Haute Couture Herbst/Winter 08/09:
Vogelmädchen und Bruni-Klone
02. Jul 2008 12:02
 |  Futuristische Kreation von Chanel | Foto: AP |
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Während der aktuellen Modenschauen in Paris läuft die Haute Couture der Prêt-à-Porter den Rang ab. Sowohl Chanel als auch Dior und Armani begeisterten mit Finesse und Einfallsreichtum.
Zu einem Triumph der sogenannten «Hohen Schneiderkunst» sind die Pariser Couture-Schauen von Dior, Chanel und Armani für Herbst/Winter 2008/2009 geraten. Auf den Laufstegen zeigte sich die ganze Finesse und Grazie dieses aufwendigen Handwerks, fast als wollten die Schauen dessen Daseinsberechtigung gegenüber dem gängigeren Prêt-à-Porter beweisen.
Karl Lagerfelds Entwürfe für Chanel hatten es allerdings am Dienstag nicht leicht, denn die Pariser Hitze trieb - durch die Schweinwerfer noch verstärkt - vielen Gästen in den hellen Räumen des Grand Palais den Schweiß auf die Stirn und die Konzentration aus dem Hirn. Dennoch schafften es die vielen Röcke und Kleider (es gab keine Hosen) zu beeindrucken. Aufwendige Perlenstickereien waren da zu sehen, feine Knopfreihen im Rücken, zu Röhren drapierte Stofflagen oder auch Feder- und Pelzbesätze. Das leicht gerundete Volumen der Röcke und aufgesetzte Metallstäbchen und Bänder erzeugten zuweilen den Eindruck eines Vogelgefieders. Die Farbpalette war eher dezent mit vielen Grautönen und Schwarz, doch dann auch mit roséfarbenem Taft für den Abend. Grandios wirkte der Auftritt der Braut am Schluss mit einem voluminösen Tüllkopfputz und -schleier über einem schmal dahinfließenden Silberkleid.
Gallianos Hommage an Carla Bruni-Sarkozy
Dior-Designer John Galliano nutzte geschickt die Publicity, die ihm seine Entwürfe für Frankreichs First Lady Carla Bruni-Sarkozy eingebracht haben. Seine Schau am Montag wirkte wie eine Hommage an das frühere Topmodel. Und auch wenn Bruni selbst nicht im Publikum saß, so schienen doch eine Art Klone der gebürtigen Italienerin über den Laufsteg zu schreiten. Die perfekt geschminkten Models trugen deren katzenhafte Schönheit und unaufgeregte Eleganz zur Schau, und präsentierten dabei so atemberaubende Entwürfe, dass Bruni sich auch in Zukunft glücklich schätzen kann, Dior als «Hofschneider» gewählt zu haben.
Galliano hatte sich von der grafischen Klarheit der Fotos Irving Penns aus den 50er Jahren inspirieren lassen, und setzte diese in exakte Schnitte um. Die Figur wird passgenau geformt, subtil, sexy und niemals vulgär. Christian Diors legendärer «New Look» bekommt dank zarter transparenter Stoffe eine sanfte Leichtigkeit - etwa bei einer eng taillierten Echsenlederjacke zum weiten halb durchsichtigen Chiffonrock. Ein schmales schwarzes Kostüm wird durch scharfe Kurven auf den Schößen schicker, Cocktailkleider in sanften Pastelltönen umspielen die Silhouette. Abends gibt es Corsagenkleider mit hochschwingenden Schößen - auch hier wird nichts dem Zufall überlassen und wirkt dennoch selbstverständlich.
30er Jahre-Nostalgie bei Armani
Giorgio Armani hat sich offenkundig auf seine Ursprünge besonnen. Er zeigte am Montagabend eine konsequente, schön gearbeitete Kollektion, die, statt sich an Trends anzubiedern, die Stärken des italienischen Altmeisters nutzte. Schwarz-Weiß-Kontraste, das Spiel maskuliner und femininer Elemente, sanft schimmernde Grau- und Beigetöne und ein Touch 30er Jahre-Nostalgie prägen die Entwürfe. Seine nach unten schmaler werdenden Hosen mit hohem Bund zu lockeren weichen Jacken mit sanften Wellen oder Schleifen am Revers, das sind Stücke, die Armanis Kundinnen lieben werden. Selbst kostbare Pelzmäntel wirken lässig und leicht. Abends gibt es den großen Auftritt mit tiefen Rückendekolletés und einem Kleid aus silbrigen Fäden, einer Meerjungfrau würdig. (Stefanie Schütte, dpa)