger gefragt, eher schon knallbunte Teile mit Britpop-Motiven und so nebulösen Botschaften wie I'll never tell oder ganz direkten Mitteilungen wie I'm great in bed.
Sammlerexemplare ab 90 MarkDer wahre Kenner macht gleich einen Hamsterkauf, denn unter zehn Stück läuft eigentlich nichts. Wer sich richtig auf die Suche begibt, findet dafür auch eine
mehr als reichlich Auswahl. Denn nicht nur in kleinen Szene-Läden kann der Sammler fündig werden, sondern auch in Second-Hand-Läden oder auf Flohmärkten mit «Textil»-Abteilung. Das Angebot ist riesig und die Preise liegen meist zwischen fünf und zehn Markt pro Stück, je nachdem, wie knallig das Motiv und wie gut erhalten der Button ist. Nur ganz ausgefallene Exemplare schlagen mit mehr zu Buche. Ein Badge mit dem 'Closer'-Cover von Joy Divison etwa bringt es unter Fans und Sammlern auch schon mal auf gut 90 Mark, weiß Scheffer.
Vom Internet auf die HautWer es ganz besonders individuell möchte, der wird auch im Internet fündig: Hier kann man sich seine
Buttons selbst kreieren. Zum Beispiel mit Nicolinas Button-Maschine. Daneben finden sich nicht minder trendige aufnähbare Stoff-Sticker bis hin zu drolligen Pokemonstickern. Anwärter auf den Titel des allerletzte Schreis sind allerdings Sticker-Tattoos, die mit asiatischen Zeichen oder Sternzeichen-Logos daherkommen, und die man sich mit Hilfe einer Schablone auf den Arm malen kann.
Wem das aber alles zu anstrengend ist, der kauft sich einfach T-Shirts mit fertig aufgemalten Buttons. Die haben zumindest den Vorteil, dass sie weder stechen noch rosten oder abfallen können. Oder man lässt die Buttons einfach ganz weg, und trägt stattdessen Sicherheitsnadeln - trendtechnisch ist das in dieser Saison ganz sicher auch nicht verkehrt.