Couch-Hüpfen, Scientology und ein umstrittenes Filmprojekt: Tom Cruise hat drei seltsame Jahre hinter sich. Nun sei es an der Zeit, das kaputte Image zu retten, mahnen PR-Experten. Wo könnte er das besser als dort, wo seine Misere begann?
Dank Tom Cruises Couch-Hüpfer in der «Oprah Winfrey Show» vor drei Jahren ist das Verb «to jump the couch» mittlerweile fester Bestandteil englischer Wörterbücher. Der übertriebene Sprung, mit dem Cruise seine Verliebtheit zu Katie Holmes (damals Freundin, heute Gattin) ausdrücken wollte, erntete in den Medien nichts als Spott und wurde in zahlreichen Parodien aufgegriffen. Seit dem legendären Auftritt mutierte der Schauspieler in der öffentlichen Wahrnehmung langsam aber sicher vom Weltstar zu Witzfigur. Zum 25. Jubiläum seines Durchbruch-Films «Risky Business» wird Cruise nun erneut bei «Oprah» zu Gast sein. Aber schön der Reihe nach.
Schon beim Heiratsantrag für Katie Holmes auf dem Eiffellturm rümpften viele die Nase. Welcher Schauspieler würde sein privates Glück vor einer Schar von Paparazzi demonstrieren? Da musste doch was faul sein, unkte der internationale Boulevard. Kurze Zeit später machte der überzeugte Scientologe sich mit seinen negativen Aussagen über psychiatrische Behandlung und Anti-Depressiva unbeliebt. Ein öffentlicher Angriff auf Schauspielkollegin Brooke Shields, die eine Schwangerschafts-Depressionen mit Hilfe von Psychopharmaka überwunden hatte, folgte. Cruise entschuldigte sich zwar bei Shields, doch der schale Nachgeschmack blieb.
Die nach den Gesetzen von Scientology vollzogene «stille Geburt» von Tochter Suri im April 2006 machte es jedoch auch nicht besser. Es folgten die Dreharbeiten zu seinem umstrittenen «Walküre»-Film über den Hitler-Attentäter Stauffenberg, der Diskussionen entfachte. Und, um das Kuriositäten-Fässchen endgültig zum Überlaufen zu bringen, eine unauthorisierte Cruise-Biografie, die noch mehr schmutzige Details über den einstigen Saubermann als Licht brachte. Wer steckt hinter dieser aalglatten Maske, wer ist dieser Tom Cruise wirklich, fragten sich viele. Zeit für Cruises PR-Berater die Notbremse zu ziehen. Bevor der Hollywood-Stern völlig verglüht, ist es nun an der Zeit für eine grundlegende Image-Reparatur.
Zurück an den Tatort
Ob es Cruise noch gelingt, seinen Ruf zu retten? Die Entscheidung in Winfreys Show aufzutreten, beurteilen PR-Experten jedenfalls als clever. «Wieder zu 'Oprah' zu gehen, zurück an den Tatort, ist ein brillianter Einfall», sagt PR-Fachmann Howard Bragman, der vom cruise'schen Comeback überzeugt ist. «Die Amerikaner lieben es, wenn Leute über sich selbst lachen können.» Das Publikum liebe es, Schauspieler erst zu großen Stars zu machen und sie dann genüsslich fallen zu lassen, so Bragman. Das sei auch bei John Travolta geschehen, bevor Quentin Tarantino ihm mit der Titelrolle in «Pulp Fiction» zum Comeback verholfen habe. PR-Experte Ronn Torossia beurteilt den Fall-Cruise ähnlich und fügt hinzu: «Die Leute reden über Tom Cruise wie sie es über Michael Jackson oder Mike Tyson tun.» Cruise müsse sich nun sehr anstrengen, um die Peinlichkeiten der Vergangenheit auszubügeln, die sich «den Menschen ins Gedächtnis gebrannt» hätten. Ein einziger TV-Auftritt reiche da nicht aus.
Cher: «Ich war verrückt nach Tom»
Cher liefert den 'Gegenbeweis'
Foto: AP
Und noch jemand hat sich zu Wort gemeldet, und das ebenfalls in Oprah Winfreys Talkshow. Sängerin Cher tat dort ihr Bestes, um den «Gegenbeweis» zu der alt bekannten Theorie um Cruises angebliche Homosexualität zu liefern: Sie habe vor 25 Jahren eine kurze Liaison mit Cruise gehabt, so Cher, die seinerzeit 36 und bereits ein großer Star war, während der 20-jährige Cruise sich auf dem Sprung zum Erfolg befand. Sie sei damals «verrrückt nach ihm» gewesen, sagte Cher der Moderatorin. Trotz des Altersunterschiedes hätten Cruise und sie die Chance auf eine ernsthafte Beziehung gehabt, so glaubt zumindest Cher, hätte der Jobstress sie nicht irgendwann entzweit. (nz)