Von Kautabak zu Butter: Clark Gable, Steve McQueen und Tobey Maguire
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Es muss ja nicht immer Bruce Willis sein, aber wo sind eigentlich die ganzen harten Kerle im Kino hin? Eine Spurensuche von Sophie Albers.
Früher, als das Gras grüner, die Eltern noch nicht Rentner und im Westen noch Gold zu finden war, ließ sich das bevorzugte Männerbild im Kino mit einem Wort zusammenfassen: hart.
Der Held redete nicht gerne, hatte einen stechenden Blick und zog seinen Colt, wenn es ihm zu bunt wurde. Und hat ihm eine Frau gefallen, hat er sie einfach aufs Pferd gepackt. Wer heute ins Kino geht, erlebt dagegen Helden, die vor allem eines wollen: reden. Platz zwei geht an: Schwäche zeigen.
Da sitzt der Vegetarier Tobey Maguire neben seinem Spider-Man-Anzug und hadert mit seiner dunklen Seite, da schüttelt Orlando Bloom sein langes Haar und erzählt, dass er seinen Hund lieb hat, und Jake Gyllenhaal, Traum vieler schlafloser Nächte, spielt erst einen schwulen Cowboy und hört einem dann ganz aufmerksam zu. Das kann man sich bei Clark Gable, Steve McQueen und Bruce Willis nicht mal vorstellen. Viele leiden noch immer an dem Trauma, John McClane in «Die Hard 2» weinen gesehen zu haben.
Kein richtiger Kerl, nirgends in der langen Reihe Hollywoodscher Nachwuchshelden: Der einsame Wolf wurde schleichend durch Milchgesichter und Fashion Victims ersetzt. Stellt sich die Frage, ob das weibliche Kinopublikum dieser Femininisierung nicht langsam überdrüssig wird. Steht uns nach dem metrosexuellen Einfluss eines David Beckham nun also die Eva-Hermanisierung des Männerbildes bevor?
Könnte sehr gut sein, denn ja, frau hat auch im Jahr 2007 noch einen Faible für den Neandertaler, nur darf er eben nicht gegen Bäume rennen, wenn er sein weibliches Publikum in die Höhle schleift. Deshalb ist Hollywoods jüngster Macho-Versuch Vin Diesel auch so kläglich gescheitert. Denn ohne Smartheit ist frau einfach nicht an die Kinokasse zu kriegen. Nicht mal sein frauenfischender Auftritt als «Babynator» hat dem «The Fast And The Furious»-Star (seine einzigen überzeugenden Auftritte) geholfen. Zudem ist er kein Mann, den man Küssen sehen möchte. Nicht einmal die unglaubliche Asia Argento konnte das ändern in «XXX», und das ist eine wahre Antilibido-Leistung.
Es reicht nicht, wie ein Aschenbecher zu riechen
Auch so eine Nullnummer ist Russell Crowe, zu dem die Produzenten gerne greifen, sobald der Held ein harter Knochen sein soll. Doch haben sie dabei leider Tumbheit mit Sexappeal verwechselt. Der Neuseeländer hat sein Versprechen der Härte with a twist aus «L.A. Confidential» und «Gladiator» einfach nicht halten können. Daran hat auch «A Beautiful Mind» nichts geändert.
Ebenso wenig überzeugend ist der trink- und drogenfeste Ire Colin Farrell, denn es reicht nicht aus, wie ein Aschenbecher zu riechen, um Frau nervös zu machen. Und wenn man genau hinsieht, hat er sogar das gleiche weiche Kinn wie all seine soften Kollegen, das können auch die paar Bartstoppeln nicht verbergen.
Es fehlt die Erfahrung des harten Lebens
Dann also doch lieber über die Umwelt reden mit Leonardo DiCaprio und shoppen gehen mit Jude Law? Ist es denn so schwierig, einen richtigen Mann vor die Kamera zu kriegen?
«Es rennen eine Menge hübsche Jungs mit Sixpack rum, aber ihnen fehlt es an Authentizität und Glaubwürdigkeit», erklärte jüngst Hollywoodagent Robert Newman den Mangel. «In den fünfziger Jahren waren viele Männer im Krieg gewesen. Einige davon wurden Schauspieler. Sie hatten ein hartes Leben, das brachte eine gewissen Schwere mit sich.»
Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass Hollywood sehr direkt von Amerikas Kriegen profitieren könnte. Ein neuer Held ist also nur eine Frage der Zeit und Granateneinschläge? Allerdings steht dann zu befürchten, dass es für diesen neuen Typus bereits Vorboten gibt. Und die heißen zum Beispiel Kiefer Sutherland, der in «24» einen moralisch flexiblen, kaputten Typen gibt, der beste Mann der Homeland Security.
Ein Vorschlag zur Güte
Deshalb hier ein anderer Vorschlag: Bei der Suche nach dem neuen James Bond war er bereits schmählich übergangenen worden, doch hat Clive Owen noch eine ganz große Karriere vor sich. Man denke nur an seinen Auftritt in «Closer - hautnah», wo er das ultimative Weichei Jude Law zu kleinen wimmernden Krümeln gespielt hat.
Szene aus "Closer" Diesem Mann ist eigen, was die ganz Großen Hollywoods auch heute noch so unwiderstehlich macht - von Cary Grant bis Burt Lancaster: Sie haben die Dinge unter Kontrolle und wenn nicht, dann weil sie sie nicht unter Kontrolle haben wollen.
Owen dreht seriöse Dramen wie «Children of Men» neben durchgeknallten Videospielverfilmungen wie «Shoot'Em Up» ohne den kleinsten Kratzer im Imagelack. Er ist ein Handwerker, dem Firlefanz zuwider ist, der aber trotzdem seinen Shakespeare gelesen hat. Eben genau das, was ein moderner Held braucht. Und auch Owen möchte Sean Connery niemals weinen sehen.