Akademikerin meets Porno-Rapperin: Lady Bitch Ray liebt die Gegensätze. Zur Premiere von «Chiko» inszenierte sich die Deutsch-Türkin, die auch schauspielert, wieder besonders grell. Mit Video.
Viel Applaus bekam der von Fatih Akin produzierte Gangsterfilm «Chiko» am Mittwoch bei seiner Premiere in Hamburg Premiere. Den größten Beifall des Publikums ernteten die Hauptdarsteller Denis Moschitto und Moritz Bleibtreu, für den größten Wind allerdings sorgte eine, die nur eine kleine Rolle hat: die 27-jährige Reyhan Sahin, die in dem Film eine Prostituierte spielt. Sahin, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen «Lady Bitch Ray», führte auf dem Laufsteg ihre auch als «Pussy Style» bekannte eigene Mode vor: ein schwarzes Korsagen-Kleid mit dem Titel «Queen Klitoris», dass die Darstellerin bereitwillig lüftete, um ihre Strapsen zu zeigen, dazu ein rosa Braut-Schleier auf dem Kopf. Die Fotografen und die lokale Boulevardpresse waren natürlich begeistert.
Sahin, die sich mit Sprüchen wie «Ich habe viel Wut in meiner Möse» als türkische Gangsta-Rapperin inszeniert, fasziniert aber auch die deutschen Feuilletonisten: «Spiegel», «Zeit» und «taz» widmeten der vor der Promotion stehenden Germanistin, die in Bremen auch Seminare gibt, bereits große Features - die jedoch alle eine gewisse Ratlosigkeit atmeteten. So richtig gutheißen wollten die Redakteure ihre feministisch verbrämte, verbale Schock-Sex-Therapie nämlich nicht.
Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray
Foto: dpa
Die bekanntlich nicht gerade prüde «taz» aus Berlin etwa betonte, dass sie das Gespräch mit Sahin habe zensieren müssen, und zahlreiche «Vaginas», «Fotzen» und ähnliche Kraftausdrücke entfernt habe. Auch für einen Plattenvertrag bei einem großen Label reichte es bisher noch nicht. Also veröffentlicht die Künstlerin ihr nächstes Album wieder auf ihrem eigenen Label «Vagina Style Records». Noch sind ihre Songs also vor allem in Internet und auf ihrer (an Beschimpfungen reichen) Myspace-Seite zu finden. Bei ihrem ersten Schauspielauftritt in «Chiko» überzeugte Sahin übrigens durchaus. Schade nur, dass das wohl die wenigsten merken werden.(nz)