Harter Kerl verzweifelt gesucht
24.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der Held redete nicht gerne, hatte einen stechenden Blick und zog seinen Colt, wenn es ihm zu bunt wurde. Und hat ihm eine Frau gefallen, hat er sie einfach aufs Pferd gepackt. Wer heute ins Kino geht, erlebt dagegen Helden, die vor allem eines wollen: reden. Platz zwei geht an: Schwäche zeigen.
Kein richtiger Kerl, nirgends in der langen Reihe Hollywoodscher Nachwuchshelden: Der einsame Wolf wurde schleichend durch Milchgesichter und Fashion Victims ersetzt. Stellt sich die Frage, ob das weibliche Kinopublikum dieser Femininisierung nicht langsam überdrüssig wird. Steht uns nach dem metrosexuellen Einfluss eines David Beckham nun also die Eva-Hermanisierung des Männerbildes bevor?
Könnte sehr gut sein, denn ja, frau hat auch im Jahr 2007 noch einen Faible für den Neandertaler, nur darf er eben nicht gegen Bäume rennen, wenn er sein weibliches Publikum in die Höhle schleift. Deshalb ist Hollywoods jüngster Macho-Versuch Vin Diesel auch so kläglich gescheitert. Denn ohne Smartheit ist frau einfach nicht an die Kinokasse zu kriegen. Nicht mal sein frauenfischender Auftritt als «Babynator» hat dem «The Fast And The Furious»-Star (seine einzigen überzeugenden Auftritte) geholfen. Zudem ist er kein Mann, den man Küssen sehen möchte. Nicht einmal die unglaubliche Asia Argento konnte das ändern in «XXX», und das ist eine wahre Antilibido-Leistung.
Ebenso wenig überzeugend ist der trink- und drogenfeste Ire Colin Farrell, denn es reicht nicht aus, wie ein Aschenbecher zu riechen, um Frau nervös zu machen. Und wenn man genau hinsieht, hat er sogar das gleiche weiche Kinn wie all seine soften Kollegen, das können auch die paar Bartstoppeln nicht verbergen.
«Es rennen eine Menge hübsche Jungs mit Sixpack rum, aber ihnen fehlt es an Authentizität und Glaubwürdigkeit», erklärte jüngst Hollywoodagent Robert Newman den Mangel. «In den fünfziger Jahren waren viele Männer im Krieg gewesen. Einige davon wurden Schauspieler. Sie hatten ein hartes Leben, das brachte eine gewissen Schwere mit sich.»
Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass Hollywood sehr direkt von Amerikas Kriegen profitieren könnte. Ein neuer Held ist also nur eine Frage der Zeit und Granateneinschläge? Allerdings steht dann zu befürchten, dass es für diesen neuen Typus bereits Vorboten gibt. Und die heißen zum Beispiel Kiefer Sutherland, der in «24» einen moralisch flexiblen, kaputten Typen gibt, der beste Mann der Homeland Security.
Owen dreht seriöse Dramen wie «Children of Men» neben durchgeknallten Videospielverfilmungen wie «Shoot'Em Up» ohne den kleinsten Kratzer im Imagelack. Er ist ein Handwerker, dem Firlefanz zuwider ist, der aber trotzdem seinen Shakespeare gelesen hat. Eben genau das, was ein moderner Held braucht. Und auch Owen möchte Sean Connery niemals weinen sehen.

