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'Verstümmelt!' Die Antwerpener Ausstellung denkt übers Körperbewußtsein nach (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Verstümmelt!' Die Antwerpener Ausstellung denkt übers Körperbewußtsein nach
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Van Noten, Martin Margiela, Walter van Beirendonck. Antwerpen ist längst Modehauptstadt, und das wird in «Mode 2001 - Landed» auch gebührend gefeiert.

BERLIN. Am Anfang wurden sie alle für verrückt erklärt. Statt nach dem Studium an der Antwerpener Königlichen Akademie der Künste umgehend in die Modemetropolen Paris oder Mailand abzuwandern, blieben die jungen Designer in ihrer Heimatstadt. Mit avantgardistischen Entwürfen eroberten Walter van Beirendonck, Martin Margiela, Ann Demeulemeester
oder Dries van Noten Anfang der Neunziger Jahre
von Belgien aus die internationalen Laufstege.

Inzwischen ist eine neue Generation herangewachsen,

doch noch immer gilt Antwerpen als Talentschmiede für Nachwuchstalente wie Bernhard Wilhelm oder Dirk Schönberger, die beide aus Deutschland stammen. Das soll nun gebührend gefeiert werden. Vom 26. April an wird sich die ganze Stadt als europäisches Modezentrum allerersten Ranges präsentieren. «Mode 2001 Landed – Geland» heißt die Marathon-Veranstaltung, künstlerischer Leiter ist der 44-jährige Modemacher van Beirendonck.
Tribut an Coco Chanel
Der hat mit seinem schon legendären Veränderungswillen denn auch prompt die ganze Stadt in ein Farbenmeer verwandelt. Plakate, Häuserwände, Blumenbeete – kaum etwas entging seinem Gestaltungswillen. Darüber hinaus gibt es vier Ausstellungen, werden Shows und Filme in Museen, am Hafen, und sogar in einem Schloss gezeigt. Weibliche Rebellion, modische Dekonstruktion, East meets West: Neben Coco
Chanel feiert die Schau «2Women» auch die japanische Modeschöpferin Rei Kawakubo.

Daneben provozieren meterhohe Fotowände unter freiem Himmel als «Radicals», wird eigens ein neues Avantgarde-Magazin gegründet, das Designern zweimal jährlich ein Forum bieten soll – und auf diese Weise ganz nebenbei wohl auch zum Sammlerstück werden dürfte. Die erste Ausgabe «n° A» wird vom belgischen Modemacher Dirk Van Saene gestaltet. Auch sonst kommen viele, auch internationale Designer zu Wort.

Schmerz und Emotionen
In der Schau «Emotions» etwa geht es um die Gefühle, Erfahrungen und Konflikte, die Modeschöpfer zu ihren Kreationen bewegen. Angesiedelt in einem ehemaligen Polizeigebäude erzählen Designer wie der Brite Paul Smith in kurzen Videostatements ihre ganz persönlichen Motivationen. Zitat Paul Smith: «Meine wohl intensivste Erfahrung war mein erster eigener Shop. Ich erinnere mich daran, wie ich das erste Mal die Tür aufschloss und mir die
Tränen über das Gesicht liefen.»

Absoluter Höhepunkt von «Mode 2001 Landed» jedoch dürfte die Ausstellung «Mutilate? – Verstümmelt?» sein. Mit großer Genauigkeit haben die Kuratoren «extreme, bizarre, verrückte und einzigartige Formen von Mode, Körperschmuck und – manipulation» zusammengetragen. Krinolinen und Korsetts, Piercing und Body-Painting oder der Körperschmuck der afrikanischen Nubier – die Liste der freiwilligen Deformationen ist lang. Und beweist nur, wie verschieden die Auffassungen von Mode, Schönheit, aber auch von Schmerz sein können.


Für das Web ediert von Kerstin Rottmann