04.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Nena mit Schülern der Neuen Schule Hamburg
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Kuschelecke statt Klassenzimmer: Die von Sängerin Nena gegründete Schule in Hamburg gibt sich strikt antiautoritär. Das sorgte schnell für Probleme.
Eine alte Villa im Hamburger Stadtteil Rahlstedt beherbergt die von Sängerin Nena gegründete «Neue Schule Hamburg». Der Name ist Programm: Klassenzimmer gibt es hier nicht, stattdessen Kuschelecken und kleine Räume zum Lernen, in denen neben Tischen und Stühlen auch ein großes Samtsofa steht. Zum Start ins neue Schuljahr stellte die Initiatorin das Konzept, das sich nach dem US-Vorbild der «Sudbury Valley School» richtet, nun der Presse vor Ort vor. Dabei musste die Sängerin auch Startschwierigkeiten einräumen. «Es gibt Eltern, die nervös werden, auf die Uhr gucken und Ergebnisse wollen», sagte die 47-Jährige, deren vier Kinder ebenfalls die Reformschule besuchen. Und weiter: «Das ist nicht für jeden auszuhalten, was wir hier machen», fügte sie hinzu.
Vier Kinder seien bereits wieder von der Schule genommen worden, weil die Eltern nicht mit der Arbeit einverstanden gewesen seien, sagte Nena. Eine Mutter habe sogar einen anonymen Brief an die Schulbehörde geschickt und die Einrichtung schwer angeklagt. Die meisten Eltern würden aber weiter an das Konzept glauben.
Noten nur nach WunschUnd das sieht so aus: An der «Neuen Schule» gibt es keinen Klassenverband und keine 45-Minuten-Einheiten. Besucht wird die Einrichtung in der Kernzeit von neun bis 16 Uhr, Noten gibt es nur nach Wunsch. Jeder Schüler entscheidet selbst, wann, was und wie er lernen will - danach müssen sich die Lehrer richten. Die Schule ist bislang nicht als Ersatzschule anerkannt, was heißt, dass die Schüler ihre Abschlussprüfung an anderen Schulen ablegen müssen. Derzeit sind 83 Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren eingeschrieben. «Diese Schule ist für die Eltern eine größere Herausforderung als für die Kinder», sagte die Gründerin.
Sie müssten lernen, ihren Kindern zu vertrauen. Nena betonte, dass das Konzept funktioniere: «Es gibt Schüler, die abends nicht nach Hause wollen.» Einige Kinder lernten aus eigener Initiative Spanisch, Englisch oder Chinesisch. Die Älteren bereiteten sich auf die Prüfungen für die Mittlere Reife vor. Die Gemeinschaft sei noch dabei, Regeln für das Zusammenleben aufzustellen - da gebe es natürlich viele Diskussionen, so die Sängerin. «Es geht bei uns auch um das soziale Lernen», ergänzt Philipp Palm, Schulleiter und der Lebensgefährte von Nena. «Es gilt das Demokratie- Prinzip. Alle Regeln werden in der Schulversammlung gemeinsam beschlossen», sagt er. Ein Mal im Jahr stimmen dann die Kinder ab, ob die Lehrer an der Schule bleiben dürfen. Bei Konflikten stellen sie einen Antrag auf ein Gespräch im Lösungskomitee. «Das tagt zur Zeit ziemlich oft. Wir sind kein Heile-Welt-Laden. Wir sind noch hauptsächlich damit beschäftigt, Regeln aufzustellen und uns als Gruppe zu finden. Es ist ein absoluter Prozess», erklärt Nena. (nz)