Designer lädt zur Autogrammstunde: 

netzeitung.de«Pierre Cardin – lebt der noch?»

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Pierre Cardin (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Pierre Cardin
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Er findet Angela Merkel schick und arbeitet auch mit 86 Jahren noch jeden Tag. Andreas Kurtz hat den erfolgreichen französischen Modeschöpfer Pierre Cardin in Berlin getroffen.

Der Mann ist eine elegante Erscheinung und hat so gar nichts Geckenhaftes, mit dem viele seiner berühmten Modedesignerkollegen daherkommen: Pierre Cardin, einer der wichtigsten und geschäftstüchtigsten Modeschöpfer und Designer der Welt, muss sich und anderen schon lange nichts mehr beweisen. Zum Gespräch gestern im Adlon, zu dem er vor seiner Autogrammstunde bei Peek & Cloppenburg am Tauentzien empfing, trägt er Blazer. Während seiner manchmal ausufernden Antworten überprüft er durch eine Brille die Wirkung der Worte auf sein Gegenüber. Cardin ist 86 Jahre alt und geht noch jeden Tag ins Büro, um sein Imperium zu leiten. «Das ist meine Droge.»

«Man kann meine Waren kaufen, aber nicht mich!»
Nachdem ein berühmter Couturier nach dem anderen – teils aus schierer Not – seine Firmen verkaufte und nur noch Angestellter ist, kann er als Letzter der Mohikaner sagen: «Man kann meine Waren kaufen, aber nicht mich!» Cardin, zu dessen Kunden Jackie Kennedy und die Beatles gehörten, gilt als Weltmeister im Verkauf von Lizenzen. 800 Firmen weltweit stellen unter seinem Namen Mode, Uhren, Porzellan, Möbel, Wäsche und Schokolade her. Dem Meister selbst gehören ein Weinhandel und eine Wasserquelle sowie 18 Restaurants, darunter das legendäre Maxim’s in Paris. Vor sieben Jahren hat er das Schloss des Marquis de Sade im südfranzösischen Lacoste gekauft: «Das war damals ein Steinhaufen.» Heute gibt es dort Theateraufführungen und Cardin ordnet das Schloss selbstbewusst ein: «Das ist wie Wagners Bayreuth. Bloß größer.» Sein Lebenswerk betrachtet er voller Stolz: «Ich habe fast alles erreicht und gemacht.»
Merkel «macht sich nicht lächerlich»
Den Stil von Bundeskanzlerin Angela Merkel lobt Pierre Cardin: «Sie ist sichtbar inmitten von Männern. Und behält dabei ihren Charakter.» Wie jede Frau, die im Arbeitsleben steht, trage sie Kostüme, weil sie den Job ja schlecht im Cocktailkleid machen könne. «Sie macht sich nicht lächerlich, ist immer sehr klar und schick gekleidet.»

Angesichts seines fortgeschrittenen Alters hat sich Cardin schon Gedanken über seine Nachfolge an der Firmenspitze gemacht: «Ich habe Leute ausgebildet, denen ich vertraue. Ich habe mir Nachfolger geschaffen.» Konkreter mag er an dieser Stelle nicht werden.

Angesichts der Unendlichkeit der Welt macht Pierre Cardin sich im Übrigen keine Illusionen über seine Wirkung über den Tod hinaus: «Ich habe Entwürfe gemacht, die überdauern werden.» Man werde sich seiner allerdings wohl nur 10 bis 15 Jahre erinnern. «Die Kinder von heute fragen ja schon: Pierre Cardin – lebt der noch? Oma hat doch schon Sachen von ihm getragen...»

Mit freundlicher Genehmigung aus der «Berliner Zeitung».