29. Feb 2008 11:12
Drei bis vier Monate sollte Prinz Harrys geheimer Kampfeinsatz in Afghanistan ursprünglich dauern. Doch die Nachricht ist durchgesickert. Nach nur zehn Woche ist der Queen-Enkel nun zurückbeordert worden.
Grund sind Berichte, die trotz Nachrichtensperre an die Öffentlichkeit drangen. Journalisten wussten seit Dezember, dass der 23-Jährige in Afghanistan im Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban an der Front steht. Doch erstaunlicherweise hielten selbst die sonst so offensiven britischen Klatschblätter dicht. Buhmänner sind nun die ausländischen Medien, die dem Prinzen die Tour «vermasselt» hätten, wie die Zeitung «Sun» schreibt. Der Drudge Report, eine US-Webseite die durch die Affäre um den früheren US- Präsidenten Bill Clinton und seiner Praktikantin Monica Lewinsky bekannt wurde, brachte die brandheiße Nachricht. Dem Londoner Verteidigungsministerium blieb darauf am Donnerstag nichts anderes übrig, als die Information zu bestätigen. Zwar war sich auch Harry der Gefahr schon früh bewusst: «Jeder einzelne, der sie (die Terroristen) unterstützt, wird versuchen, mich auszulöschen», gestand er ein. Doch enthusiastisch erzählte er, wie «glücklich» er gewesen sei, «mit den Jungs» an der Front zu kämpfen. Er, sonst verrufen als der Party-Prinz, sei besonders froh, ein Leben fernab der Paparazzi zu leben. «Ich bin hier draußen, habe seit vier Tage nicht richtig geduscht, habe meine Kleidung seit einer Woche nicht gewaschen und trotzdem erscheint das alles normal. Ich glaube, das hier ist so normal, wie ich jemals sein werde.»
Drei bis vier Monate hätte diese «Normalität» ursprünglich dauern sollen. Der Kampfeinsatz von Mitgliedern des Königshauses ist nicht ungewöhnlich. So kämpfte schon Prinz Andrew, der Bruder von Thronfolger Charles, im Falklandkrieg. Prinz Philip, der Ehemann von Königin Elizabeth, hatte im Zweiten Weltkrieg gedient.
Landauf landab, vom Premierminister Gordon Brown bis zur Armeeführung, wurde der Einsatz des Prinzen gelobt. Von «Harry, dem Held», seiner Tapferkeit und seinem Mut war die Rede. Kommentatoren werteten den Kampf als «Anschub für die Moral» der Truppen in Afghanistan. Schließlich befindet sich Großbritannien seit 2001 in Afghanistan in einem bitteren Kampf gegen die Taliban. Fast 90 Soldaten kamen bei Gefechten und Anschlägen ums Leben. Und seit Monaten dringen die Briten auf eine Beteiligung anderer Länder - unter anderem Deutschlands - im gefährlichen Süden des Landes. Die Bilder eines begeisterten Kriegs-Prinzen, der ausschweifend von seinen Abenteuern erzählt, werfen zumindest die Frage auf, inwieweit der Einsatz politische Ziele erfüllen sollte. Skeptiker sehen zudem die Rolle der Medien kritisch. Der unabhängige Abgeordnete und vehemente Kriegsgegner George Galloway monierte, dass sich die britischen Medien, insbesondere die staatliche BBC, für einen Krieg instrumentalisieren ließen. «Ich zahle für die BBC und ich finde die Vorstellung nicht gut, dass die britischen Medien Teil der Kriegsbemühungen sind», sagte er.
Für Harry steht jetzt die Heimreise an. Und so schnell wird er wohl nicht zurückkehren: «Afghanistan ist ein entlegener Ort, ich war vorher noch nie da, und es ist ja offensichtlich keine großartige Ferienanlage», hatte er noch zuvor gesagt. (Annette Reuther, dpa)