01. Feb 2008 12:34
Millionen TV-Zuschauer verfolgen gern, wie die «Superstar»-Jury austeilt.
fragte bei RTL nach, ob der Sender die Kandidaten nicht vor sich selber schützen müsste.
Es ist schon ein Ritual: Zum Auftakt der neuen «Deutschland sucht den Superstar»-Staffel darf die Jury rund um Dieter Bohlen auch einige nicht so begabte Gesangstalente so richtig abwatschen.Allein sieben Folgen lang zeigt der Privatsender RTL diesmal die laut Pressetext «Highlights» der Castings, bei denen sich diesmal fast 30.000 Menschen beworben hatten. Derzeit sind aber, so könnte man nach der Sendung vom Mittwoch meinen, bevorzugt talentlose oder fast schon lächerliche Gestalten zu sehen. Gerne werden deren Auftritte vom Sender auch mal in digitaler Manier verfremdet, um die TV-Zuschauer zum Lachen zu bringen. Andere Kandidaten wiederum werden vor und nach ihrem Auftritt von der Kamera beobachtet, wo sich so manche Peinlichkeit ergibt. So etwa in der Sendung vom vergangenen Mittwoch, als sich eine junge Frau namens Sigrid W. als eine Art Wiedergeburt von Madonna fühlte und zudem mit einem Zeugnis über ihre Gesangsausbildung auflief.
Durchgefallen...
Als sie von der Jury nach ihrer wenig inspirierten Version von Madonnas Hit «La Isla Bonita» ein neues Zeugnis mit lauter Sechsen überreicht bekam, reagierte sie aufgebracht und witterte gar eine Verschwörung. Ein Auftritt mit Folgen: Im Internet wird der Auftritt der teilweise verwirrt wirkenden jungen Frau in diversen Video-Clips dokumentiert, dazu ergießt sich auf einigen Websites kräftige Häme über Sigrid W.Ein anderer Kandidat, ein junger Mann namens Dominik, wurde nach seinem erfolglosen Vorsingen im Rahmen eines heftigen Wortgefechts von Juror Dieter Bohlen so beschimpft: «Du wirst Dein ganzes Leben lang ein scheiß-erfolgloser Friseur bleiben.» Später zeigte der Sender noch in offenbar scherzhafter Absicht, wie sich der 22-Jährige bei TV-Seelsorger Jürgen Domian ausweinte.
Der Deutsche Kulturrat warf dem Sender am gestrigen Donnerstag denn auch vor, bei «Deutschland sucht den Superstar» die Kandidaten absichtlich ins offene Messer laufen zu lassen. Der Sender produziere «billiges Entertainment auf Kosten junger Menschen», so Geschäftsführer Olaf Zimmermann. RTL wolle offenbar keinen echten Talentwettbwerb, sondern die Teilnehmer in der Öffentlichkeit bloßstellen. Tatsächlich ist es so, dass alle DSDS-Kandidaten noch in einem extra Vorcasting getestet wurden, bevor sie der Jury vor laufender Kamera vorsingen durften.Für die Show seien daher offensichtlich vollständig unbegabte Menschen ausgewählt worden, um zur Belustigung der Fernsehzuschauer vorgeführt zu werden, schlussfolgerte der Spitzenverband der Bundeskulturverbände und forderte RTL zu einem Mindestmaß an Anstand auf. Auf Nachfrage der Netzeitung wollte Sprecherin Anke Eickmeyer eine solche Verantwortung gegenüber den Kandidaten aber nur bedingt sehen.