14.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Lässiger Gentleman: Moore als 007
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Model, Schauspieler, Musical-Star, Unicef-Botschafter: «James Bond»-Darsteller Roger Moore hat in seinem Leben schon viele Rollen gespielt. Der britische Schauspieler feiert seinen 80. Geburtstag.
Roger Moore hat James Bond nie so recht ernst genommen. «Wie kann er Spion sein, wenn der Barkeeper jeder beliebigen Bar ihn mit den Worten 'Ah, Mister Bond, geschüttelt und nicht gerührt?' empfängt», erklärte er einmal seine ironische Haltung zu seiner populärsten Rolle. Vor 22 Jahren drehte er seinen siebten und letzten 007-Film. Als er Jahre später Pierce Brosnan in der Rolle sah, meinte er, die Fans würden Sean Connery und ihn nun einfach vergessen. Zu Unrecht, denn obwohl der Brite nach Bond keine herausragenden Rollen mehr gespielt hat, ist er präsent geblieben.
Am Sonntag wird Moore 80 Jahre alt. Ganz ungetrübt wird die Feier zu seinem Ehrentag jedoch nicht ablaufen: Vor kurzem starb seine enge Freundin, die Schauspielerin Lois Maxwell, die in 14 Bond-Filmen die Miss Moneypenny gespielt hat. Sie hatten sich 1944 auf der Schauspielschule kennen gelernt. Der 1927 im Londoner Vorort Stockwell geborene Polizistensohn wollte eigentlich Zeichner werden und besuchte zunächst die Kunstschule. In seinen ersten Jahren als Schauspieler schlug er sich auch als Verkäufer und Dressman durch.
Seine Karriere begann mit TV-Serien: «Ivanhoe» und «Maverick» legten den Grundstein, aber «The Saint» wurde weltweit ein Riesenerfolg. Die Figur des smarten Draufgängers und Superhelden Simon Templar schien ihm auf den Leib geschrieben. Auch als humorvoller Lord Sinclair in der Serie «Die 2» machte er Furore. Sein amerikanischer Partner Tony Curtis soll damals auch in die engere Wahl des neuen Bond-Darstellers gekommen sein. Aber der Brite, obwohl schon 45 Jahre alt, machte das Rennen.
Moore spielte den Agenten 007 als Gentleman mit unübertrefflicher Lässigkeit, Ironie und rollengerechtem Körpereinsatz. Auf die Frage nach Gefahren bei den Dreharbeiten antwortete er mit 75: «Denken Sie nur an die Alligatoren von 'Leben und sterben lassen'. Das war wirklich nicht gefährlich. Ich habe die ganze Zeit meine Alligator-Schuhe getragen und war dann sehr schnell.» Er fügte hinzu: «Aber am gefährlichsten sind die Liebesszenen. Da brauchte ich immer ein Double.» Mit der Zeit sei es ihm zunehmend peinlich geworden, als «männliches Sexsymbol ausgestellt» zu werden.
Geheimagent mit HerzschrittmacherNach der Bond-Ära erregte Moore als Schauspieler kaum noch Aufsehen, zeigte aber bis dahin unbekannte Talente. So sang er 1989 in Andrew Lloyd Webbers Musical «Aspects of Love» die Hauptrolle des Jetsetters und fuhr Ski in Willy Bogners Film «Feuer, Eis und Dynamit». Mit 74 Jahren nahm er eine Rolle als extrovertierter Homosexueller in der US-Komödie «Boat Trip» an und spielte zur Überraschung deutscher Krimifans eine kleine Rolle im «Tatort». 2003 brach er während einer Broadway-Vorstellung zusammen; ihm wurde ein Herzschrittmacher eingesetzt. Bei einem Essen mit seinem Freund scherzte er schon wieder. Sie hätten ihre Hemden aufgerissen und ihre Narben verglichen: «Seine hat natürlich einen Reißverschluss aus Platin von Cartier.»
Seit Anfang der neunziger Jahre steht für Roger Moore der Einsatz als Botschafter des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen an erster Stelle. «Unicef ist meine beste Mission, das Wichtigste, das ich in meinem Leben gemacht habe», sagte er. Er sammelt Spenden, setzt sich gegen Ausbeutung und Missbrauch von Kindern und für eine bessere Bekämpfung von Aids ein. Dafür schlug ihn Königin Elizabeth II. im Oktober 2003 zum Ritter. Seither darf er sich Sir Roger nennen. Bundespräsident Johannes Rau ehrte ihn mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Gefragt nach den wichtigen Dingen im Leben, antwortet Moore: «Meine Partnerin, meine Kinder und meine Enkelkinder». Er wohnt in einem Chalet im schweizerischen Gstaad und in Monte Carlo und ist in vierter Ehe mit der dänischen Millionärswitwe Christina («Kiki») Tholstrup verheiratet. Seine drei Kinder stammen aus seiner dritten Ehe mit der Italienerin Luisa Mattioli, von der er sich Anfang 1997 trennte. (Inge Treichel/AP)