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Steinmeier und Kouchner nehmen Song auf

12. Nov 2007 17:40
Kouchner, Steinmeier und Muhabbet im Studio in Berlin (v.l.n.r)
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Wie klingt es, wenn zwei Außenminister sich musikalisch für Migranten stark machen? Der deutsch-türkische Sänger Muhabbet hat Frank-Walter Steinmeier und Bernard Kouchner ins Tonstudio gebeten.

Erstmals in den wechselvollen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich haben die Außenminister beider Länder gemeinsam gesungen: Vor dem Hintergrund der Integrationsprobleme in beiden Ländern nahmen Frank-Walter Steinmeier und sein Pariser Kollege Bernard Kouchner am Montag mit dem deutsch-türkischen Musiker Muhabbet einen Song auf. Das Stück mit dem Titel «Deutschland» soll unter anderem ausdrücken, dass Migrantenkinder in Deutschland etwas aus sich machen sollen.

Muhabbet ist Urheber und Star einer besonderen Musikrichtung, in der die arabeske orientalische Musik mit Rhythm-and-Blues und Hip-Hop-Anklängen gemischt und mit deutschen Texten unterlegt wird. Der Musiker selbst nimmt den Begriff «arabesk» und nennt seinen Stil Rhythm-and-Besk oder im Szenejargon R'n'Besk.

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Steinmeier sagte, der junge Musiker aus Köln nutze seinen Bekanntheitsgrad zu der Botschaft: «Lernt Deutsch, macht was draus.» Muhabbet selbst sagt: «Deutschland ist meine Heimat.» Viele seiner Denkungsart seien aber misstrauisch gegenüber Deutschen. Öffnung sei wichtig. «Negative Sachen sind genug zu lesen über Türken.» Sein Stil schwappt nach Branchenangaben auch auf die Türkei über, wobei des Deutschen unkundige türkische Jugendliche die Texte phonetisch und auswendig nachsängen. Frankreich hat es laut Kouchner mit der Musikkultur aus der Migrantenszene leichter, da sie viel stärker präsent sei als in Deutschland.

Aufgenommen wurde «Deutschland» im Studio von P.L.A.K Music im Problembezirk Neukölln zusammen mit sieben weiteren Nachwuchstalenten mit Migrationshintergrund. Muhabbet und das Label werden nach eigenen Angaben oft zu Debatten über Migrantenthemen eingeladen, darunter vom deutschen Musikrat, der Friedrich-Ebert-Stiftung, von Unicef, vom ZDF oder vom TV-Kinderkanal Kika.

Meisterschaft in der Beschränkung

'Deutschland, Deutschland, Frankreich, Frankreich', so Steinmeiers Text
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Das ministerielle Mitsingen beschränkte sich auf die Worte «Deutschland, Deutschland, Frankreich, Frankreich», die dem Refrain zugemischt wurden. Die Hauptgesangsleistung lag bei Muhabbet, der nach drei Proben auch die Idee hatte, neben «Deutschland, Deutschland» auch die Worte «Frankreich, Frankreich» aufzunehmen. Kouchner sagte dann auch zur Integration: «Das wird eines der zentralen Themen der französischen EU-Präsidentschaft sein.» Steinmeier und Muhabbet kennen sich seit einiger Zeit.

Im vergangenen Jahr nahm der Minister den Musiker in seinem Dienstflugzeug zur Gründung der Ernst-Reuter-Initiative nach Istanbul mit. Zusammen mit dem damaligen türkischen Außenminister und heutigem Präsidenten Abdullah Gül schob er Programme für verstärkte deutsch-türkische Zusammenarbeit an. Der Schritt war eine Reaktion auf den Karikaturenstreit mit der islamischen Welt, in dem die Türkei eine Vermittlerrolle einnahm. Die Initiative wurde nach dem legendären Berliner Regierenden Bürgermeister während der Spaltungsjahre, Ernst Reuter, benannt. Reuter hatte als verfolgter Sozialdemokrat während der Nazi-Diktatur in der Türkei Asyl erhalten.

«Anfang einer wunderbaren Karriere»

Kouchners Rolle in dem ministeriellen Gesangsduo war nicht ganz einfach. Zum einen hat Frankreich mit seinen Migranten aus dem Maghreb in seinen Vorstädten massive Probleme. Staatspräsident Nicolas Sarkozy will sie vorrangig angehen. Andererseits ist Sarkozy strikt gegen die Aufnahme der Türkei in die EU. Demgegenüber hält die Bundesregierung die Möglichkeit der Aufnahme offen, wobei die Union eine privilegierte Partnerschaft und die SPD die Vollmitgliedschaft der Türkei verfolgen. Kouchner nahm es dennoch leicht.

Mit Blick auf die üblichen Sitzung in den Ministerräten sagte er: «Die Atmosphäre ist nicht dieselbe. Ich bin sehr glücklich, dass Frank diese Idee hatte.» Und nach dem Gesang: «Das ist der Anfang einer wunderbaren Karriere.» (Frieder Reimold, AP)

 
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