Prinz Harrys Rückkehr aus Afghanistan:
Heldenmut oder Kriegspropaganda?
02.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die zahlreichen Presseberichte von «Harry, unserem Helden» wies der dritte in der britischen Thronfolge jedoch nach seiner Rückkehr zurück. «Ich würde sagen, dass ich überhaupt kein Held bin», bekundete er. Zwar würde er am liebsten «sehr, sehr bald» wieder an die Front zurück. Doch der Unterleutnant vom Gardekavallerieregiment «Blues and Royals» wird nun wohl erstmal eine Kampf-Pause einlegen. Trotz Frust will er nicht aus der Armee austreten.
Die Armee kann sich derweil über gute PR freuen. «Ich denke, das ist gut für ihn, ich denke, das ist gut für das Königshaus und mit Sicherheit ist es gut für die Armee», sagte Generalstabschef Sir Richard Dannatt. «Es ist gut, der Nation zu zeigen, dass hochrangige Leute das Risiko genauso tragen wie die 7800 Soldaten in Afghanistan und die 3500, die wir im Irak haben.» PR kann auch die britische Regierung gut gebrauchen. Denn der Einsatz der Briten in Afghanistan gilt seit langem als Problem und Berater warnen regelmäßig davor, dass das Land am Hindukusch am Rande des Abgrunds steht.
Doch die Bilder von einem Prinzen, der sich unter die «normalen» Soldaten mischt, mit ihnen sein Essen aus der Dose löffelt und mit einem Motorrad durch die karge Landschaft Afghanistans braust, verharmlosen den bitteren Kampf gegen die Taliban auch. «Die Rolle des Prinzen ist ein Nebenschauplatz in einem Konflikt mit finsterer Zukunft. Glorifizierende Bilder eines kriegerischen Prinzen können die Fragen danach nicht beantworten», schreibt der «Guardian». «Die Armee benutzt Harrys Tour, um die Mission in Afghanistan populärer zu machen - aber die Geschichte des Prinzen lenkt von den Problemen vor Ort ab. Der Prinz soll den Krieg nun legitimieren.»
Das ist für Harry nun Vergangenheit. Am Wochenende war er wieder mit altbekannten Dingen konfrontiert: Die Sonntagsklatschblätter stürzten sich - kaum war Harry gelandet - auf das angeblich innige Wiedersehen mit seiner Freundin Chelsy. «Es ist schön, weit weg von all der Presse und den Zeitungen zu sein und all dem Müll, den sie schreiben», hatte der Rotschopf noch vor seinem Abzug in Afghanistan gesagt.
Was ihn zu dem - für einen Enkel der britischen Königin Elizabeth bemerkenswerten - Kommentar verleitete: «Ich will nicht in Windsor rumsitzen. Ich mag England allgemein nicht so gerne.» Am Ende konnte er sich jedoch wieder für sein Land erwärmen: «Ich freue mich schon auf eine Badewanne», sagte er nach seiner Ankunft. (Annette Reuther, dpa)

